Themenführung: Merseburg, märchenhaft und sagenhaft

Am 2. Januar luden luden die Lampenrese, der Stiftshauptmann, das Marktweib, Frau Holle und Türmer Pechmann zur ersten Themenführung im Jahr 2016 ein, einem märchenhaften Rundgang in der Domstadt Merseburg. Aber auch noch andere illustere Gesellen sollten wir an diesem Tag kennen lernen.

In der Stadtkirche St.Maximi begann unser gemeinsamer Rundgang. Ein kleiner Blick in die neue Begegnungsstätte war uns auch gestattet.

An diesem kalten Wintertag hatte der Stiftshauptmann sogar Männer seine Stadtwache mitgebracht, die uns nicht nur vor dem Gesindel beschützen, sondern auch die Straßen vor den modernen motorisierten Postkutschen absperren sollte. Schließlich sollten alle dieser Herrschaften heil am Petrikloster ankommen!

Am Merseburger Markt wurde es dann märchenhaft. Wer kennt nicht das Märchen „Hänsel und Gretel“ von den Gebrüdern Grimm? Aber woher stammen diese Märchen überhaupt?

Buchautor Hans Traxler deckt in seinem Werk „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ auf. In Kurzfassung erhielten wir hier vor Ort eine Kurzfassung der Lebensgeschichte von Katherina Schrader, einer Frau, die sich im Mittelalter einen Namen als Lebkuchenbäckerin gemacht hat, welche als Vorlage für dieses Märchen gedient haben soll.

Auf der Suche nach den Spuren von "Hänsel und Gretel" führte uns die Reise von Wernigerode aus nach Nürnberg bis hin zum  Spessartwald, wo Katherina Schrader so ähnlich wie die Hexe im Märchen umgekommen sein soll.

Sie gilt als Erfinderinderin der Dominosteine und der Merseburger Muskatlebzelte. Da schloss sich der Kreis wieder zur Domstadt. Ob diese Geschichte nun war oder alles erfunden ist …? Wir wissen es nicht.

Aber auch die Sage vom Saalealf durfte nicht vergessen werden, da sich der Saalealf - Brunnen genau auf der gegenüberliegenden Seite vom Marktplatz befindet. Um sich vor diesem Unwesen zu schützen ist es gut, sich mit Kräutern auszukennen. Dost und Dorant gelten als sehr wirksames Mittel gegen diesen Nix.

Die Burgstraße entlang ging es dann weiter bis zum Platz an der Apothekerstraße,

 

wo sich der Vier – Jahreszeiten – Brunnen“ befindet, dessen Bronzereliefs vom Bildhauer und Grafiker Martin Wetzel geschaffen wurden. Auf diesen Künstler wurde ich bei einer anderen Themenführung aufmerksam gemacht. Es war sehr lustig anzusehen, wie alle, groß und klein gemeinsam, im Gänsemarsch um 


den schönen Brunnen kreisten, um sich diese acht Relieftafeln, die dort angebracht sind, anzuschauen.

Mehr zu dieser Führung zum Thema „Kunst und Kultur auf dem Campus“ finden Sie hier.

Auch am Franzosenbrunnen machten wir Halt, wo wir etwas über die Namensgebung des Brunnens erfuhren. Hier soll 1757 ein französischer Leutnant zu Tode gekommen sein.

Nur noch das Relief,  welches einen Raben zeigt, der den Soldaten tröstet, erinnert an den ursprünglichen Capitulsbrunnen. Und wer durch die nächtlichen Straßen von Merseburg geht, kann schon von weitem den blau angestrahlten Brunnen sehen.

Auf dem Weg zum Krummen Tor kamen wir jetzt bereits am 2. Schaufenster in der Stadt Merseburg vorbei mit einer Krippenausstellung.

Dabei handelt es sich um eine weihnachtliche Initiative, bei der Kinder aufgefordert worden sind, Weihnachtskrippen zu basteln. Auch das Motiv der Heiligen drei Könige konnte man dort bestaunen.

