Themenführung: So eine Wirtschaft

Am 27. August 2016 luden uns der Stadthauptmann und das Marktweib zu einem Rundgang durch die Stadt Merseburg ein. Doch bevor wir uns auf die alten gastronomischen Spuren begaben, trafen wir uns an einem schattigen Plätzchen gegenüber von „Ritters Weinstuben“.

Bereits seit dem Mittelalter befand sich dort eine Gast- und Beherbergungsstätte. Der Name „Ritters Weinstuben“ wurde dann 1919 geprägt. Bis 1979 hatte dieses Etablissement verschiedene Eigentümer. Und bis zur Wende war es dann eine Konsum - Gaststätte.

Steffen Looke und Karl - Heinz Wittmund, die das traditionsreiche Haus neu errichteten, prägten mit diesem Gebäude das Merseburger Stadtbild. Und seit Jahren führt die aus Braunsbedra stammende Familie Warias dort ein Gourmetrestaurant. 

Schon jetzt begannen die ersten Gespräche: Weißt du noch, damals …? Früher gab es dort Butter, Brot und gekochter Schinken oder selbst gemachte Schüsselsülze. Eine Flasche russischer Sekt kostete zum Beispiel 20,80 Ost - Mark. Oder Wer kennt ihn nicht den Satz: Bitte warten, Sie werden platziert!

An der Kliaplatte angekommen, wurde den Teilnehmern dieser Führung ein ganz anderes Bild geschildert, als das, was jetzt zu sehen war. In Richtung Busbahnhof befand sich bis zum 2. Weltkrieg die Engelhardt - Brauerei. Die Mitarbeiter des dortigen Brauereiwesens erwirkten 1929 drei Tage Urlaub für sich. 

An der Ecke der Klia - Passage befand sich die Gaststätte „Zur grünen Linde“. Das Gebäude wurde 1927 noch einmal umgebaut, um die Errichtung der Brücke über die Klia zu ermöglichen. Wo jetzt die Sparkasse steht befand sich 1880 das „Wiener Cafe´“.

Verschiedene Fotografien untermauerten das Erzählte am heutigen Tage. Die Geschichten und Anekdoten rund um Gaststätten, Hotels und Cafes wurden dadurch lebendiger.

Das  „Hotel zum halben Mond“ am Halbmondgässchen wurden 1845 erstmals als Gastrobetrieb und Bierausschank erwähnt. Später entstand dort ein Bankgeschäft, dann eine Möbelfabrik und das Fachgeschäft Möbel Degenhardt.

Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten erhielten in der liebevoll gestalteten Busch - Passage ein Ärztehaus, ein Griechisches Restaurant und kleinere Geschäfte ihren Platz.

Als wir so die Gotthardstraße entlang schlenderten, lebte diese Straße auf wie vor Jahrzehnten. Sogar Linienbusse und  LKW´s fuhren hier früher entlang. Mit jedem Meter, den es vorwärts ging, kamen die Erinnerungen an die verschiedensten Geschäfte, die es dort gab, wieder. 

Da, wo man die Fielmann - Filiale findet, befand sich bis 1920 ein Cafe´. Das wohl älteste Haus steht ebenfalls in der Gotthardstraße. Nur noch die Fassade konnte bei den Umbau- und Sanierungsarbeiten erhalten werden. 

1479 wurde der „Goldener Hahn“ erstmals erwähnt. Hierbei handelt es sich um einen typischen Ausspannhof mit Durchfahrt. Während die ländliche Bevölkerung zwischenzeitlich ihre Besorgungen erledigte, konnten die Pferde im Pferdestall versorgt werden.

Der eine oder andere Stadtbrand ging diesem Gebäude an die Substanz, aber die romanischen Keller sind bis heute erhalten. 1930 wurde dieses Haus noch einmal modernisiert. 

Von 1952 an befand sich hier eine HO – Speisegaststätte, die von 1988 bis 1994 geschlossen war. Jetzt befinden sich hier eine Apotheke und Gasträume.

Die an die verschiedensten Gast- und Beherbergungsstätte angebrachten Symbole waren sogenannte Hauszeichen, weil viele früher einfach nicht lesen konnten. 

Jetzt konnte auch ich mitreden, denn in dem Haus, wo sich jetzt eine Zahntechnik befindet, war früher eine Eisdiele mit einem Außenbereich.

Ja, da war damals noch langes Warten angesagt, wenn man im Sommer einmal Lust auf einen Eisbecher hatte.

Nur gut, dass am heutigen heißen Sommertag das Magdweib ihren Bollerwagen mit hatte. Hiermit konnte sie das erfrischende Nass transportieren, welches man für einen kleinen Obolus erwerben konnte.

Ende des 17. Jahrhunderts befand sich die „Gaststätte zum roten Hirsch“ da, wo jetzt das ehemalige Kaufhaus Dobkowitz steht. Aus dem Abspannhof mit Platz für 60 Pferde entstand ein Modehaus mit Cafe´.

Nach dem 2. Weltkrieg, welchen dieses mit einem „Dachschaden“ überstanden hatte, folgte die Ära des Konsum - Kaufhauses. 10 Jahre nach der Wende wurde dieser Gebäudekomplex restauriert. Am Hauptportal hat man den Hirsch als Symbol jedoch übernommen.

