Die Themenführung: Von der Steinzeit zur Straße der Romanik in Merseburg

Mönch Thomasius war am 30. April 2016 erfreut über die zahlreich erschienen Interessierten, die ihn auf seinem Spaziergang durch die historische Domstadt begleiten wollten. 

Treffpunkt war am Petrikloster. Hier befindet sich das älteste Siedlungsgebiet der Stadt Merseburg.

Dem Altenburger Friedhof statteten wir einen Besuch ab, auf dem jetzt nicht mehr zu sehen war, dass sich hier bis vor kurzem noch die Erde aufgetan hatte. Die aufgestellten Bauzäune waren entfernt. Jetzt kann der Friedhof wieder ungehindert begangen werden.

Wir erhielten interessante Informationen über die Kirche St. Viti und den Klosterbereich. Auch die Namensgebung der Stadt war wieder ein wichtiges Thema. 

Die Grabungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts  beweisen auf jeden Fall, dass Merseburg schon sehr lange existent ist. 

Aus der Kirche St. Viti der Gemeinde Altenburg, die bereits im 13. Jahrhundert erste Umbauarbeiten über sich ergehen lassen musste, wurde im letzten Jahrhundert nach und nach die barocke Ausstattung entfernt, die man sich zwischenzeitlich andernorts anschauen kann.

In der Stadt gehen einige architektonische Bauwerke auf das Konto der Familie  Hoppenhaupt, die dänischer Abstammung war. Darunter zählte auch die Umgestaltung dieser Kirche.

Auf dem Friedhof begegneten uns, neben der Geschichte um die Heilige Eudika, noch die eine oder andere Anekdote.

Das sich anschließende Petrikloster, welches im 8./9. Jahrhundert als Missionsstation zu Christianisierung fungierte, wird langsam wieder zu neuen Leben erweckt. 

Der Förderkreis Klosterbauhütte Merseburg e.V. ist jetzt das dritte Jahr dabei, sich aktiv für den Wiederaufbau des Klosters zu engagieren.

Nachdem das Kloster seine eigentliche Bedeutung verloren hatte, diente es als Museum, Lager und vieles andere mehr, bevor es seit den 80-ziger Jahren leer stand.

Nach und nach wurde der angesammelte Schutt entfernt und Sanierungsarbeiten durchgeführt, so dass zum Beispiel der Sommerrempter einen neuen Fußboden erhielt, um besser für anstehende Veranstaltungen genutzt zu werden.

Im Winterrempter, der wahrscheinlich mit einer Art Fußbodenheizung ausgestattet war, stand eine Leinwand, die auch für Filmvorführungen oder Public Viewing genutzt werden könnte. Also darf man gespannt sein, was uns das Petrikloster  in naher Zukunft noch alles so zu bieten hat.

Annabelle, ein fleißiges Bienchen des Vereins, und der Mönch Thomasius fachsimpelten dann noch eine kurze Weile, ob die Marienkapelle nun eine Marienkapelle oder eher eine Johanneskapelle sei, bevor es weiter ging.

Aber erst einmal wird hier am 21. Mai der 2. Kräutertag stattfinden. Am und um das Gelände wird ganz schön was los sein. Die Vorbereitungsarbeiten laufen auf Hochtouren.

Einen kleinen Bericht dazu finden Sie hier.

Auf dem Weg entlang der Oberaltenburg in Richtung Obere Wasserkunst unterhielt ich mich mit einem älteren Herrn, der vor 65 Jahren das letzte Mal hier gewesen ist. Er wurde damals in St. Viti getauft und konfirmiert. 

Außerdem erzählte er mir, dass er und seine Freunde nach dem Krieg als 15-jährige damals das Gebiet am und um das Kloster für sich ausfindig gemacht und erkundeten hatten. 1968 sei er dann weggezogen, erst nach Halle und später noch viel weiter. Inzwischen ist er wieder in seine alte Heimat zurückgekehrt. 

Die Obere Wasserkunst, welche für die Wasserversorgung der Domschlossfreiheit Altenburg zuständig war, wurde ebenfalls von Johann Michael Hoppenhaupt im barocken Stil erbaut. 

