„Seniorenknast - wir kommen“ Merseburger Stadtbibliothek Lesung in der  mit C. Mühl

Auch in diesem Jahr wird die Veranstaltungsreihe in der Merseburger Stadtbibliothek „Walter Bauer“ fortgesetzt. Der Freundeskreis Literatur e.V. und die Bibliothek luden am 18. Januar 2017 herzlich zur Auftaktveranstaltung 2017 ein mit Christa Mühl, die hier ihr erstes Buch vorstellte.

Christa Mühl, die deutsche Regisseurin und Drehbuchautorin wechselte nun zur schreibenden Zunft, die Bücher auch drucken lässt. Aus einer Not machte sie eine Tugend. Dazu aber dann später noch etwas mehr.

Christa Mühl verbindet schon über eine lange Zeit etwas mit Merseburg und der Region. Sie ist hier aufgewachsen und legte ihr Abitur ab. Im Herbst des Vorjahres erhielt sie ihr „Goldenes Abitur“.

Nach dem Regiestudium in Babelsberg arbeitete sie beim Fernsehen der DDR. 1988 erhielt sie den Kunstpreis der DDR. 

Zahlreiche Filme und Serien wurden von ihr inszeniert oder sie schrieb die Drehbücher. Nach der Wende war „Stubbe - von Fall zu Fall“ sozusagen ihr Sprungbrett. Christa Mühl  arbeitete auch für „Polizeiruf 110“, „Das Traumschiff“, „Für alle Fälle Stefanie“, „Rote Rosen“ und vieles andere mehr.

Gleich zu Beginn beantwortete die Berliner Autorin die Frage selbst, warum sie nun ihr erstes Buch geschrieben hat. Eigentlich war es ein Drehbuch, nur dass man die Akteure nicht im Osten agieren lassen wollte. Die Handlung sollte einfach in den Westen verlegt werden, was grundsätzlich nichts Schlimmes ist, jedoch wäre der gesamte DDR - Charme weg gewesen.

Auch wenn es nicht so einfach war, einen Verlag zu finden, heute ist sie hier und liest aus ihrem Buch, welches sie im letzten Jahr bei der Buchmesse vorgestellt hat. Und was soll ich sagen, die schon in die Jahre gekommene Debütantin machte ihre Aufgabe sehr gut.

Und worin geht es in diesem Buch? Um die ehemalige Chefin der Leipziger Mordkommission, die mit ihren 67 Jahren nur unfreiwillig in den Ruhestand gegangen ist und damit überhaupt nicht zu recht kommt. Katharina Schick füllt ihre Zeit mit Fernseher schauen und dem einen oder anderen Glas zuviel. 

Ihr einziges Highlight ist der monatliche Besuch auf ihrer einstigen Dienststelle. Die Zeit dazwischen verbringt sie mehr auf ihrem Sofa mit ihrem Kater, der wohl auch nur eine Daseinsberechtigung hat!?!?

Katharina Schick kann sich ihre Putzfrau Mira nicht wirklich leisten, obwohl sie wirklich von Nöten ist. Mira ist eine Leidensgenossin, denn sie hat, bevor auch sie aufs Altenteil geschoben wurde, in der Polizeidirektion geputzt. Da auch ihr die Decke zu Hause auf den Kopf fällt, bietet sich Esmiralda – kurz Mira und das ist richtig so geschrieben – mit der Berliner Schnauze an, für lau zu putzen, nur damit sie eine Aufgabe hat, obwohl sie ja eigentlich ihre mickrige Rente aufbessern will.

Während Katharina Schick nach durchzechten Nächten, in denen sie melancholisch den DDR - Zeiten nachhängt, von ihrer Putzfrau Mira auf dem Sofa vorgefunden wird, merkt sie, dass sie ihr einziges Highlight, der monatliche Besuch bei ihrem Nachfolger Hauptkommissar Ruppe in ihrer alten Wirkungsstätte, fast vergessen hätte.

Völlig Kopflos bricht sie dorthin auf. Im Kommissariat angekommen, scheint das Treffen ins Wasser zu fallen, da Ruppe zu einem Einsatz gerufen: Ein Mann hat eine Tankstelle überfallen, etliche Geiseln genommen, die er mit einer Waffe bedroht.

Heimlich folgt Katharina Ruppe. Völlig entsetzt merkt sie, dass der Geiselnehmer ein alter Bekannter ist. Es handelt sich um den ebenfalls pensionierten Prof. Dr. Paul Herr, einstiger Papst der Leipziger Pathologie, auch unter dem Namen Leichenfinger bekannt. 

Katharina Schick gibt sich am Ort des Geschehens als seine Ärztin aus, die den Patienten wieder in die Klinik zurück bringen will. Auf der Flucht offenbart sich, dass es Paul Herr ohne seine Arbeit ebenfalls beschissen geht. Der Winter steht vor der Tür. Daher versucht er bereits zum 6. Mal, in den Knast zu kommen. Neben ordentlichem Essen und dem Dach über dem Kopf ist für den Pathologen der geregelte Tagesablauf von größter Bedeutung.

Das Wunschgefängnis vom Leichenfinger ist ein Seniorenknast zwischen Voigtland und Erzgebirge. Aber selbst wenn die beiden einsamen Herzen dieses Etablissement finden, wie ist eine Stippvisite möglich? Es wird ja sicherlich keine Tag der offenen Tür geben oder eine lange Nacht der Justizvollzugsanstalt geben?

Verfolgt werden die beiden „Ausgemusterten“, der Pathologe und die Kommissarin, von der Putzfrau Mira in ihrem Fiat Panda und dem Kater von Katharina Schick. Und wenn Sie wissen möchten, wie es weiter geht, kaufen Sie sich dieses amüsante buch oder leihen es in der Bücherei aus. 

Ein klein wenig erinnerte mich das Szenario an die Fernsehserie "Rentnercops - jeder Tag zählt", welche bei ARD ausgestrahlt wird, nur das dort die pensionierten Kommissare wieder in den Dienst beordert werden.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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