Schlossgrabennächte - Michy Reincke

Im Merseburger Schlossgraben werden im Juli und August an vier Abenden Konzerte angeboten. Verschiedenste Musikrichtungen locken ihre Fans in den Graben. Ich hatte mich in diesem Jahr für Michy Reincke entschieden, der am 13. August 2016 spielte. Und ich muss zugeben, es war eine sehr, sehr gute Wahl. 

Natürlich kann ich mich noch an die Ohrwürmer „In einem Taxi nach Paris“ und „Valérie, Valérie“ erinnern, die dann auch als Zugabe gespielt wurden. Aber was aus dem Sänger und Musiker geworden ist, wusste ich wirklich nicht.

Begrüßt wurde der Musiker und Entertainer Michy Reincke durch Micheal George, dem Leiter des Kulturamtes der Stadt Merseburg. Auch wenn man sich nicht mehr so genau an das Jahr erinnern konnte, auf jeden Fall war es sein 2. Auftritt hier in Merseburg. 

An diesem Abend stellte uns Michy Reincke sein neues Album „Sie haben den Falschen“ und auch ältere Songs vor. Er offenbarte seinem Publikum einen tiefen Einblick in sein Leben mit seinen Ängsten und Nöten. Schon vom ersten Titel an hatte Michy Reincke seine Zuhörer in den Bann gezogen. 

Durch seine lockere „anstrengende Animation“ gelang es Michy Reincke immer wieder, das Augenmerk auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und es hat auch keiner gemerkt, dass er beim ersten Lied den Einsatz zum Refrain verpasst hat. Schuld war ein Reiskorn, welches im Hals sein Unwesen trieb. Da sind wir ja froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. 

Während einige Konzertbesucher bemängelten, dass Michy Reincke einfach zuviel dazwischen erzählt hat, kann ich nur sagen, dass machte ihn zu einem Menschen, der mit uns auf Augenhöhe steht.

Die lebensnahen, emotionalen Texte zeigten die unterschiedlichsten Ereignisse, die dem Leben innewohnen. Von Liebe und Verlust, Humor aber auch Tragödie und Kritik an der Gesellschaft erzählen seine Texte. Wie er sagt, segeln wir politisch in seltsame Zeiten. Dabei ist es legitim, sich gegen die Veränderungen der Zeit zu wehren … (Denn Geiz ist nicht immer geil!!! – Anmerkung der Redaktion)

Ich kann mich dem nur anschließen, dass wir zu plumpen Konsumenten degradiert werden, da wir in einer Kulturlandschaft leben, wo nur noch Quantität statt Qualität zählt. Dafür lieferte uns Michy Reincke genug Beispiele für diese Form des "deprimierenden Konsumismus".

Und man war sich am heutigen Abend nicht zu schade, die ROLAND CR 78 Analog Drum Machine von 1978 zum Einsatz zu bringen. Etwas eigenwillig, aber der Meister trug es mit Fassung, dass dieses antiquarische Teil irgendwie sein Eigenleben entwickelte.

Vielleicht wird es Zeit, dass man auch mal etwas kritisch, vielleicht auch unbequem wird. Und auf diese charmante Art und Weise lässt man es auch gerne zu. Inhaltlich legt er damit die Messlatte jedenfalls sehr hoch, um dem Publikum einen Blick über den Tellerrand hinaus zu gewähren.

Fakt ist, ob man im Leben etwas zurück bekommt, hängt einfach davon ab, wie man mit seinen Freunden umgeht. Darin drückt sich nach Ansicht von Michy Reincke auch der Erfolg aus.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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