"Mord nach Mittag" - eine Autorenlesung mit Siegfried Schwarz in Merseburg

In der Merseburger Stadtbibliothek „Walter Bauer“ erwartete am 17. Februar, dem Tag der grundlosen Nettigkeiten, der Kriminalist Siegfried Schwarz aus Wettin - Löbejün mit authentischen Kriminalfällen die zahlreich erschienene Zuhörerschaft.

Der 76-Jährige nahm uns zu Beginn mit auf eine kleine Exkursion mit durch sein Leben, welches 1935 in Schlesien begann.

Im Jahre 1939/40 wurde seine Familie auseinander gerissen. Die Kriegswirren und der Drang zum Überleben machten ihn jedoch zu einem Organisationstalent für Feuerholz und Nahrungsmittel.

1950 verschlug es ihn dann nach Merseburg. Bis 1955 diente Siegfried Schwarz bei der Marine.

Die Häscher u.a. für die Polizei und die Feuerwehr rekrutierten junge Männer während dieser Zeit. Auch Siegfried Schwarz nutzte die ihm gebotene Chance.

Ohne kriminalistische und juristische Vorbildung erwarb er das entsprechende Grundwissen nebenbei. Dazu gehörte auch das allbekannte Tippen auf der Schreibmaschine nach dem Ein-Finger-Suchsystem.

Aus dieser Zeit, welche er als seine schönste bezeichnete, hatte er die eine oder andere Anekdote parat. Seine "kleinkriminelle Karriere" musste er nun an den Nagel hängen. Jetzt durfte er nur noch mit den Augen und Ohren klauen.

Er musste sich in seiner über 30-jährigen Dienstzeit mit Kleinkriminellen und größeren Delikten befassen, ebenso mit schweren Verkehrsunfällen,  auch mit Zug und Bahn, und unnatürlichen Toden während er in der Mordkommission tätig war.

Bei Tötungsstraftaten selbst begleitete Siegfried Schwarz in unterschiedlichsten Funktionen vor Ort die Ermittlungen. So fungierte er als Tatortuntersucher, Ermittler und später auch Leiter der Mordkommission.

Heute wird ohnehin anders gearbeitet. Eigens für Kriminalfälle werden  SOKOs gegründet.

Noch bis 1987 existierte in der DDR die Todesstrafe. Es war zu erfahren, dass 1981 die letzte Hinrichtung durchgeführt worden ist. Für eine Hinrichtung wurden 150 Mark gezahlt.

Nach Aussagen von Siegfried Schwarz kann in Ländern, wo die Todesstrafe noch praktiziert wird, keine Senkung der Straftaten verzeichnet werden.

Sein erster Fall ereignete sich in einer Siedlung in Halle. Dort wurden 2 Kaninchen gestohlen. Mit einem Herrensportrad als Dienstfahrzeug konnte der Fall in einer Woche aufgeklärt werden. Da beide Tiere nicht in der Pfanne gelandet waren, konnte er es als kriminalistischen Erfolg verbuchen.

Aus seinem Buch «Mord nach Mittag» stellte uns Siegfried Schwarz noch zwei seiner Fälle vor: „Nestbeschmutzer“ und „Mord auf dem Bauernhof“.

Im Anschluss konnten noch zahlreiche Fragen beantwortet werden. Da er als Teamchef die Untersuchungen im so genannten Kreuzworträtselmord führte, war das selbstverständlich ein Thema, aber auch Anfragen bezüglich der Russengarnison in Merseburg.

Siegfried Schwarz selbst musste  mit ungelösten Fällen in den Ruhestand gehen.

Ein neues Buch ist schon in Arbeit. „Merseburger Geschichten“  beschäftigt sich mit Anekdoten aus seiner Merseburger Zeit.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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