Weltgästeführertag 2017 „Reform – Zeit für Veränderung“ auch in Merseburg

Am 18. Februar 2017 fand in Merseburg die öffentliche Führung zum Weltgästeführertag statt. Das Thema „Reform – Zeit für Veränderung“ knüpft passend an das 500-jährige Reformationsjubiläum an. Dieser großen Aufgabe stellten sich auch die Marktfrau, die Laternenrese, der Stiftshauptmann, der Nachtwächter und der Dekant von St. Sixti.

Zu den Wahrzeichen der Merseburger Domstadt gehört auch die  Ruine der Kirche St. Sixti, die sich unweit des Gotthardteiches befindet.

Sie wurde bereits 1045 gegründet. Im 16. Jahrhundert wurde der Neubau des Kirchenschiffes im spätgotischen Stil begonnen, der leider nie vollendet wurde. Nach einem Brand war Wiederaufbau einfach nicht möglich. 

Hier am Sixtihang befand sich das Marien - Hospital, welches in den Napoleonischen Befreiungskriegen als Lazarett diente. Im Volksmund nannte man es einfach nur Spittel. Dabei handelt es sich um das älteste städtische Krankenhaus Merseburgs. 

Eine Marienfigur aus dem 15. Jahrhundert befand sich dort. Im Eingangsbereich des Klinikneubaus des Klinikums Merseburg befindet sich heute  eine Nachbildung dieser Marienfigur, während das Original im Museum steht.

Selbst nach der Wende hat sich hier im Umfeld Einiges geändert. Die Hochhäuser fielen der „sozialistischen Revolution“ zum Opfer und wurden abgerissen. Vieles bekam neue  Straßennamen verpasst. 

Alle Anwesenden erhielten einen kleinen Abriss von dem Versuch, diese Ruine mit Leben zu erfüllen. Man hatte sogar einen Zeitungsartikel gefunden, der daran erinnerte, was damals hier alles geschaffen worden ist. Es wurden viele Platten verlegt, 4 Treppen und ein Spazierweg angelegt. Auch als Rodelbahn wurde dieser Berg genutzt. Daran konnte sich sogar noch die Marktfrau erinnern. Das waren noch Zeiten.

1977 sollte die Sixtiruine zum Beispiel durch ein Freilichtmuseum belebt werden. Trotzdem avancierte sie nicht zum Besuchermagneten.

Das Reiterstandbild Friedrich Wilhelm III. von Louis Tuaillon, welches sich damals dort befand, wurde daher 1998 vom Sixtiberg wieder in den Schlossgarten  umgesetzt.

Manchmal bekommt diese Ruine einfach eine Verschönerungskur. Einmal durch das Licht – Projekt, welches von  Studenten der Hochschule Merseburg initiiert und ungesetzt wurde. Mein Fazit - es sieht einfach toll aus.

Im letzten Jahr rief man dann zu einem Frühjahrsputz in der Stadt Merseburg auf. Der Nachtwächter Lutz Brückner möchte gern dieses Gelände wieder beleben und engagiert sich sehr dafür. Gemeinsam mit einer kleine Gruppe fleißiger Helfer fand er sich deshalb hier auf dem Sixtiberg ein, um diese Ruine aus dem Schlaf zu reißen. Beim Frühjahrsputz letztes Jahr wurde leider nicht so viel geschafft, wie gedacht. Einen kleinen Beitrag dazu finden Sie hier.

Um so schöner war es dann auch, dass am heutigen Tage der Hof der Sixtiruine geöffnet war. Dieses nationale Denkmal erhielt zwar nur einen kleinen Teil der beantragten Fördermittel, trotzdem versucht man, hier nach und nach sicher zu stellen, dass auch wieder mehr Menschen den Weg auf den Sixtiberg finden. Julia Ernst, die an der Universität Erfurt studierte, widmete sogar ihre Masterarbeit dem Thema Sixtiberg.  

Angesichts leerer Stadtkasse, muss man immer Mal wieder schauen, ob die Fördermittel entsprechend eingesetzt werden, so der städtische Nachtwächter. Inzwischen haben Industrie – Kletterer diese Ruine sicher gemacht und die Bausicherheit hergestellt. Eine Müchelner Firma hat das Gelände urbar gemacht und ist sogar noch dabei.

Nur ein Weg der kleinen Schritte kann eine Wiederbelebung dieses Innenhofes ermöglichen.  Am Anfang soll er für die breite Masse geöffnet werden. Später sollen vielleicht Konzerte oder sogar Freilichtkino hier stattfinden.

Das Blindportal im Außenbereich der Sixtiruine trägt den Schriftzug „Furchtlos und beharrlich vorwärts“. Und auch hier bekam man noch jede Menge historische Fakten von der Merseburger Laternenrese.

Unterhalb der ehemaligen Teichmühle, da, wo sich jetzt die AOK befindet, machten wir den nächsten Stopp. Dort erfuhren wir, dass man das gefilzte Material, welches früher hergestellt worden ist, auf dem Rabenberg, der besser als Sixtiberg bekannt ist, aufgehängte. Hier floss auch die Geisel entlang in Preußerstraße bis hin zum Markt. 

Und wer kann sich nicht mehr daran erinnern, an einem Wandertag auf dem Spielplatz am HO - Kaufhaus zu spielen? Dieser Spielplatz wurde doch immer angesteuert.

Auch an das Parkcafe´ konnte sich der eine oder andere noch erinnern. Und die Ponybar, der Name sagt es, was es dort zu essen gab, war vielen noch ein Begriff. Inzwischen ist das alles abgerissen.

