Thematische Stadtführung: Merseburger Biergeschichten

Zur letzten Themenführung für dieses Jahr lud man am 17. Dezember 2016 ein. Ausgangspunkt war die Merseburger Domgalerie mit seinen tiefen Kellern, wo sich zu DDR – Zeiten noch eine Kneipe befand.

Wer Lust dazu hat, kann im nächsten Jahr gerne eine Führung mit Holger Leidel durch diese mittelalterlichen Kühlschränke machen und auch mehr über die Kunst in den Tiefen Kellern der Domstadt und in der Domgalerie erfahren und nicht nur über das Bierbrauen.

Einen Blick in die Tiefen Keller von Merseburg können Sie hier schon einmal werfen. Ein Besuch lohnt sch wirklich.

Der Stadthauptmann gemeinsam mit seinen Wachsoldaten, die Marktfrau und die Laternenrese begrüßten alle Interessierten zu dieser Führung, bei der es rund um das Thema Bier ging. 

Schon zu Beginn erfuhren wir Zauberhaftes über die Stadt Merseburg von Henriette Charlotte von Nassau – Idstein, die mit den Pergamenten mit den Merseburger Zaubersprüchen hier auf dem Venusberg erschien, auch was es mit den Idiesen auf sich hatte und natürlich über die zahlreichen Kellergewölbe unterhalb der Stadt. 

Inzwischen wurden in Merseburg über 500 dieser Keller gefunden, die seit dem 15. Jahrhundert als kühle Lagerräume genutzt wurden. Eine gleich bleibende Temperatur von 7 Grad Celsius sorgt für gute Bedingungen. 

Mit Sicherheit wird es über die Jahrhunderte so manches Saufgelage dort gegeben haben, egal ob im Mittelalter oder in den 80-ern im Jugendclub. 

Inzwischen lies man die Biertradition wieder auferstehen, auch wenn das Merseburger Bier nicht mehr hier gebraut wird. Eine Vision ist, das „Rabenbräu“ als Kellerbier wieder auferstehen zu lassen. 

Auch das Marktweib konnte noch die eine oder andere Geschichte zum Besten geben. Unter anderem hörte man von den Idiesen, die man im Mittelalter als Schutzzauber ins Haus geholt hat.

Und dass das plappernde Marktweib sehr geschäftstüchtig ist, stellt sie immer wieder unter Beweis. Neben kleinen Kostproben, den Idiesenzauber - Plätzchen, wurden auch Verdauungsschnäpse und Schnäpschen für die holde Weiblichkeit angeboten. Bei diesen Temperaturen durchaus angebracht.

In der Oberen Burgstraße zeigte man uns das Haus mit dem säulenverzierten Erker mit der toll erhaltenen Eingangstür, wo sich früher der „Goldener Ring“ befand.

Aber auch von anderen Kneipen oder Pensionen der Stadt Merseburg war zu hören unter anderem dem „Palmenhaus“ oder dem „Burgschenk“.

Bereits bei einer früheren Themenführung zog man von Kneipe zu Kneipe in der Stadt Merseburg mit einer langen Biertradition. Mehr dazu finden Sie hier.

Vorbei an den Arkaden des jetzigen Sozialamtes, wo die Stadtwache ganz schön zu tun hatte mit den neumodischen Pferdekutschen, ging es weiter in Richtung Franzosenbrunnen.

Hier hörten wir, wie der Brunnen zu seinem Namen kam und Geschichten während der Zeit der Schlacht bei Rossbach um 1757.

Auch in der Merseburger Kunsttanke kehrten wir ein - dem etwas anderen Eventhaus. Unter anderem finden bei Vollmond Veranstaltungen unter dem Motto “voller Mond in der Kunsttanke” statt. Zu Klavierklängen im Haus schauten wir uns ein wenig hier um. 

Das 1757 erbaute Domherrencafe´ gehörte zu den Domkurien, die sich im Besitz des Domkapitels befanden und wurden den Domherren als Dienstwohnungen zur Verfügung gestellt unter anderem von Philipp Herzog von Sachsen-Merseburg - Lauchstädt.

Vor der Prokuratur, in der Nähe des Krummen Tores, fanden wir die völlig aufgelöste Henriette vor, die Frau von Freiherr Fürst Wilhelm.

Dort hatte sie auf ihren Sigi gewartet, der wohl doch zum Saufen mit anderen Amtsträgern der Domstadt Merseburg ins Brauhaus gegangen ist, dem jetzigen Kartoffenhaus.

Währen wir hier noch leckere Bierplätzchen probierten, wollte Henriette in den Dom für die armen Seelen beten gehen. 

Wir folgten ihr durchs Krumme Tor in Richtung Domplatz. Doch was war das? Es begann zu schneien. Ein Blick nach oben offenbarte uns Frau Holle, die fleißig bei der Arbeit war.

Am Domplatz angekommen, wo trotz der gestutzten Platanen noch weihnachtliche Stimmung herrschte, erfuhren wir, dass 815 der erste öffentlicher Weihnachtsbaum aufgestellt wurde und zwar in Weimar. Inzwischen werden in Deutschland 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. 

Ob ein zu tiefer Blick ins Glas oder es einfach nur ein Versehen war, dass die Figuren über dem Domportal vertauscht worden sind bei Restaurierungsarbeiten, wird wohl nicht mehr geklärt werden können. Jedenfalls werden Johannes der Täufer sowie der heilige Laurentius, die beiden Schutzpatrone des Doms, weiter in die entgegen gesetzten Richtungen schauen. Ob es einem auffällt, wenn man nur vor dem Hauptportal des Doms steht … wer weiß?

Natürlich durfte die Merseburger Rabensage bei diesem Rundgang durch die historische Altstadt nicht fehlen, als wir am Rabenkäfig anhaben. Die beiden Raben hier, 10 und 15 Jahre alt, sollen an diesen Justizirrtum erinnern. Und passend gab es lecker zubereiteten „Rabenschiss“ von der Marktfrau.

Das Ständehaus, wofür man 1892 den Grundstein legte, wurde für die 4 Stände geschaffen, denn hier wurde damals die Provinzpolitik gemacht. In den 90 –er Jahren wurden etliche Millionen in die Renovierung und Restaurierung des Gebäudes investiert. Und jetzt kann man einfach nur sagen, ein Besuch lohnt sich immer!

Die Obere Wasserkunst war früher für die Versorgung des Schlossberges verantwortlich und wurde, nachdem der hölzerne Vorgängerbau abgebrannt war, von Johann Michael Hoppenhaupt  aus Stein wieder neu erbaut.

Kurz vor dem Ziel machten wir noch einen kleinen Stopp an den ehemaligen Pferdeställen des Gestüts. Dort befindet sich jetzt das  „Cafe´am Kloster“.

Am eigentlichen Ziel, dem Pertrikloster, angekommen, wurden wir schon vom Teufel erwartet, der noch einiges „Zur Hölle“ in der Innenstadt zum Besten gab. Unter anderem erzählte er etwas, wie der Name entstanden sein könnte und vom neuen „Höllenwirt“. 

Im Inneren des Klosters konnte man sich mit heißen Getränken aufwärmen. Auch wurden Leckereien von der Marktfrau zum Kauf angeboten. 

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathleen Brehme

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!