"Das geheime Kabinett" - im Merseburger Petrikloster

Am 20. August konnte man auf ein ungewöhnliches Spektakel im Merseburger Petrikloster gespannt sein. Gemeinsam mit dem Merseburger Planetarium wagte der Förderkreis Klosterbauhütte e.V. in passendem Ambiente ein ungewöhnliches Experiment. In dieser Lesung wurden von Mirko Gutjahr skurrile Geschichten und Absonderlichkeiten zum Besten gegeben.

Aber was hat es denn nun eigentlich mit dem „Geheimen Kabinett“ auf sich?

Gabinetto Segreto – dabei handelt es sich um einen Teil der Ausstellungsstücke des Archäologischen Nationalmuseums von Neapel, wobei die größte Zahl der Fundstücke aus Pompeji stammt. Diese römischen antiken Fundstücke werden durch erotische Motive geprägt, die man nach ihrer Entdeckung in pornographische und unpornographische Fundstücke unterschied. 

Nur zum Teil oder gar nicht wurde diese Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese Malereien, Fresken, Vasen, Plastiken, aber auch erotischen Einrichtungsgegenstände konnten dem Publikum wohl nicht zugemutet werden. Darunter befand sich unter anderem eine Öllampe in der Gestalt eines Phallus und vieles andere mehr. 

Natürlich fand man auch andere Zeugnisse, die anzüglich bis vulgär sind. Die Menschengeschichte steckt seit Anbeginn voller Pornografie. Und man muss sagen, dass schon frühzeitig die Zensur zugeschlagen hat. Ziel seriöser Wissenschaftler ist es nun, uns diesen verborgenen Teil zugänglich zu machen.

Diesen kleinen Exkurs durch archäologische und historische Fundstücke und Absonderlichkeiten konnten die zahlreich erschienenen interessierten Gäste im Winterrempter am heutigen Abend miterleben. 

Der 1974 geborene Mirko Gutjahr, ein wirklich studierter Archäologe, wie uns versichert wurde, und Postcaster beschäftigt sich mit historischen Ereignissen, die mit Sicherheit so mancher Historiker unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit gehalten hätte. Zu hören waren kleine Anekdoten zu „Abhandengekommen – große Männer mit kleinen Verlusten“, wozu auch Napoleon, Tutanchamun und Rasputin zählten.

Des Weiteren erfuhren wir an diesem Abend, dass es die betuchten Herrschaften früher auch nicht leicht hatten, wenn sie in der Beweispflicht waren, nämlich dass sie wirklich den Vollzug der Ehe begangen haben. Eine Annullierung der Ehe war zur damaligen Zeit möglich, wenn der Ehegatte nicht nachweisen konnte, dass er seinen ehelichen Pflichten nachgekommen ist. Es wurde zu einem derartigen Spektakel aufgeputscht, dass einem diese Pflicht eigentlich vergehen konnte, wenn da nicht das liebe Geld o.ä. damit verbunden gewesen wäre.

Unter anderem ist die Rede von Sexspielzeug aus dem Mittelalter, verschiedenster erotischer Literatur oder unglaubliche Geschichten über Klöster, Nonnen und anderen Gläubigen. Menschliche Eigenschaften wie Lust, Eifersucht oder Habgier bieten ja auch heute noch genug Stoff dafür.

In einer kleinen Pause konnte man dann die zahlreichen Köstlichkeiten im Petrikloster probieren. Gerd Schlosske, vom Domherrencafe´ und Weinkontor Veritas, unterstützte an diesem Abend den Förderkreis Klosterbauhütte e.V. und bot verschiedene Weinsorten zum Verkosten und selbstverständlich zum Kauf an.

Ein mit Sicherheit interessantes Thema, welches man auf Grund der Informationsfülle entweder straffen oder teilen sollte. Meine Ohren konnten stellenweise gar nicht so schnell hören, wie Mirko Gutjahr gesprochen hat. Und selbst meine Festplatte war spätestens mit der Pause voll. Aber dann konnte der Vorleser seine Geschwindigkeit etwas drosseln, da wir mit Sicherheit nicht auf der Flucht waren.

Die kleine Zugabe von Thomas Gutjahr entschädigte dann durch Wort und Bild mit irdischen Belangen und menschlicher Notdurft jeglicher Art bzw. wie man in den verschiedensten Bauwerken damit ein Botschaft vermitteln wollte. Natürlich war der eine oder andere Schmunzler dabei.

Trotzdem ein großes Dankeschön an Katrin Dippert  und Thomas Engelhard vom Petrikloster, an Mechthild Meinike vom Merseburger Planetarium und Mirko Gutjahr.

Redaktion: Kathleen Brehme

Quelle: kabinett.hadar.uberspace.de

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann

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