Während die Pumpstation unterhalb an der Saale abgerissen wurde, wird die Obere Wasserkunst noch als Wohnhaus genutzt. 

Im Schlossgarten angekommen, setzte ich mich mit einer Merseburgerin, die 1929 geboren worden ist, auf eine Bank und wir kamen ins Gespräch, während der Mönch Thomasius die anderen Teilnehmer mit Informationen über den Schlossgartensalon und historischen Fakten fütterte. 

Als Kind hatte die ältere Dame hier schon Einiges mit ihren Freundinnen erlebt. Der Schlossgärtner, der damals noch hinter dem Schlossgartensalon wohnte, beschütze sie unter anderem vor einem vermeindlichen Sittenstrolch. Das hatte bei der damals Fünfjährigen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

Langsam schlenderte die Gruppe durch den Schlossgarten vorbei am Ständehaus. Wir erfuhren, dass dort die verschiedensten Historiengemälde hängen. Aber auch schon manche Persönlichkeit hat aus den Fenstern des Ständehauses gewunken. Unter ihnen waren Walter Ulbricht und Fiedel Castro. 

An der Aussichtsplattform, von der man auf die Saale und die Mühleninsel schauen kann, erfuhren wir, dass die drei Hauptsäulen, auf  die sich die touristischen Aktivitäten in Sachsen-Anhalt stützen, hier vereint sind. 

Das Blaue Band in Sachsen - Anhalt,  Gartenträume und Straße der Romanik kann man hier in der schönen Domstadt Merseburg erleben. 

Über die Brücke zum Schloss, vorbei am Wappen des Hochstiftes mit der Inschrift „1483 Thilo von Trotha“, ging es dann weiter zum Rabenkäfig. Dort ist die Sage um den Ring des Bischoffs ein unbedingtes Muss.

Auf dem mehrfach umgebauten und umgestalten Schlosshof angekommen, ist der Blutstein vor dem Kulturhistorischen Museum noch ein Zeitzeuge aus dieser Zeit.

Der jetzt eher farblos erscheinende Innenhof hatte 300 Jahre, bevor schwarz rot gold Landesfarben wurden, eben diese Farbgebung.

Im letzten Jahr feierte man die 1000-jährige Grundsteinlegung des Merseburger Doms, obwohl aus Thilos Zeiten nicht mehr viel erhalten geblieben ist.

Mönch Thomasius kam nicht umhin, immer wieder alte Geschichten und Sagen zu erzählen, da einige Begleiter dieser Führung, die schon des Öfteren dabei waren, dies regelrecht einforderten. Selbstverständlich kam der Mönch dieser Bitte nach.

Am Domportal und der Marienkurie vorbei, dass Schlossensemble hinter uns lassend, ging es dann über die Saalebrücke, die wieder neu "behäkelt" worden ist, in Richtung Neumarktkirche St. Thomae.

An der Neumarktmühle wurde uns noch die Geschichte vom Mühlen - Kobold, der immer die Gäste ärgerte, erzählt, bis eines Abends ein Bärenführer eine Unterkunft wollte.

Das Geschehen nahm diese Nacht recht laut seinen Lauf. Selbst ein Jahr später traute sich eben dieser besagte Kobold nicht mehr in die Mühle, weil die große „Katze“, die ihn damals vertrieben hatte, sogar sieben Junge bekommen hatte. Unter Schmunzeln erzählte uns Mönch Thomasius, dass der Kobold nun endgültig weiter gezogen war und woanders sein Unwesen treibt.

An der Neumarktkirche angekommen, erwartete uns nicht die Magd, die anderweitig beschäftigt war, sondern zu Aushilfskräften rekrutierten Familienmitglieder.

Am Ende dieser Erlebnisführung gab es noch einen kleinen prozentigen Klostergruß oder wahlweise Orangensaft.

Auf dem Weg vom Petrikloster bis hierher hatten wir eine Reise in die Merseburger Geschichte unternommen. Viel Interessantes und Neues war zu erfahren. Spannende Geschichten und Sagenhaftes aus fast vergessenen Zeiten begleitete uns auf diesem Weg.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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