Themenführung: Merseburger Spukgeschichten mit der Laternenrese

Die Laternenrese lud auch in diesem Jahr wieder zu einem abendlichen Spaziergang durch die Merseburger Altstadt ein. Am 22. November 2016 trafen sich die interessierten Teilnehmer an der Merseburger „Hölle“. 

Der Teufel und die Laternenrese persönlich begrüßten uns. Der Weg bei diesem abendlichen Spaziergang führte über den Domberg bis zum „Domherrencafe´“.

Die Haltestelle „Hölle“  der Straßenbahnlinie 5 ist nur eine auf der mit ihren ca. 31 Kilometer langen Strecke. Dabei handelt es sich um die längste Straßenbahnlinie Deutschlands und hat 57 Haltestellen.

Das Finanzamt liegt unweit der Klia und muss wohl immer für den einen oder anderen Scherz zwecks Steuern herhalten. 

An der Sekundarschule „Johann Wolfgang von Goethe“ erhielten wir einen kleinen Exkurs durch das Merseburger Brauereiwesen. Über 400 Braugenehmigungen gab es hier früher. Später wurden sie dann zusammengefasst und aus ihnen ging die Berger - Brauerei hervor. 

Inzwischen gibt es wieder Merseburger Bier, auch wenn es jetzt in Landsberg gebraut wird. Diese Aktion wurde von Herrn Leidel von der Merseburger Domgalerie initiierte. Man erzählt sich, dass er wohl mit einem Bus voller Frauen nach Landsberg gefahren sei, denn bei dem Bier handle es sich um ein „Weiberbier“.

Am "Franzosen-Brunnen", der seinen Namen erhielt, weil 1757 ein französischer Offizier darin ertrunken aufgefunden wurde, erfuhren wir Einiges über Friedrich den Großen und die Schlacht bei Rossbach.

Unser nächstes Ziel war die Schwarze Bastion. Dort ist der Übergang von der Merseburger Altstadt zum Gebiet der Vorstadt Altenburg. Der dort erhaltene Teil ist als Schwarze Bastion bekannt. Hier erfuhren wir auch, dass Menschen, die zum Tode verurteilt worden waren, auf dem Gerichtsrain hingerichtet wurden. 

Am Ständehaus vorbei, dem ehemaligen Sitz des Landtages, ging es weiter in Richtung Merseburger Schloss. Auf dem Weg dorthin trafen wir auf den Bischof Thilo von Trotha, der uns natürlich zum Rabenkäfig begleitete und uns dabei von seinem Kammerdiener Johann und dem Diebstahl seines goldenen Siegelringes erzählte. Er hatte auf den sprechenden Raben gehört, der Johann beschuldigte, diesen Ring gestohlen zu haben. 

Dieser Justizirrtum hatte den Diener das Leben gekostet. Der Blutstein auf dem Merseburger Schlosshof soll immer daran erinnern. Und wer in die Merseburger Domstadt kommt, an dem geht die Rabensage auf keinen Fall vorbei.

Raben selbst sind ja sehr lernfähige Tiere und sind unsere größten einheimischen Singvögel. Sie können über 100 Jahre alt werden. Zwei dieser Exemplare sind im Rabenkäfig am Schloss untergebracht. 

Am Portal des Merseburger Doms angekommen, waren wir fasziniert vom Flüsterbogen. Selbstverständlich probierten es die einen oder anderen gleich aus. 

Auf dem Domplatz ging es vorbei an den beiden Platanen und am Kreuzgang. Dort befindet sich ja auch das Institut Europäische Romanik und gehört zur  Martin - Luther - Universität Halle - Wittenberg

Einen separaten Bericht dazu finden Sie hier.

Vor der Merseburger Domklausur trafen wir die Gattin des Siegismund von Lindenau. Sie war die Haushälterin des Domherren, der sie später ehelichte. Es war die erste evangelische Eheschließung, die von Martin Luther selbst vollzogen wurde.

Frau von Lindenau hatte bei den Aufräumarbeiten im Büro ihres Mannes eigenartige Unterlagen gefunden. Schnell stellte sich heraus, dass es sich bei dem Pergament um die berühmten Merseburger Zaubersprüche handelte. Diese beiden Formeln wurden in altsächsischer und althochdeutscher Sprache geschrieben.

Auch wenn Frau von Lindenau diese Formeln selbst nicht vorlesen konnte, diese Aufgabe übernahm dann der Stadthauptmann, redete sie, wie ihr der Schnabel gewachsen war und man musste dem Volk aufs Maul schauen, so ihre Worte.

Langsam neigte sich diese Themenführung mit der Laternenrese dem Ende. Auf dem Rückweg in die Stadt kehrten wir noch auf ein heißes Getränk im Domherrencafe´ ein.  Der heiße Zaubertrunk tat wirklich gut.

Und auf dem Weg zum Bahnhof schaute ich mir natürlich noch die unterschiedlichsten Laternen der Stadt Merseburg an.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathleen Brehme

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