Harald Kretzschmars Satirezeichnungen in der Willi - Sitte - Galerie Merseburg

Bevor die neue Jahresausstellung mit Arbeiten von Willi Sitte in der Merseburger Willi - Sitte - Galerie eröffnet wird, gab es schon den einen oder anderen Höhepunkt in diesem Jahr, darunter auch die Ausstellung von Harald Kretzschmar „Querdurch und Mittendrin - Satirezeichnungen zur Unkultur unserer Zeit 1954 - 2016“, deren Vernissage am 22. Januar 2017 stattfand.

In der 1. Etage werden Arbeiten aus dem zeichnerischen Lebenswerk des 1931 geborenen Eulenspiegel - Zeichners gezeigt, der zu den künstlerischen Weggefährten Willi Sittes zählte.

Michael Finger, der Vorsitzende des Fördervereins der Willi - Sitte - Galerie, eröffnete am 22. Januar 2017 diese Vernissage. Auch dieses Mal sollte es keine musikalische Umrahmung geben. Damit entsprach man dem Wunsch des Künstlers, der aus gesundheitlichen Gründen leider heute nicht dabei sein konnte.

Im Anschluss daran begrüßte Katja Langhammer, die neue Geschäftsführerin der Galerie, die hier anwesenden Gäste. Ihre freundliche und frische Art empfand ich persönlich als sehr gelungenen Start hier.

Katja Langhammer las einen Brief vom Harald Kretzschmar vor, dem es unendlich Leid tat, heute nicht anwesend sein zu können, aber Gesundheit geht nun einmal vor. Und manchmal sollte man den gut gemeinten Rat des Arztes befolgen.

Seine Arbeiten sind philosophische Cartoons, die Natur – Unnatur widerspiegeln. Seit Ende der 60-er  Jahre sind nach Angaben Harald Kretzschmars Karikaturen als kritische Kunst möglich. 

Er möchte die Charakterlosigkeit der Menschen auf seine Weise aufzeigen. Und die Kunst musste neue Anerkennung erfahren, da nach der Wende alles, was in der DDR an Kunst entstanden ist, abgewertet worden war.

Feedback  zu seinen Werken ist für den 85-jährigen Harald Kretzschmar selbst im hohen Alter noch sehr wichtig. 

Laudator Professor Peter Arlt stellte uns Harald Kretzschmar als einen Mann mit Prinzipien vor, der für den Eulenspiegel und seine Tagespresse, die Leipziger Volkszeitung, arbeitete. Er vertritt seine kompromisslose Meinung, auch wenn er damit aneckt.

Ihm ging es daher zum Beispiel gegen den Strich, dass man Willi Sitte nach der Wende nur als regimegetreuen Künstler hinstellte. Seine Karikatur von Willi Sitte, die ihn als Mephisto zeigt, der auch nur einen Pakt im Sinne seiner Kollegen geschlossen hat, soll seine Sicht auf die Dinge darstellen.

Und Harald Kretzschmar stellte die Frage in den Raum, ob man dann nicht alle Künstler in den verschiedensten Epochen unter die(se) kritische Lupe nehmen müsste? Er als Anpasser und Nichtwiderständler verwehrt sich gegen solche Kampagnen.

Harald Kretzschmar hat seine Zeichnungen und Karikaturen mit verschiedensten Materialien geschaffen, nicht nur schwarz weiß, sondern auch bunt gibt es zu sehen. Seine Texte sind genauso voller Ironie, wie seine  grotesken Bildmetaphern. 

Wie Willi Sittes Herr Mittelmaß versucht  Harald Kretzschmar ironisch Sinn und Unsinn, Kultur und Unkultur politischer Verhältnisse darzustellen. 

In den 90-er Jahren konnte man die philosophischen Cartoons schon als ein geistiges Schlachtfeld ansehen. Daher stellte Harald Kretzschmar schon einmal unter diesem Titel „Querdurch und Mittendrin“ aus.

Um zu verstehen, was uns der Künstler vermitteln möchte, muss man sich beim Betrachten seiner Arbeiten sehr viel Zeit nehmen. Dabei stellten wir jedoch fest, dass, wer die Hintergründe nicht kennt, wird vielleicht gar nicht erfassen, um was es eigentlich geht.

Auf jeden Fall kommt die Eitelkeit des Künstlers zum Tragen, so wurde es von Professor Peter Arlt schmunzelnd in den Raum gestellt, der noch Ausführungen zu einzelnen Werken machte, um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln bzw. welche Methoden und Materialien Harald Kretzschmar einsetzte, um eine punktgenaue Wirkung zu erzielen.

Am  8. April 2016 findet in der Willi - Sitte - Galerie eine Finissage statt, bei der Harald Kretzschmar selbst aus seinen neuen "Künstlerporträts" liest. Diese Ausstellung ist noch bis zum 10. April 2017 zu sehen.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos:Kathleen Brehme

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