Erlebnisführung mit dem Nachtwächter in Merseburg und seinen Rekkruten

Auf dem Weg vom „Brunnen des Saalealf“ bis zu Neumarktkirche sollten wir vorbei gelangen am „Alten Rathaus“, dem  „Grünen Markt“ mit der Stadtkirche, die den  höchsten Turm vom Merseburg hat, und am „Tiefen Keller“. Weiter geht es dann die Domstufen hinauf zum Domplatz. Durch den Schlossgarten hindurch sollte diese Tour  im Petrikloster enden.

Liebe Leute, lass euch sagen,

die Uhr hat eben sieben geschlagen. 

Macht die Fenster und die Türen zu,

wir wünschen euch jetzt gute Ruh. 

Mit diesen Worten wurden die über 100 Teilnehmer dieser abendlichen Führung am 19. März von Lutz Brückner, dem Nachtwächter der Stadt Merseburg, begrüßt.

Auf dem Weg durch die historische Altstadt wurde er von seinem Kollegen begleitet. Uns Teilnehmer dieser  Erlebnisführung  rekrutierte man zwischenzeitlich alle zu Hilfsnachtwächtern. Als Verstärkung hatten ein paar Teilnehmer ihren „Wachhund“ mitgebracht. Somit konnte es eine gefahrlose Wanderung werden. 

Auf unserem Weg durch das historische Merseburg gewährte man uns einmalige Einblicke in das Werden und Wachsen, aber auch die Zerstörung verbunden mit Wiederaufbau, der letzten Jahre, Jahrzehnte, ja sogar Jahrtausende. Zeitzeugen begleiteten uns auf unserer Reise, um uns einen lebendigeren Einblick zu ermöglichen.

An den „Tiefen Kellern“, die bis zu 4 Etagen in die Erde reiche, erzählten uns die Nachtwächter mit einem Schmunzeln in den Augen, dass i Merseburg schon immer gesoffen wurde. Früher galt das Bier ja nicht als Genussmittel, sondern als Grundnahrungsmittel, weil man das evetuelll verseuchte Wasser auf keinen Fall trinken wollte.

Der schönste Nachtwächter der Stadt erzählte dann aus seiner Kindheit, denn hier befand sich vor der Wende eine Kneipe. Eben dieser Nachtwächter, noch jung an Jahren, sollte des öfteren seinen Vater Sonntagmittag vom Frühschoppen nach Hause holen, wo die Mutter mit dem Essen bereits wartete.

Die Geschichte endete mit dem Satz: Der Vater war betrunken, ich war satt und die Mutter sauer!!! Den Rest kann man sich sicherlich denken, denn der Bub wurde mit roter Fassbrause und Bockwurst abgespeist, nur damit der Vater noch ein Bier trinken kann …

Weiter erfuhren wir, dass die Stadt Merseburg seine Ersterwähnung 830/850 fand.  Auf einer Pergamentrolle ist ein Eintrag „Mersiburc civitas“. Im letzten Jahr feierte man die 1000-jährige Errichtung des Kaiserdoms.

Und selbst jetzt noch weiß man nicht ganz genau, was nun der Name Merseburg bedeutet. Ob es der Leipziger Professor letztendlich richtig erklärt, dass sich Mers von Mars,  gleichbedeutend mit Marsch, ableiten lässt? Dann würde Merseburg bedeuten: Ein hoher Ort umgeben von Wasser.

Ein Besuch in  Merseburg lohnt sich immer wieder, auch wenn es nicht all zu viele Attraktionen zu bieten hat. Dazu gehören auch die über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten „Merseburger Zaubersprüche“.

Eventuell sollte man versuchen, sie zum Tilgen der städtischen Schulden nutzen? Ob es auch schon eine Sparmaßnahme der Stadtverwaltung ist, uns alle hier als Hilfsnachtwächter einzusetzen?

An der Neumarktkirche angekommen, gab es die erste kleine Hürde wegen der Treppen. Bis hierhin war diese Führung schon eine Herausforderung für unsere beiden Rollstuhlfahrerinnen, denn das Kopfsteinpflaster setzte den beiden ganz schön zu.

Aber nicht desto trotz, hier wurde uns der zweite Höhepunkt präsentiert, wofür es sich lohnt, nach Merseburg zu kommen. Am spätromanischen Hauptportal der Neumarktkirche befindet sich die Knotensäule.

Einen separaten Beitrag zur Neumarktkirche St. Thomae Cantuariensis, die Ihnen dieses alte Bauwerk etwas näher bringen soll,  finden Sie hier.

Diese romanische Neumarktkirche ist bei dieser Führung wohl vorerst zum letzten Mal  geöffnet. Ein Geldsegen trägt dazu bei, dass Sanierungsarbeiten möglich sind. Doch bevor die anstehenden Baumaßnahmen beginnen, setzten wir heute letztmalig einen Fuß in diese Kirche.

