Merseburger Stadtbibliothek - Lesung Barbara Siwik „Wohin du gehen wirst“

Zu einer neuen Lesung luden der Freundeskreis Literatur e.V. und die Stadtbibliothek "Walter Bauer" ein. Die Familiengeschichte von Barbara Siwik erzählt von Else und Alfred, einem Paar, welches ungleicher nicht sein kann. Beide kennen und achten sich schon seit ihrer Schulzeit.

In den über 80 Jahren ihrer Lebenszeit ist sehr viel passiert. Das ist nicht auf 100 Seiten erzählt und auch nicht in eineinhalb Stunden dieser Lesung. 

Barbara Siwik, die selbst von sich behauptet, dass man ihr wohl keinen Liebesroman abkaufen würde,  musste zugeben, dass die Recherche zu diesem Buch sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Man kennt es ja selbst, wenn man einmal im Internet auf der Suche ist.

Da folgt man diesem oder jenem Verweis, hier noch etwas Interessantes und dort. Manchmal verläuft die Spur im Sande. Und zack - sind ein paar Stunden weg wie nichts.

Um die Lebendigkeit dieser Geschichte zu untermauern, wurden zu Beginn der Lesung 2 Fotos durch die Reihen gereicht. Sie zeigen Else und Alfred, einmal im Jahr 1935 in Naundorf und 1973, damit man auch ein Gesicht zu beiden bekam.

Auf dem Cover, welches Else als Kind, als junge Frau und als alte Dame darstellen soll, ist nur das Bild von der jungen Frau ein reales Foto. Aus der Kindheit gab es wohl kein Foto und die aus dem hohen Alter waren nicht wirklich gut getroffen. Dort konnte man ein Foto von der Schwester verwenden, weil die beiden sich verblüffend ähnlich sahen. Dieses Cover verweist dadurch schon auf eine langen Zeitraum.

Aber worum geht es in dieser Geschichte, in der Barbara Siwik in 4 Familien herumgestöbert hat? Sie sagte selbst von sich, dass sie vier Gräber ausgegraben hat.

Im Jahre 1912 beginnen wir, den roten Faden der Geschichte aufzunehmen und in das Leben von Else und Alfred einzutauchen.

Die typische Kinder - und Schulzeit wird aufgezeigt mit all seinen zahlreichen Pflichten, die vor allem schon die Kinder in den Familie übernehmen mussten. Diese Geschichte der Bergbaufamilie beginnt in Zeitz, in der Nähe von Weißenfels. 

Während der einfach gestrickte Alfred eher geradlinig durchs Leben geleitet wird, der eine Lehre als Schmied beendet, arbeitet später in der Grube „Naumburg“ in Deuben. Das spielt um Zeit des ersten Weltkrieges.

Else, die zwischenzeitlich in Bad Landeck in Schlesien ihren Weg geht,  kehrt später wieder nach Deuben zurück und verdingt sich als Magd.

Um diese Zeiten mit historischen Fakten zu untermauern, werden immer wieder kleine „Beweisstücke“ eingebaut wie zum Beispiel Briefe, die als Zeitzeugen dienen.

Nach etlichen Tiefschlägen für Else geht sie eine Zweckehe mit ihrem Schulkameraden Alfred ein. Mit dieser Eheschließung übernahm sie die Verantwortung für ihren 2. Ehemann, der wirklich nicht der Hellste war. Fast unbeschadet überleben sie die Zeit des zweiten Weltkrieges.

Diese Zweckgemeinschaft dauerte über 46 Jahre an, bis zum Tod Alfreds. Und mit 86 Jahren verstarb auch Else. Durch die verwandtschaftliche Beziehung von Frau Frau Siwik zu Else gelang es der Autorin am Ende noch einmal, Lebendigkeit einzubauen, da sie selbst Erlebtes schilderte und die Figur der Else näher an die Zuhörerschaft heranrückte. 

Dieser unterhaltsame dritte Roman von Barbara Siwik, die früher selbst hier mehrere Jahrzehnte als Bibliothekarin und von 1990 bis 1999 als Leiterin der Merseburger Bibliothek arbeitete, nahm uns mit auf eine Reise durch die Zeit. Sie beleuchtete eine Ära, die von der Kaiserzeit fast bis zum Ende der DDR - Zeit reichte.    sie darin das Leben aus unserer Region. 

Erinnerungen an längst vergangene Zeiten über mehrere Generationen hinweg gepaart mit bekannten Ortschaften der Region wurden noch durch den hiesigen Dialekt untermauert. 

Es offenbarte sich an diesem Nachmittag den Zuhörern eine sehr interessante Lebens - und Familiengeschichte, die hier nur angerissen werden konnte, da sie fast ein ganzes Jahrhundert anhielt. 

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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