Am Hintereingang der Buschpassage angelangt, erfuhren wir Einiges über die Sanierungsarbeiten dieser ehemaligen Möbelfabrik nach der Wende.

Damals versuchte man, die Industriefassade etwas besser aussehen zu lassen. Gestaltet hat diese Passage der Plakatmaler vom Merseburger Kino Völkerfreundschaft. Das hier anfangs ansässige Gewerbe wurde mit einem kleinen passenden Spruch an der Fassade verewigt.  

Nach einem kurzen Abriss zum Leben von Wilhelm Busch und ein paar Sprüche von ihm nutzte die Marktfrau währenddessen die Zeit, so allerlei Kleinkram unter die Leute zu bringen.

In der Gotthardstraße befindet sich das Stänkergässchen, wo sich auch immer ein Besuch lohnt. Die Merseburger Zaubersprüche sind unter anderem hier verewigt. Dort war auch der Durchgang zur Geisel. Denn wenn es im Mittelalter brannte, bildete man in dieser Gasse eine Eimerkette, um dem Feuer Herr zu werden.

1662 wurde durch Fürst Christian eine neue Brandschutzordnung erlassen, welche es zur Pflicht machte, dass in jedem Haus ein Harnisch, ein langer Spieß, 4 lederne Eimer und zwei  Schürhaken sein müssen.

Uns wurde nebenbei auch erklärt, wie das Stänkergässchen zu seinem Namen gekommen ist. Aber das möchte ich hier nicht weiter ausdehnen.

Während der Sanierungsarbeiten in der Gotthardstraße wurde so Manches gefunden und bei der Neugestaltung und Bebauung mit eingearbeitet so zum Beispiel das Portal am Müller - Kaufhaus.

Am Ende der Gotthardstraße hatte man auch einen guten Blick auf das Lenindenkmal am Gotthardteich. Im Oktober 1991 wurde es dann entfernt und in einem Hangar auf dem ehemaligen Militärflugplatz gelagert. 1997 verkaufte man den Lenin an ein niederländisches Unternehmen.

Am Anderen Ende der Gotthardstraße befindet sich das ehemalige Dobkowitz - Kaufhaus.  Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten durch die Lührs Gruppe konnte das denkmalgeschützte Haus 2007 als  Thietmar - Forum wieder in das Stadtbild integriert werden. Mit dem Namen wollte man an den Bischof Thietmar von Merseburg, einem Geschichtsschreiber aus der Zeit der Ottonen,  erinnern.

Der „Zwei Welten - Brunnen“ ziert den Entenplan. Er soll mit seinen beiden Bronze - Bögen die Verbindung von Natur und Zivilisation darstellen. Das Wasserspiel ist mit vielen Details versehen und fast wie ein Geschichtsbuch von der Menschwerdung an über viele verschiedene Stationen mit dem Bezug zur Stadt und der Kirche. Natürlich darf der Merseburger Rabe nicht fehlen, aber auch nicht Luther …

Uns wurde dieser Brunnen als der Entdecker – Brunnen vorgestellt, weil man wirklich sehr viel darauf entdecken kann. Man sollte sich einfach mal etwas Zeit nehmen und sich ihn einfach  genauer anschauen.

Auch die Stadtkirche mit dem höchsten Turm der Stadt befindet sich unmittelbar am Entenplan. Auch dort lohnt sich ein Besuch immer. 

Unser nächstes Ziel war der „Grüne Markt“ direkt an der Stadtkirche. Früher war dies Friedhof. Ob es hier nachts nun spukt oder alle Geister der Stadt im Wasserturm der Sixtiruine gefangen sind, wer weiß das schon genau.

Auf dem Merseburger Marktplatz, da, wo vor kurzem noch der Staupenbrunnen stand, erzählte uns der Stadthauptmann, dass nicht in Bitterfeld, sondern in Merseburg die Umweltbelastung zu DDR - Zeiten am höchsten war. Wer hätte das damals gedacht?

Man konnte am heutigen Tag auch Brunnengeld erwerben, womit man die Rettung des Staupenbrunnens Mittels einer kleinen Spende mit finanziert. Im Sommer 2016 wurde der Staupenbrunnen nämlich abgebaut und soll nach und nach saniert und wieder hier vor Ort aufgebaut werden.

Auf dem Weg zum „Tiefen Keller“ kamen wir vorbei am Merseburger Merkropolis, eine genauso kostenintensive Geschichte wie der Berliner Flughafen und eine nicht endend wollende unendliche Geschichte! Aber vielleicht wird dieser Bau doch noch eher fertig als Flughafen in Berlin? Es bleibt einfach abzuwarten.

Die tiefen Keller von Merseburg, die früher als Lagerräume genutzt wurden, sind zum Teil wieder begehbar. Man kann auch an Führungen teilnehmen. Holger Leidel ermöglicht es allen Interessierten, sich diese Keller anzuschauen. Inzwischen werden dort auch die verschiedensten Kunstwerke unterschiedlicher Künstler ausgestellt – sozusagen Kunst im Keller. 

Vor 10 Jahren zog der Galerist Holger Leidel von der Domapotheke in die Merseburger Domgalerie. Aber auch die Bier- und Weinbautradition lässt er wieder auferstehen. Am Südhang, hinter der Galerie, befindet sich ein Weinberg mit 99 Weinstöcken, denn bis zu genau dieser Anzahl braucht man noch keine Genehmigung von der Europäischen Union.

Hier auf dem Venusberg am „Tiefen Keller“ entsteht aber auch ein Kunstgarten. Es macht einfach immer wieder Spaß, hierher zu kommen, weil man sehen kann, wie sich hier alles hier entwickelt.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathleen Brehme

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!