Aktuelle Themenführung am Campus der Merseburger Hochschule

Zur 2. Führung in diesem Jahr am Merseburger Campus traf man sich am 12. November vor dem Hauptgebäude der Hochschule.

Schon vor Beginn unserer kleinen Reise hier vor Ort kam man ins Gespräch, solange man auf die Stadtführerin Dr. Ingrid Hammerl und Denise Hörnicke vom Alumnibüro der Hochschule Merseburg wartete. Es waren sogar ehemalige Studenten aus dem Jahrgang 64/65 dabei. Die Seminargruppe VT 86/03 nutzte beim Ehemaligentreffen die Gelegenheit, noch einmal einen Rundgang durch ihr altes Domizil zu machen. Es war das erste gemeinsame Wiedersehen seit damals. 

Über die noch stehenden Wohnheime 1 und 6, aber auch über das Elternwohnheim unterhielt man sie angeregt und dass nach der Wende die Verfahrenstechnik „ausgelagert“ wurde nach Halle und Magdeburg. 

Als wir uns dann unseren Rundgang begannen, erklärte man uns, was es mit der Baustelle vor der Hochschule auf sich hat. Hier entsteht eine Bushaltestelle, damit der Campus direkt angefahren werden kann. Auch zum Leipziger Uni - Gelände möchte man eine direkte Verbindung herstellen.

Die alte Mensa, welche noch früher eine Sauna war, soll zum Haus der Studenten umgebaut werden. 

Reaktor, Wärmetauscher, Alchimistenfalle und Domstraße 2 sollen hier zu einem zentralen Punkt vereint werden. Außerdem möchte man für den Studentenrat ein neues Zuhause schaffen.

Die Hochschule Merseburg, die am 1. April 1992 gegründet wurde, feiert im nächsten Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. 

Im Gebäude 170 angekommen, nahmen wir erst einmal in einem Hörsaal Platz und wurden darüber informiert, dass hier an der Hochschule in drei Fachbereichen  15 Bachelor- und 11 Masterstudiengänge angeboten werden.  

Aber auch Familienfreundlichkeit ist der Hochschule ein Anliegen. Eine ergänzende Kinderbetreuung wird im Projekt Campuskids von 7 - 22 Uhr angeboten, um Studieren, Forschen und Leben zu ermöglichen.

Aber was lehrt man hier eigentlich? MINT - nein, keine Geschmacksrichtung, das steht für Mathematik, Informatik, Natur, Technik.

Verschiedene Schnupperkurse und Orientierungssemester werden angeboten, um herauszufinden, ob es das Richtige sein könnte. 

Während heute 3000 Studenten und 320 Mitarbeiter an der Hochschule sind, waren es zum Beispiel 1975 "nur" 2700  Studenten und 1700 Mitarbeiter.

Verändert hat sich auch, dass heute ca. 80% Fahrstudenten aus der Region Halle und Leipzig sind. Ansonsten wohnt man in kleinen WG´s mit 13 bis 30 m² großen Zimmern. So auch im „Bankhaus“ in der König - Heinrich - Straße. Auch die verschiedenen Merseburger Wohnungsgemeinschaften bieten Wohnungen an.

Unterschiedliche Studentenprojekte bereichern das Leben an der Hochschule. Dazu zählen auch Theater am Campus und Campus - Cinema.

Im Kunststoffkompetenzzentrum erfuhren wir von Dr.-Ing. Marcus Schoßig, dass sich dort  eine vollautomatische Prüfanlage befindet, die erst durch umfangreiche Renovierungsmaßnahmen möglich war. Erst im Oktober dieses Jahres wurde sie feierlich in Betrieb genommen.

Man beschäftigt sich mit Folienelastomerprüfung, denn wer kennt sie nicht, die Tücken von Kunststoffverpackungen beim Einkauf?

Thermoplaste, kurzfaserverstärkte Werkstoffe, werden geprüft. Unter anderem finden Emissionsversuche in dem Raum statt, wo früher das Elektronenmikroskop stand.

Des Weiteren werden Kunststoffen künstlich bewittert, denn Sonneneinstrahlung verändert diese Materialien. Hier werden normale Umstände geprüft, denn es gibt nur geringe Ausnahmen, wo wirklich extreme Bedingungen vorherrschen. So zum Beispiel werden Fensterprofile 10.000 Stunden getestet.

