„Klischee“ in der Bibliothek Braunsbedra - Lesung aus dem Roman "Schachbretttage"

Zur Buchlesung am 26. November waren wieder zahlreiche Gäste im „spätjugendlichen Alter“ erschienen. Die Definition stammt natürlich nicht von mir, sondern vom freien Berliner Künstler Stephan Groß, der aus dem neuesten Werk von Jörn Birkholz „Schachbrettage“ vorlas.

Dieses Buch ist irgendwie eine Parodie auf den realen schweren Gang des jungen Autors auf der Suche nach einer Möglichkeit, sein Erstlingswerk „Deplaziert“ zu veröffentlichen. Ein schier unendlicher Weg gepflastert mit Steinen der Demütigung, Bemitleidung, Selbstzweifel u.v.m. Natürlich … "Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig".

Wen verwundert es, dass im Handlungsgeschehen der junge Autor Benedikt Buchholz und sein ihn begleitender Freund und (ebenfalls) Vorleser Victor Klein bemüht sind, das Buch „Derangiert“ an den Mann oder die Frau zu bringen? Immer wieder wurde ironisch versichert, dass es sich bei dem über die Buchreise Gehörten nicht um autobiographische Züge handelt.

Lange Rede, kurzer Sinn – Ein Hoch auf die Erfindung der Telefonflatrate. Auch Ausdauer und Beharrlichkeit machen sich bezahlt beim Telefonieren mit Buchhändlern und Bibliothekaren, denen beim Nennen des Namens des jungen unbekannten Autors schon die Nackenhaare zu Berge stehen. Mit viel trockenem Humor wird aufgezeigt, wie man mit Skepsis, Argwohn und Verbohrtheit dieser Menschen umgehen muss. Mir persönlich hat besonders die Stelle gefallen: „Ich bin nicht zuständig.“ Den Satz haben wir doch alle schon gehört

Im Laufe der Lesung erfährt man etwas über das Prozedere vom frisch geruckten Buch und dem Weg in die Buchläden. Dann folgt der erste Verkauf mit dazugehörigen Besprechungen, der Versuch, Lesungen durch die hinterste Provinz zu organisieren und auch durchzuführen. Getreu dem Motto: „Ich bin jung und brauch das Geld“ wird beschrieben, welche Hürden man nehmen muss, wie toll das Publikum sein kann – aber auch die gute deutsche Bürokratie bleibt von der Ironie des Autors nicht verschont!

Ich bin ehrlich, da ich mich in vielen Situationen wieder erkannt habe und diesen trockenen Humor sehr mag und schätze, fiel mir gar nicht auf, dass es sich eigentlich um einen Kriminalroman handeln sollte.

Ganz zum Schluss der Lesung wurde angedeutet, dass auf dieser Buchreise der beiden Hauptpersonen in einem Luxushotel auf der Insel Rügen ein Mann aus dem Fenster stürzt und der Roman eine Wende nimmt. Aber das störte auch keinen der hier erschienen „Spätjugendlichen“, da es sehr interessant war zu hören, wie schwierig es ist, wirklich ein Buch auf den Markt zu bringen. Unbekannter Name, in keine Schublade passend – eben ein Krimi mit Humor, Auflagen der Veranstalter nicht erfüllen können in Bezug auf die Zuhörerzahl … Ich jedenfalls habe Lust bekommen, das Buch zu Ende zu lesen.

Uns wurde an diesem Abend auch ein kleiner Einblick in die kennen gelernte Zuhörerschaft gegeben, typische Ossi- und Wessi - Klischees, wie man sie überall trifft.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Jürgen Krohn

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!