Kerstin Groeper liest aus ihrem Roman  in der Braunsbedraer Stadtbibliothek

Am kommenden Wochenende findet die Leipziger Buchmesse statt. Kerstin Groeper wird dort gleich mit zwei Büchern vertreten sein, einmal mit „Indianisch für Anfänger“ und mit dem am 16. März hier in der Stadtbibliothek vorgestellten Roman " Im fahlen Licht des Mondes - der lange Weg der Cheyenne".

Aber wie kommt man ausgerechnet als Weiße auf die Idee, das  Thema Indianer als Romanvorlagen auszuwählen? Das ist doch so was von out - dieses Klischee von Winnetou mit seinem Pferd, dem Federschmuck, dem Tipi und allem, was dazu gehört. Oft stellte man in Romanen oder Filmen die Lebensweise der Indianer auch noch falsch dar.

Das Negativimage der Indianer hat zur Folge, dass es kaum Verlage gibt, die Romane dieses Genres veröffentlichen. Im Handel gibt es daher wenige Romane dieser Art und auch im Internet muss danach suchen.

Kerstin Groeper ist froh, den Traumfänger Verlag gefunden zu haben. Der eBook-Verlag hey! bietet der Autorin nun noch andere Möglichkeiten, auch wenn sie erst einmal für sich annehmen musste, dass jetzt eine ganz andere Werbeschiene gefahren wird. Somit veränderte sich auch das Cover des Buches. Also nicht, wie es die Leserinnen und Leser gewohnt sind.

Wir erfuhren von der Autorin, dass sie als Kind und nach ihrem Fachabitur jeweils zwei Jahre in Kanada gelebt hat. Dort entdeckte sie ihre Liebe zur indianischen Geschichte, Kultur und Sprache.

Ihr liegen diese Romane mit historischem Hintergrund. Bei ihrer umfangreichen Recherche entstehen ihre Bilder und Geschichten im Kopf, die zu wachsen beginnen. Und dann hat  Kerstin Groeper immer so viele Informationen, die gleichzeitig als Material für neue Bücher dienen. Inzwischen sind bereits sechs Romane veröffentlicht und zwei weitere sind bereits in Arbeit.

Neben der Lebensweise der Indianer setzte sich die Autorin auch den sich ergebenden Problemen durch die Vernichtung der Natur und der Büffelherden, dem Völkermord und den dadurch entstandenen Indianerreservaten,  der verloren gegangenen Spiritualität usw. auseinander.

Für Kerstin Groeper ist die Sprache des Volkes die grundlegende Basis. Daher erlernte sie diese von verschiedenen Stämmen. Ab Herbst diesen Jahres möchte sie wieder Kurse zum Auffrischen in Berlin besuchen, wo Lakota gelehrt wird. Sie kann diese Sprache sprechen, lesen und beherrscht auch die  Grammatik. Das Erlernen der verschieden Sprachen öffnete Kerstin Groeper  Türen bei ihrer Arbeit und erleichterte sie damit ungemein.

Hier in der Stadtbücherei stellte sich die Autorin auch gleich einmal auf Lakota vor. So erfuhren wir, dass sie drei Kinder, einem Ehemann  Namens Bruno und einem kleinen Hund hat.

Auf die Frage, was ihr als erstes zu Indianern einfällt, war ihr erster  Gedanke, dass sie lustig sind. Das bestätigt sich immer wieder bei ihrer Zusammenarbeit mit anderen Indianern.

Neben der Mythologie musste Kerstin Groeper sehr viel darüber lernen, wie diese Menschen leben und wie sie sich bewegen, um ihre Geschichten sehr glaubwürdig zu schreiben. Bei ihren indianischen Freunden bekommt sie ohnehin ein Feedback, was sie in ihrem Tun bestärken. Dafür musste sie jedoch erst einmal die indianische Schreibweise lernen. Sie gehen nicht chronologisch vor, wie wir es gewohnt sind, sondern nach eigenen gesetzten Prioritäten, die das Ganze sehr sprunghaft erscheinen lassen. Aber auch die blumige Sprache ist ein Muss.

Selbst in Amerika wird dieser  Völkermord totgeschwiegen. Durch dieses Gemetzel wurden  Familien ausgerottet, die Kultur mit ihren Sitten, Bräuchen und Ritualen ist zum Teil verloren gegangen.

In ihrem Roman " Im fahlen Licht des Mondes - der lange Weg der Cheyenne" setzt sich Kerstin Groeper mit der Zeit im Winter 1876 nach der Schlacht am Little- Bighorn - Fluss und dem Sieg über General Custer aus der Sicht einer jungen Frau auseinander.

Blumig wird beschrieben, wie die Indianerfrauen und – männer aussehen. Selbst die Umgebung und das Tipi wird so geschildert, als ob man selbst mit am Feuer sitzt. Als die Cheyenne angegriffen werden, kriecht man in Gedanken irgendwie mit, um sich in Sicherheit zu bringen.

Auf der Flucht sterben viele Menschen. Es herrschen schwere Zeiten in der Gefangenschaft. Die Menschen siechen unter schrecklichen Bedingungen dahin. Plünderung und Raubmord tun ihr übriges.

Die Umsiedlung in Reservate macht das Leben nicht einfacher, da die Indianer das dort herrschende Klima nicht gewohnt sind. Hunger und Seuchen führen fast zum Aussterben der Ureinwohner Nordamerikas.

Da der historische Werdegang dieser Geschichte wahr ist, konnte sich  Kerstin Groeper die Schauplätze selbst ansehen und die Mystik dieser Orte erleben. So konnte sie ihre eigene Eindrücke schildern und einbauen.

Da die Indianer auch heute noch keine Rechte haben, gestaltet sich ihr heutiges Leben immer noch nicht einfach. Die hohe Arbeitslosenquote und das Feuerwasser spielen dabei eine große Rolle.

Trotzdem eindecken die verschiedenen Stämme wieder ihre Riten und Bräuche. Gerade weil ihre soziale Gemeinschaft anders gestrickt ist als bei uns, kann der Stolz der Indianer nicht gebrochen werden. Für Kerstin Groeper ist es daher eine Herzensangelegenheit, sich für verschiedene Projekte zu engagieren.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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