"Willi Sitte - eine Retrospektive" zum 10- jährigen Jubiläum der Galerie Merseburg

Am 7. Februar wurde in der Merseburger Willi-Sitte-Galerie eine neue Retrospektive zu Willi Sitte eröffnet. Dabei handelt es sich bereits um die 10. Jahresausstellung, die ebenfalls wieder einen Überblick aus seinen Gesamtwerken darstellte, wobei es auch dieses Mal nicht einfach war, dem Malers Gerecht zu werden, denn Willi Sitte lebte und arbeitete in drei verschiedenen Gesellschaftssystemen.

Diese Vernissage ist ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr in der Domstraße 15. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde hier in der Domkurie ein neuer touristischer Magnet in der Stadt geschaffen. Alt und neu wurde kombiniert. Man berücksichtigte dabei , dass dieses Haus  barrierefrei zu erreichen ist.

Inzwischen finden auch artfremde kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte, Ausstellungen zu Glaskunst, Fotografien oder Holzkunst statt. Im Sommer wird hierfür das Freilufttheater genutzt. Mehr als 40 Sonderausstellungen waren bereits hier im Haus zu sehen.

Zum 95. Geburtstag von Willi Sitte wollte man nicht wie sonst, ein bestimmtes Thema beleuchten, was die Vielseitigkeit seines künstlerischen Lebens widerspiegelt. Mit dieser Jubiläumsausstellung wollte man die  Nähe zu ihm herstellen und mit einer Sitzecke und einem Arbeitsbereich sein richtiges Arbeitsleben zeigen. Ich denke, es ist sehr gut gelungen zu veranschaulichen, was ihn bei seinem Schaffen begleitet hat.

Hier können Sie einen Blick in das nachgestellte Atelier von Willi Sitte werfen. Viel Saß dabei.

 

Neben hochrangigen Persönlichkeiten wie Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff , Landrat Frank Bannert oder SPD - Landtagsabgeordnete Dr. Verena Späthe waren auch die Familie, Freunde, Weggefährten, Künstlerkollegen und Meisterschüler bei dieser Vernissage anwesend.

Die erste Rede hielt der Schweizer Maler und Grafiker Valentin Magaro, der selbst vor zwei Wochen ebenfalls eine Ausstellung in der Sitte - Galerie eröffnete.

Hans-Hubert Werner, Vorstandsvorsitzender  der Willi - Sitte - Stiftung, nahm diese Vernissage zum Anlass, auch noch einmal den Werdegang dieses altehrwürdigen Hauses zu beleuchten.

Willi Sitte, war ein sehr schöpferischer Mensch. Sein Lebenswerk umfasst sehr viele Arbeiten, die sich in der Hand der Familie Sitte oder von Privatpersonen, dem Fundus der Stiftung, dem Landeskunstmuseum oder verschiedenen Galerien befinden. Diese zahlreichen Leihgaben machten es möglich, dass noch bis nächstes Jahr 213 Gemälde und mehr als 1 000 Zeichnungen, Druckgrafiken und Skizzen hier zu sehen sind.

Dieser Exkurs durch 60 Jahre Schaffenszeit beleuchtet sein erfolgreiches und widersprüchliches Malerleben. Selbst als lebensbejahender Mensch versuchte Willi Sitte, die Menschen mit seinen Zeichnungen und Gemälden zu erreichen, sich mitzuteilen und  aufzurütteln.

Während seiner künstlerischen Entwicklung durchlief Willi Sitte verschiedene Stufen. Von der Altmeistertechnik, diversen experimentellen Phasen mit Anregungen aus dem Surrealismus und Fingerübungen, die seine eigene Technik hervorriefen, ging er weiter seinen stilistischen Weg, der dem Meister auch internationalen Erfolg bescherte.

Die hartnäckige und kontinuierliche Weiterentwicklung machten ihn zum Rubens der DDR. Seine großformatigen farbigen Komplexbilder waren das Ergebnis seiner Suche nach der eigenen Bildsprache. Picasso galt mit als sein Vorbild.

An diesem Vormittag erhielt man neue Einblicke in das Schaffen von Willi Sitte und erlebte viele bewegende Momente. Wer ihn persönlich kennen lernen oder gar zu Hause besuchen durfte, konnte die spezielle Atmosphäre in seinem Heim aufnehmen. Oft kam es auch zu stundenlangen Gesprächen.

Von den vier Großen war hier wieder zu hören: Bernard Heisig, Werner Tübke Wolfgang Mattheuer und Willi Sitte, die allesamt als herausragende Malerpersönlichkeiten gelten.

Willi Sittes politisches Engagement für die DDR und seine Integrität sorgten und sorgen immer noch für Diskussionen und Zweifel.

Wie Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff richtig bemerkte, ist der Künstler Willi Sitte für viele von uns schon immer ein Wegbegleiter gewesen. Auch für mich waren die Bildbetrachtungen seiner Werke im Kunstunterricht ein Muss.

Und selbst 25 Jahre nach der Wende ist Willi Sitte ein bleibender Bestandteil geblieben. Wir ehemaligen DDR - Bürger bringen alle unsere eigenen Diktaturerfahrungen mit, jeder auf seine Weise. Diese sind sehr facettenreich, da jeder seine Biografie mit seinem eigenen Erfahrungsschatz durch diese friedliche Revolution im Herbst 1989 gebracht hat.

Diese können wir nicht einfach wegwischen, da wir die Dinge nun einmal anders werten und bewerten. Deshalb ist es wichtig, nicht nur vernichtende oder abwertende Worte übrig zu haben, sondern, um sich wirklich kritisch mit der Zeit der Diktatur auseinander zusetzten, entsprechendes Hintergrundwissen besitzen muss. Eine Aufarbeitung dieser Zeit ist nur so möglich, auch aus künstlerischer Sicht.

Aufgabe für die Zukunft muss es sein, Werke dieser Zeitepoche aufzubewahren, zu erschließen und auch  weiter zugänglich zu machen. Willi Sittes Lebenswerk ist ein Teil der Kunstgeschichte! Er persönlich hat an die Utopie des Arbeiterstaates geglaubt. Die Erinnerungen daran kann man auch uns nicht nehmen.

Für die junge Generation scheint das Alles ohnehin sehr befremdlich.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Eberhard Leucht, Kathleen Brehme

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