Gerd Meyer "Ich bin von hier" liest in der Merseburger Stadtbibliothek

Am 15. Februar 2017 fand in der Stadtbibliothek „Walther Bauer“ wieder eine Autorenlesung statt. Dieses Mal war Gerd Meyer zu Gast, den Vieles mit Merseburg verbindet.

Nach einer kurzen Begrüßung, durch Frau Richter und der Schenkung durch den Autor selbst an die Stadtbibliothek und das Historische Stadtarchiv, hielt sich Autor Gerd Meyer dann nicht mehr mit langen Vorreden auf und stellte die beiden Geschichten vor, die er am heutigen Tag vorlesen wollte.

Doch zuvor stellte Oliver Stanislovski, medienpädagogischer Assistent beim Offenen Kanal Merseburg, sich und seine beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen vor, die an diesem Tag die Lesung aufzeichneten, um auch andere Menschen daran teilhaben zu lassen.

 

Unter dm Motto „Bürger machen Fernsehen.“ Kann man selbst Material zur Verfügung stellen oder zu einem Film verarbeiten, welche dann zum Beispiel im Nutzerkino zu sehen sein werden, welches am 23. März 2017 starten wird.

 

Das Wort Feierabend verbinden die meisten Menschen mit der Zeit nach getaner Arbeit am Abend oder am Wochenende, wo man sich einfach ausruhen kann, die Zeit des Müßiggangs sozusagen.

In seiner Geschichte "Feierabend" beschreibt Gerd Meyer jedoch von seinem endgültigen Feierabend, seiner Verabschiedung aus dem Arbeitsleben und dem Eintritt ins Rentenalter.

Wir hörten einen Abriss von seinem letzten Arbeitstag aus einem allen hier Anwesenden bekannten Merseburger Betrieb mit einer Abschiedsfeier voller Dankesreden, Glückwünschen, Blumen und Umarmungen.

Emotional hatte er sich natürlich auf diesen Tag vorbereitet. Er war sich auch bewusst, dass die Verbindung zum Betrieb und den Kollegen schleichend abreißen wird. Jeder ist ersetzbar, man wird durch Jüngere ausgetauscht, mit denen man ohnehin keine Gemeinsamkeiten findet, da sie ganz andere Dinge beschäftigen. Diese hatte er schon Jahren hinter sich gelassen – Familie, Kinder … oder auch Scheidung.

Der Erzähler im Buch stellte sich als engagierten Menschen dar, der gern seiner Arbeit nachging. Und trotzdem freute er sich jetzt schon auf die Zeit danach. Dafür hatte er schon Pläne geschmiedet, weil er einfach noch viel vor hatte in seinem Leben, denn jetzt hatte er Zeit – nur noch Zeit.

Schon auf seinem letzten Heimweg, nach Feierabend sozusagen, nahm er sich Zeit, um alles zu genießen - die Vorboten des Frühlings, die Menschen, die Geräusche, die Düfte …

Im Geiste bereitete er sich auch schon auf seine neue Ära vor, die jetzt anbrechen sollte. Er wollte schreiben. Material hatte er schon lange gesammelt und auf seinem Computer archiviert. Alles wartete nur darauf, neu entdeckt zu werden. Man muss sich nur die Zeit nehmen.

Gerd Meyer beschreibt sehr besinnlich einen Spaziergang an der Saale, zieht Vergleiche mit früher, der Wendezeit und jetzt.

Es war nicht alles gut und auch nicht alles schlecht. Immer wieder stand ein Neubeginn an, den es zu meistern galt. Irgendwann wird aus Neuem Normalität, die Ernüchterung tritt ein und der Glanz geht verloren. Manches ist dann keine Kür mehr, sondern nur noch Pflicht. Aber kennen wir das nicht alle?

Und daher ist es wichtig, sich die schönen Dinge im Leben zu bewahren. Es sind die kleinen Sachen, die wir einfach nur genießen müssen. Das kann einem gelingen, indem man alles etwas langsamer und ruhiger angeht, Dinge bewusst macht, was zur Folge hat, dass man irgendwie aus dem gewohnten Alltag aussteigt.

In der Erzählung "Die Kur" geht es dann um einen Mann, der gerade seine Scheidung hinter sich gebracht hatte. Da die beiden Jungs bei ihm geblieben sind, musste er sich einer großen Aufgabe stellen. Leicht angeschlagen hinterlässt er den Eindruck, dringend Erholung zu brauchen. Daher schicken die lieben Kollegen den allein erziehenden Vater zur Kur.

Völlig berückt lässt er sich von seinem Kollegen mit einem Trabbi zur Kurklinik fahren. Von Anfang an ist er von allem genervt, vom Ort, vom Kurheim und vom Zimmer, was nicht gerade einladend wirkt.

Und die Empfehlung seines Kollegen, sich einen Kurschatten zu suchen, stellt er schon beim ersten Kennen lernen der anderen Kurgäste in Frage, bis diese eine Frau den Raum betritt ….

Wie die Geschichte weitergeht, kann man nur erfahren, wenn man das Buch zu Ende liest. Und das ist in der Merseburger Stadtbibliothek kein Problem, denn der Autor Gerd Meyer hat eine Schenkung dieser Bücher an den Freundeskreis Literatur e. V. übergeben.

Seine in den mehr als letzten  10 Jahren veröffentlichten Bücher wurden jetzt in einheitlicher Aufmachung neu  herausgegeben durch den Shaker Media Verlag. Die überarbeiteten Erinnerungen, Erzählungen und lyrischen Impressionen von Gerd Meyer wurden neu geordnet. Kindheitserinnerungen, die Naturliebe zur Saale - und Auenlandschaft, die seine Verbundenheit mit der  Wahlheimat widerspiegeln, umfassen einen Zeitraum vom Kriegsende bis zur Gegenwart mit den zahlreichen Veränderungen im persönlichen und lokalen Umfeld. Und ja, es hat wirklich Spaß gemacht, ihm zuzuhören und sich hier irgendwo wieder zu finden.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

Anzeige

Anzeigen

Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!