Am Krummen Tor angekommen erfuhren wir, warum das Tor eigentlich diesen Namen trägt. 1888 wurde es in der veränderten Form rekonstruiert. Dort steht auch ein Lindenbaum.

Auf unserem Weg von der Stadtkirche bis hin zum Petrikloster begleitete uns ein Musikant. Auf seinem Akkordeon spielte er immer eine passende Melodie, die zum jeweiligen Thema passte. Unter anderem war zu hören:

Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder (den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter)

  

Hänsel und Gretel verirrten sich im Wald

  

Am Brunnen vor dem Tore (da steht ein Lindenbaum)

  

Atemlos durch die Nacht von Helene Fischer

 

Schneeflöckchen, Weißröckchen

 

Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp

Am Domplatz angekommen, zeigte die Laternenrese allen Teilnehmern dieser märchenhaften Führung den Merseburger Gabelstein. Interessant war auch zu hören, dass 1/6 der Weltbevölkerung mit Messer und Gabel, 1/2 mit den Fingern, 1/3 mit Stäbchen essen.

Bischoff Thietmar von Merseburg und Henriette Charlotte von Nassau-Idstein, die Frau  des Herzogs Moritz Wilhelm von Sachsen-Merseburg, besser bekannt als Geigenherzog, begrüßten uns persönlich auf dem Domplatz.

Natürlich ließ sich es die edle Dame nicht nehmen, uns etwas ganz besonderes zu zeigen. Sie hatte eine Pergamentrolle aus der hochherrschaftlichen Dombibliothek mitgebracht auf der die Merseburger Zaubersprüche zu finden waren.

Am Restaurant und Cafe´ Benzibena trafen wir wieder auf Frau Holle, die dort fleißig bei der Arbeit war.

Die Laternenrese erklärte uns am Ständehaus, warum das Wappen der sächsischen Herzöge den grünen Laubenkranz trägt. Kaiser Barbarossa soll dafür verantwortlich sein.  

Vorbei am Zech'schen Palais ging es weiter in Richtung Obere Wasserkunst. Das ursprünglich aus Holz gebaut Gebäude, welches durch einen Brand vernichtet worden ist, wurde 1738 von Johann Michael Hoppenhaupt aus Stein wieder erbaut. Heute wird dieser Turm als Wohnhaus genutzt.

Bei dem Saalewasser handelte es sich nur um Brauchwasser, womit der Bereich um das Schloss herum versorgt wurde. Lässt sich damit auch die hohe Kindersterblichkeitsrate des herzoglichen Hauses erklären?

 Inzwischen befanden wir uns im Eingangbereich des Klosterbezirkes. Im ehemaligen Pferdestall befindet sich jetzt das „Cafe´ am Kloster“.

Im Merseburger Petrikloster angekommen, trafen wir auf die Klosterbrüder, aber auch ein Engel erschien uns.

Am Ende dieses Spaziergangs wartete heißer Glühwein und Tee auf uns durchgefrorenen Gestalten, den wir gerne zu uns nahmen.

Das Marktweib, welches uns auf unserem Weg begleitet hat, pries ihre Waren für ein paar Taler an von Lebkuchentalern bis Kräuterschnaps.

Im Kloster erweiterte sie sogar noch ihr Sortiment. Dann gab es noch zusätzlich verschiedene Marmeladen, den berühmten „Rabenschiss“, Muskatlebzellen und Idisenzauber.

Am heutigen Tag nutzte ich endlich einmal die Gelegenheit, mir die Karten legen zu lassen. Kartenspielen selber war ja nicht erlaubt, aber Orakeln schon. Was dabei raus gekommen ist, verrate ich natürlich nicht.

Ein großes Dankeschön an alle Akteure, die diese Themenführung auch bei diesen kalten Temperaturen zu einem Ereignis haben werden lassen.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathleen Brehme

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!