Jochen Ehmke stellt mit Komplizen in der Willi - Sitte - Galerie aus  "Komplizenbilder"

Aus einem ganz besonderen Anlass wurde am 6. November 2016 in der Merseburger Willi – Sitte – Galerie eine neue Ausstellung eröffnet. Jochen Ehmke, der vor einigen Tage 80. Jahre alt geworden ist, möchte sich mit dieser Ausstellung feierlich von Merseburg verabschieden.

Gemeinsam mit seinen Freunden Uwe Jacobshagen, Norbert Kaltwaßer, Peter Kersten, Ingo Gottlieb und seiner Frau Maria Nühlen wurde diese Ausstellung arrangiert. Ob man dem Wunsch von Jochen Ehmke nachkam, keine Musik zu spielen, kann man später lesen.

Michael Finger, Vorsitzender  des Fördervereins der Willi-Sitte-Galerie,der Jochen Ehmke seit 26 Jahren kennt, beschreibt ihn als konstruktiv kritischer Menschen, dessen Arbeiten eine Dokumentation seiner Zeit darstellen, die in schwarz weiß gehalten sind. 

Landrat Frank Bannert erinnerte sich in seiner Rede noch an die Zeit mit Jochen Ehmke während der Gründerjahre der Demokratie im Osten. Nach seiner Ansicht scheitern kreative Menschen an den Hürden der Bürokratie. Zwischen beiden hat sich einen enge Verbindung aus der damaligen Zeit entwickelt, auch wenn man sich Anfang der 90 –ziger Jahre nur als Nachlassverwalter vorkam.

Frank Bannert beschreibt Kunst als größtes Geschenk, welches wir wahrnehmen sollen. Er findet es lobenswert, dass in dieser doch sehr rationalen Zeit dieses Emotionale so bewahrt wird, denn es ist wichtig, Gefühle in der heutigen Periode  zuzulassen und zu erhalten. Kunst dient dafür als Materie. Und die Fotografie gibt einem die Ruhe, den Moment zu sehen.

Für Frank Bannert hatte Jochen Ehmke den Finger zur rechten Zeit am Auslöser um mit seinen Fotografien sagen zu können: So war es wirklich! 

André Schinkel, der Walter – Bauer – Preisträger von 2012, begrüßte die hier anwesenden Gäste mit einem Gedicht zu Merseburg und der Domgalerie, einem ehrwürdigen Ort unterhalb des Domes. Ehmkes 80. Geburtstag wurde noch einmal zum Anlass genommen, ihn als Korrespondenten zwischen Kunst und der Stadt Halle zu bezeichnen.

Die sich hier beteiligenden Ausstellender sehen sich als eine Freundes- und Künstlergruppe, die sich regelmäßig am Fotografenstammtisch treffen. Man bringt sich in dieser Runde Anerkennung, Respekt, Liebe und Nächstenliebe entgegen.

Fotografie kann als physikalische Größe von Licht und Schatten betrachtet werden, eben einfach nur ein Fänger von Wellenteilchen, so André Schinkel. Seine philosophische Betrachtung der Fotografie eröffnete einem selbst eine ganz andere Sichtweise auf dies Arbeiten.

Die Wirklichkeit der Blickenden ist sehr verschieden. Diese Dokumente von Gegebenheiten, die es so nicht mehr gibt, das Leben und Erleben in der DDR stellt der 1936 in Chemnitz geboren Jochen Ehmke aus seiner Sichtweise dar.

Ein kleiner Exkurs durch das Leben von Jochen Ehmke zeigte auf, dass er nicht nur das Vordergründige einfangen will, sondern er auch immer das Dahinter sucht, so auch seine Momentaufnahmen in der Halleschen Punkkneipe GIG.

Zum Schluss kam Jochen Ehmke noch selbst zu Wort, der die Künstler kurz einzeln vorstellte. Jeder von ihnen hatte hier hat eine eigene Wand bzw. eigenen Raum für seine Arbeiten. Man könne diese Ausstellung auch als fotografische Inszenierung in 6 Sätzen verstehen. Die Kunst des Menschen ist als Geschenk zu sehen, sozusagen als Manifest.

Jochen Ehmke verabschiedete sich als Künstler am heutigen Tag persönlich von der Stadt Merseburg, denn da er noch nicht an Alzheimer leide, seine Frau ihm versprochen hatte, ihn nicht in ein Heim zu stecken und die 6% mehr Rente sind seine drei Säulen für die Zukunft. 

Natürlich sagte er das mit einem Lächeln auf den Lippen, aber was will man noch mehr für eine glückliche und zufriedene Zukunft?

Somit kann man auch verstehen, dass sich Jochen Ehmke für diese Ausstellungseröffnung  keine Musik wünschte, denn schmunzelnd sagte er hier: „Musik bitte nur zu meiner Beerdigung.“ Gerne ist man diesem Wunsch nachgekommen.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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