An den Stufen der Domtreppe, überraschte uns der „Saalealf“, welcher hier auf potentielle Opfer gelauert hat. Am liebsten mag er Kinderohren. Die Hundeohren lehnte er dankend ab. Auch och wählerisch, aber die Zähne hatte er wenigstens frisch geputzt!

Ob er sich schon langsam auf seinen Geburtstag vorbereitet, der am 24. Juli, dem Johannestag, ist?

Der Domplatz, den wir nun erreichten, ist voller  Gründe, um die Stadt Merseburg zu besuchen. Dazu gehören:

- die Grabplatte Rudolfs von Habsburg im Dom aus dem 13. Jahrhundert

 

- dem Schauplatz für den größten Juristenirrtum Merseburgs (Wer kennt sie nicht

  die Rabesage?

 

- die Ladegastorgel mit 5700 Pfeifen im Merseburger Dom

Obwohl wir darauf hingewiesen wurden, dass sich an diesem Abend wieder allerhand Gesindel auf der Straße herum treiben könnte, was uns hier auf dem Domplatz erwartete, damit hätte wohl niemand gerechnet.

Lautes Spektakel, zwei Männer der Stadtwache, die sich um ein Weib streiten, mussten der Forderung des Bischoffs nachkommen, Streit mit einem Kampf auf Leben und Tod ein Ende zu setzen.

Erst als der Verlierer tödlich verletzt am Boden lag, geleitete uns der Bischoff zum Dom, um auch dort das eine oder andere Wissenswerte zu verkünden. Aber wundersame Geschichten und Anekdoten begleiteten uns ohnehin auf dem Weg durch die Merseburger Altstadt.

Im Schlosshof angekommen, mussten wir der Henkerszene des armen Diener Johannes beiwohnen, der beschuldigt wurde, den goldenen Siegelring seines Herren, dem Bischof Thilo von Trotha, gestohlen zu haben.

Die über 100 Mann starke Truppe zog weiter durch die Dunkelheit der Nacht und gelangte in den Schlossgarten, wo man einen Blick auf den beleuchteten Schlossgartensalon erhaschen konnte.

Hier konnten wir dem Gesang des Barden zuhören, der die Merseburger Zaubersprüche zum Besten gab. Zu seinen Klängen tanzten die jungen  Idisen ihren Tanz.

Am Merseburger „Völkerschlachtdenkmal“ angekommen, berichtete einer der Nachtwächter von der 1813 statt gefundenen Schlacht bei Liebertwolkwitz mit all seinen Verletzten und Verwundeten.

Schon vor dem Ausgang des Schlossgartens war das Klagen der Frauen zu hören, die uns vor der Pest, die wieder in Merseburg ausgebrochen ist, warnen wollten. Auf dem letzten Stück unseres gemeinsamen Weges bis zum Petrikloster mit dem Gebimmel der Glocke und dem Wehklagen der Weiber wurde es garantiert nicht langweilig. Völlig verdutzt waren dann auch die Passanten, die wirklich zufällig unseren Weg kreuzten.

Im Sommerrempter des Petriklosters sang der Barde zum Abschluss sein Lied über das Kloster und seiner Geschichte. Dieses Lied und noch einige Fotos von diesem Abend finden Sie hier.

Nach dieser fast zweistündigen Erlebnisführung, hierbei bekommt das Wort Erlebnis gleich eine ganz andere Dimension, konnte man noch im Kloster verweilen. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an alle Beteiligten. Dem Förderkreis Klosterbauhütte Merseburg e.V. ist es wieder einmal gelungen, diese Nachtwächterführung zu einem Höhepunkt zu gestalten.

Wer Lust hatte, konnte Tee, Glühwein oder anderes Gebräu trinken. Fettbemmen oder Roster konnte verspeist werden. Man konnte aber auch „NUR“ ins Gespräch kommen, denn so Einiges konnte berichtet werden.  

Unter anderem hatten die beiden jungen Männer, die auf dem Domplatz den Kampf auf Leben und Tod ausfochten, heute ihren ersten öffentlichen Showkampf. Es ist ihnen gut gelungen und verletzt wurde auch keiner.

Des Weiteren sind die Arbeiten der Schauspielgruppe im vollen Gange. Eine kleine Kostprobe vom ersten Stück bekam ich gleich hier vor Ort. Man darf also gespannt sein. 

Daher möchte ich Ihnen auch die für dieses Jahr im und um das Petrikloster anstehenden Termine nicht vorenthalten:

02. April                               Frühjahrsputz

21. Mai                                Kräutertag 

04. Juni                                Merseburger Museumsnacht

12. Juni                                Familien- und Vereinsfest im Rahmen des Merseburger

                                      Schlossfestes

23. Juli                                 Bürgercampus rund um die Papiermühle

20. August                          "Das Geheime Kabinett" zu Gast im Kloster

11. September                  Tag des offenen Denkmals

24. September                  Irischer Abend mit den Greenhorns

29. Oktober                       Zauberfest

 05. November                  Nachtwächterführung

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathleen Brehme

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