Auch hier am Entenplan gab es früher die verschiedensten Lokalitäten. Unter anderem die Konditorei Elkner, die bekannt war für Leipziger Lerchen, Windbeutel oder Baumkuchen. Dieses Cafe´ spielte im Roman „Die Regimentstante“ von Nataly von Eschstruth und in der Geschichte „Glanz über einer kleinen Stadt“ von Siegfried Berger eine literarische Rolle.

1527 wurde die gastronomische Einrichtung „Hotel zur Sonne“ das erste Mal erwähnt. Nach einem Brand 1822 musste das Gebäude neu errichtet werden. Daran erinnern verschiedenste Zeitungsanzeigen und -artikel z.B. im „Leipziger Anzeiger“ und belegen historisch die Geschehnisse der damaligen Zeit. Zu Ost - Zeiten herrschte ja dort auch das Motto: Gut Ding will Weile haben! Sechs Jahre vor der Wende begann man, das Objekt zu sanieren. Bis jetzt stand es dann leer und nun hofft man, dass es langsam aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Zumindest gab es dort früher gelbe, rote und grüne Faßbrause, so ist aus Kindheitserinnerungen zu hören.

Im Ratshaus am Eingang Burgstraße befand sich im Obergeschoss eine Schenkstube. Merseburg hatte zu Glanzzeiten 279 Brauberechtigte. Der Ratskeller an der Ölgrube hatte eine über die Grenzen Merseburgs hinaus bekannte Küche.

Die Gastwirtschaft des Ratskellers hatte das Privileg, fremde Biere und Weinsorten anzubieten. Ansonsten waren nur heimische Sorten erlaubt. Später verlor man dieses verbriefte Sonderrecht.

In den zum Hotel umgebauten Räumlichkeiten wurde Tanzunterricht angeboten. Seit 1896 fand hier die Katholische Andacht statt. Der ehemalige Schmuckstein, der zur Zeit eingelagert ist, soll nach den abgeschlossenen Bauarbeiten wieder angebracht werden.

Dort, wo der Zwischenbau zum Rathaus  entsteht, existierte früher das „Cafe´ International“, welches 1971 endgültig abrissen  wurde. 

Anfang der 80-ziger Jahre wurde dann das „Cafe´ am Entenplan“ gebaut. In der Burgstraße 9 gegenüber gab es früher das „Cafe´ Lauterbach“. 

Weiter ging es zum „Tiefer Keller“. Nur das Wirtschaftsgebäude konnte erhalten bleiben. Inzwischen ist hier das Zuhause der „Merseburger Domgalerie“ und der Eingang zu den Tiefen Kellern der Stadt.

Eine Querstraße weiter befanden sich früher auch verschiedene Gaststätten. Aus manch einem wurde später ein Wohnhaus, wofür umfangreichen Sanierungsarbeiten notwendig waren. Dabei konnte die Fassade erhalten werden.

Im „Palmenbaum“, der 1682 erstmals erwähnt worden ist, nächtigte auch der eine oder andere berühmte Gast. Unter anderem Jürgen Vogel, der im Merseburger Ständehaus die großen Wandgemälde gestaltete.

Unter dem alten Renaissance - Haus in der Oberen Burgstraße Nr. 9, wo sich früher die Bier- und weinhandlung Oeltzschner befand, sind Keller über mehrere Etagen, die jedoch nicht zugänglich sind. Bei Führungen vom Tiefen Keller aus gelangt man bis zu diesem Haus, wurde uns berichtet. 

Inzwischen hat sich „Zum güldenen Ring“ zu einem weiteren kleinen Schmuckstück entwickelt. Leider ist die Eingangstür nur eine Attrappe, aber trotzdem sehr schön anzusehen. 

„Lutzes Coburger“ an der Ecke zum Gewandbrunnen wurde 1900 abgerissen. Dabei handelte es sich um eine Bierhalle, wo sich Beamte und Angestellte abends trafen und noch einen Absacker tranken.

Später entstand dort eine neue Gastwirtschaft, wo ebenfalls Beamte und Angestellte ihr Mittagessen zu sich nahmen. Und abends wurden Tanzkurse und andere Veranstaltungen angeboten. Seit 1922 war es dann keine Gastwirtschaft mehr, sondern eine Bankfiliale. Inzwischen ist auch das alles Geschichte.

Am Domherrencafe´ vorbei, jetzt mit Weinkontor Veritas, ging es durch das Krumme Tor hindurch zum Domplatz und weiter in Richtung Schlossgarten.

Den Abschluss dieser Führung bildete die Einkehr in das „Benzibena“, wo die Magdfrau noch ein Abschlusslied zum Thema Kaffee zum Besten gab.

Dort gab es nicht nur eine kleine Erfrischung, sondern auch noch eine kleine Geschichte zum Thema Kaffee.

1937 tauchte der erste Kaffee hier auf, mit einer Anleitung für die Zubereitung. Leider hat man den nicht mit Wasser, sondern mit Bouillon aufgebrüht! Ich glaube, das muss man nicht unbedingt nachmachen.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathleen Brehme

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!