In einem weiteren Bereich stellte man Kunststoffe aus Granulat her. Die Thermoplaste dienen als Prüfkörper. Verschieden starke Folien werden somit untersucht. Durch die Entwicklung verschiedener Rezepturen, kann man die Eigenschaften der Materialien modifizieren. Eine Reihe von Versuchen mit den Prüfkörpern dient dabei zur Überprüfung.

Auch die Kunststoffcharakterisierung wird im Labor überprüft. So z.B. untersucht man, wie UV - Strahlung absorbiert wird. Unter den Teilnehmern kamen verschiedene Fragen auf, vor allem von unter den älteren „Ehemaligen“. 

Unter der Leitung von Herrn Wutzler, Andrasch und Borreck schaut man in einem Labor detailliert in den Kunststoff hin. Man gibt Lebensdauerprognosen ab, da hier an der Hochschule keine Freilandverwitterung mehr durchgeführt wird. Dafür gibt es nur noch wenige Standorte.

Werkstoffentwickler fokussieren sich auf drei Parameter zur maschinellen Testung, um Aussagen machen zu können. So belichtet man z.B. die Materialien 3000 bzw. 6000 Stunden. 

 

Hier an der Merseburger Hochschule wird auch „Chemie zum Anfassen“ in einem Schülerlabor, welches 1996 gegründet wurde, angeboten. Dieses Angebot, welches von der  Hochschule Merseburg und dem Verein Sachzeugen der Chemischen Industrie e.V. initiiert wurde, möchte das Interesse an Naturwissenschaften und Technik wecken. 

Kinder und Jugendliche kommen deutschlandweit her, um dem Motto „Staunen - Entdecken - Experimentieren - Chemie verstehen“ zu folgen. Schulklassen der Grund- und Sekundarschulen und auch Gymnasien nutzen dieses Angebot.

Selbst eine LEGO - Technik AG gibt es an der Merseburger Hochschule. Auch an verschiedenen Schulen werden solche Arbeitsgemeinschaften angeboten. 

BEanING unterstützt diese Aktivitäten. Es werden aber auch verschiedene Projekte in Schulen angeboten, die sehr gerne angenommen werden.

Herr Hanauska, ein Projektmitarbeiter, erzählte uns so einiges über diese  LEGO – Technik AG, die das Ziel verfolgt, naturwissenschaftliches und technisches Interesse zu wecken.

Bereits zum 4. Mal beteiligt sich die AG der Hochschule an der FIRST LEGO League, einem weltweiten Wettbewerb, an dem 7000 bis 8000 Schüler in Teams gegeneinander antreten. 

Die Kinder und Jugendlichen arbeiten dann wie echte Ingenieure an einem gemeinsamen Thema. Für 2016/17 lautet es „ANIMAL ALLIES“. Dabei wird versucht, dieser Forschungsauftrag als Team umzusetzen. Gemeinsam wird konstruiert und programmiert, um an den ersten Vorentscheiden teilzunehmen. Diese finden weltweit statt. Am Ende gibt es dann ein Finale.

Herr Hanauska zeigte uns, wie mit Hilfe von ein paar Klicks die Kinder ein kleines Programm zusammenstellen können. In der Testphase wird dann geprüft, welche kniffligen Missionen der vollautomatische Roboter meistern kann.

In der LEGO – Technik AG können die Teilnehmer, die zwischen 9 - 16 Jahre alt sind, auch ihre eigenen Ideen umsetzen. Ältere Jugendliche arbeiten später auch als Betreuer in der AG weiter.

Natürlich versucht man hier, das Interesse für Technik und Programmierung zu wecken, damit die Kinder und Jugendlichen später vielleicht einen Beruf oder auch Studium in diese Richtung einschlagen.

An dieser Stelle endete diese Campusführung. Es war wieder einmal sehr interessant für mich. Aber ich hatte auch viel Spaß dabei, die ehemalige Seminargruppe VT 86/03 einfach nur zu beobachten und ihnen zuzuhören. Es war sehr erstaunlich, wie viel einige von ihnen verdrängt hatten. Nach und nach wurden Erinnerungen wach gerufen und ich weiß nicht mehr, wie oft ich diese Frage gehört habe: Weißt du das noch?

Ich selbst war von dem „ostzonalen“ Chick und Charme fasziniert, der mich auch gleich in meine eigene Studienzeit zurück versetzte. Aber lang, lang ist es her …

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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