Ecce homo: "Siehe, der Mensch" im cCe

Derzeit kann man in der Kunstgalerie des cCe Kulturhaus Leuna eine Gemeinschaftsausstellung von Künstlern aus der Region in und um Halle in Augenschein nehmen. Charlott Szukala, Ernst-U. Jacobi, Andreas Hornbogen und Steffen O. Rumpf setzten sich auf vielfältige Art und Weise mit den Fragen auseinander: Was treibt den Menschen um? Was macht er mit sich und seiner Umwelt?

Jeder greift diese Fragestellungen  auf und setzt es für sich als Thema um. Dabei wird die Natur in ihrer Unberührtheit dargestellt. Gleichzeitig erkennt man die zerstörerische Kraft, die vom Menschen ausgeht – gegenüber der Natur, den Menschen aber auch sich selbst gegenüber.


Morbide Stimmung macht sich breit, alltäglich vorherrschende Katastrophen, die man teilweise selbst verdrängt, werden für diesen einen Augenblick festgehalten. Werden und Vergehen des Menschen mit all seinen Facetten, aber auch der Kreislauf in der Natur vom Frühling bis zum Winter sind zu sehen.

Unterschiedliche Materialien, Techniken und Herangehensweisen der Künstler zeigten mir auf, dass der Mensch sich als Mittelpunkt des Schaffens versteht. Wenn er aber nicht begreift, nicht weiter an dem Ast zu sägen, auf dem er sitzt, kann uns die Natur mit ihrer ureigenen Gewalt ganz schnell eines Besseren belehren.

Nur weil wir aufrecht gehen und sprechend kommunizieren macht uns das nicht zum besseren Wesen? Etwas mehr Rücksicht auf die Natur, andere Menschen und vor allem auf uns selbst könnte diese zerstörerische Kraft mildern. Wir sollten beginnen, den Blickwinkel zu verändern, um einfach einmal eine andere Sichtweise auf die Dinge, die um uns herum passieren, zu bekommen. Denn alles ist vergänglich!

Interessant fand ich die Holzskulpturen von Charlott Szukala, die aus der Nähe betrachtet grob, ungehobelt, eben ohne Schliff erschienen. Aus der Entfernung strahlten sie eine Kraft aus, die mit Sicherheit für ein gesundes Selbstbewusstsein im Leben notwendig ist. Im Einklang mit der Natur – dem Material Holz – bekommt das Ganze eine noch tiefere Bedeutung bezüglich dem Leben und der Vergänglichkeit als Thematik.


Die skurrile Kombination einer Kreuzigungsszene, dem Clown im Vordergrund, der uns eigentlich zum Lachen bringen soll, und der sich lasziv rekelnden weiblichen Person unter den Augen der umstehenden Personen auf der anderen Seite des Kreuzes lassen sehr viel Interpretationsspielraum. Das erinnert mich immer an die Frage im Kunstunterricht: Was will uns der Künstler damit sagen?


Obwohl ich keiner Religionsrichtung angehöre, haben mich die Darstellung biblischer Szenen und Symbole doch etwas geschockt. Grundsätzlich sehe ich das Paradies. Aber haben wir das daraus gemacht? Ist es schon zu spät oder gibt es noch Spielraum? Fakt ist, wir alle haben es selbst in der Hand …

 

… ob es bereits fünf vor 12 ist oder doch viel zu spät. Die Interpretation obliegt jedem selbst.

 

Ich persönlich halte diese Ausstellung auf jeden Fall für eine Bereicherung. Eingefahrene Strukturen und Denkweisen sollten vielleicht überdacht werden. Beim Betrachten der Bilder sollte man sich Zeit nehmen, alles auf sich wirken lassen. Ein Besuch dieser Ausstellung lohnt sich wirklich. 

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!