„Willi Sitte 1946 – 1964: Vom Experiment zur eigenen Bildsprache“ in Merseburg

Am 12.Februar 2017 eröffnete Hans - Hubert Werner, Vorstandsvorsitzender der Willi - Sitte - Stiftung für Realistische Kunst, diese neue Jahresausstellung, die noch bis zum 15. Januar 2018 zu sehen sein wird. 

Dabei handelt es sich um eine ganz besondere Ausstellung, die nach Angaben von Herrn Werner eindeutig für dieses Haus spricht.

Willi Sitte 1946 – 1964: Vom Experiment zur eigenen Bildsprache“ wird dem Betrachter gar keinen typischen Blick auf Willi Sitte eröffnen. Ich muss zugeben, dass ich da nur zustimmen kann. Hinter den meisten dieser Arbeiten hätte ich nicht die Handschrift Willi Sittes vermutet.

Kuratorin Sarah Rohrberg hat Arbeiten ausgewählt und zusammengestellt, die in der Zeit von 1945 bis Mitte der 60-ziger Jahre entstanden.

Hans - Hubert Werner bedankte sich auf diesem Wege bei ihr und auch bei den Mitarbeiter(innen) des Hauses.

Ebenso wollte Hans - Hubert Werner es auf keine Fall versäumen, Wulf Brandstädter, ehemaliger Vorsitzender der Willi - Sitte - Stiftung für Realistische Kunst, der ebenfalls anwesend war und vor einigen Tagen 80 Jahre alt geworden ist, noch einmal recht herzlich zu seinem Geburtstag zu gratulieren.

Aber was zeichnete diese Ära aus? Willi Sitte war während dieser Zeit auf der Suche nach einer eigenen Bildsprache. Es entstanden zum Beispiel Zeichnungen mit expressiven Farben und vieles andere mehr.

Gisela Schirmer, Kunsthistorikerin aus Osnabrück, führte auch dieses Mal wieder mit ihren Worten in die zu sehenden Arbeiten ein.

Diese Werke könnten einfach unterschiedlicher nicht sein. Es stellt sich einfach die Frage, ob es sich wirklich um ein und denselben Künstler handelt?

Die Intensität des Ausdrucks, die Harmonie der Form und des Inhalts versuchte Willi Sitte für sich umzusetzen, indem er sich an seinen Stil heranwagte, experimentierte, Zweifel über Bord warf und am Ende seine Möglichkeit der Umsetzung von Thema, Farbe und Form für sich entdeckte. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

In den Anfangsjahren der DDR wurde oftmals sehr drastisch die so genannte Formalismusdebatte geführt. Mit diesem Hintergrund setzte Willi Sitte alles daran, während dieser Zeit seine eigene Kunstform zu entwickeln und gleichzeitig ein neues besseres Deutschland mit zu erschaffen.

Für Willi Sitte war die Formgestaltung wichtig für den Inhalt des Dargestellten. Das zieht sich in dieser neuen Jahresausstellung wie ein roter Faden.

Alte Meister waren seine Lehrer, sie setzten für ihn Maßstäbe. Sein früh erworbener Zeichenstil war davon geprägt. Davon musste er sich lösen, um sich weiter zu entwickeln. Moderner Realismus war notwendig.

Seine folgenden Lehrjahre waren daher eine sehr experimentelle Zeit, die bis Mitte der 60-er Jahre reichte. Aber wie gelang ihm das? Dafür musste Willi Sitte ja seine altmeisterliche Periode ausblenden, als wenn es sie für ihn nicht gegeben hatte. Seine akademischen Fertigkeiten reichten ihm einfach nicht aus, um der modernen Kunst gerecht zu werden.

Das hatte zur Folge, dass er dadurch auch sehr verunsichert war. Während dieser Zeit schuf Willi Sitte richtungsweisende Arbeiten. Auch Picasso entdeckte er für sich und setzte es für sich um. Er versuchte, unterschiedliche Stilphasen zu vereinen. 

Willi Sitte, der 1947 nach Halle gekommen war, hatte dort nur einen kleinen Platz für sein Schaffen. Doch da fühlte er sich frei und locker, trotz der widrigen Umstände.

Die hohen Erwartungen, die die Partei an den Künstler hatte, wurden während dieser Zeit enttäuscht. Da man jedoch sein Talent erkannt hatte, wollte man ihn hier halten. Daher bot man ihm am Ende ein "richtiges Zuhause", in dem er seine Kreativität entfalten konnte. In seinem Atelier, welches hier im Haus nachgestellt wurde, traf sich Willi Sitte unter anderem mit seinen Malerfreunden. 

Einen kleinen Einblick in das  Atelier von Willi Sitte können Sie hier werfen. 

Ihm gelang es, aktuelle Probleme darzustellen mit seiner moderne Ausdrucksweise, die er entwickelt hatte. Seine erste Möglichkeit der Umsetzung hatte er bei seinen Arbeiten zum Thema Hochwasser am Po im Jahr 1953. Dabei war er jedoch emotional zu sehr involviert, da ihn einiges mit dieser Region verband.

Willi Sitte musste daher noch weiter seinen Stil ändern. Ziel war es, die Routine  außer Kraft zusetzten, um Erlerntes zu ändern. Schließlich gelang es ihm, eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Verschiedene Skizzen zeigen, dass Spannung und Emotionalität in die Gestaltung eingearbeitet wurden. 

Durch Raum und Farbe, wie bei Picasso, versuchte der Maler sinnbildliche und konkrete Situationen in Einklang bringen, so zum Beispiel zeigte er aktive starke Frauen.

Großformatige Studien wie zur Völkerschlacht bei Leipzig stellten eine Rückkehr zu seinen Wurzeln dar, weil man keinen sogenannten Picasso – Quatsch der Modernisten sehen wollte. Dabei stellte er die menschliche Tragödie des Krieges dar und die herrschende Gewalt. Dieser Inhalt ist auch heute immer noch aktuell!

In der Malerei der 60-er Jahre gingen seine Arbeiten in Richtung Rubens. Er experimentierte mit Volumen, erzeugte Lebendigkeit und Dynamik. Während dieser Zeit schrieb er Briefe an seine Frau, die seine Suche und die neue Wahrnehmung zum Ausdruck brachten. Da war der Knoten für Willi Sitte geplatzt und sein Zeichenstil wandelte sich. Dabei hatte er die Lust am Spott nicht verloren.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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