„Unterwegs auf dem Tugendweg – Denkfutter“ Bildervortrag mit Christel Tippelt

In der Stadtbibliothek „Walter Bauer“ in Merseburg gab es am 19. Oktober 2016 einen sehr interessanten Bildervortrag mit Christel Tippelt. Ihren Mann hatte sie als Verstärkung mitgebracht, der an diesem Nachmittag als Vorleser fungierte.

Bevor wir etwas mehr über den Tugendweg erfuhren, machten wir einen Exkurs, um eine kleine Einführung in den ökumenischen Pilgerweg zu erhalten. 

Der Verlauf des Ökumenischen Pilgerweges orientiert sich am historischen Verlauf der alte Handelsstraße Via Regia, die 1252 erstmals erwähnt wurde.

Und Hape Kerkeling hat den Jakobsweg so richtig bekannt gemacht. Er wanderte, während einer persönlichen Auszeit, die er sich selbst verordnet hat, auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Sein Bestseller "Ich bin dann mal weg" wurde sogar verfilmt.

Aber was ist pilgern eigentlich? Und warum nimmt man diese Strapazen auf sich? Sicherlich gibt es die verschiedensten Beweggründe, so eine Wanderung zu machen. Egal ob Glaube, Natur oder Nächstenliebe, auf jeden Fall begegnen einem auf einer Pilgerreise Herzlichkeit, Offenheit und Freundlichkeit.

Auf den 17 km zwischen Kleinliebenau und Merseburg kann man die Saaleaue erkunden und findet noch so manch anderes Interessantes und Wissenswertes zum Staunen wie die blühenden Bärlauchwiesen. Die verschiedensten Sehenswürdigkeiten haben ja auch ihre eigene Geschichte. Aber auch die 7 Stelen, die den Pilgerpfad säumen, sollen zum Nachdenken anregen. 

Was sind eigentlich Tugenden?  Bestimmte Eigenschaften, die als wichtig und erstrebenswert gelten, machen am Ende den Charakter eines Menschen aus. Diese Eigenschaften können Liebe, Glaube oder Hoffnung sein. Man kann Tugenden unterschiedliche Werte zugrunde legen. Es gibt zum Beispiel kirchliche, bürgerliche oder preußische Tugenden. 

Als ich vor längerer Zeit selbst schon einmal auf der Suche nach Material für die Stelen war, musste ich leider feststellen, dass es nicht sehr viel dazu gab. Umso interessierter hörte ich nun den Ausführungen der Familie Tippelt zu.

Initiator Christoph Porsch, Unternehmensberater aus Gelsenkirchen, selbst leidenschaftlicher Pilger, stiftete diese 7 Stelen, die von Gaby Frisch aus mannshohen Eichenholzbalken geschaffen worden sind. Im September 2009 wurden sie auf dem 17 km langem Tugendweg aufgestellt.

Um uns einen tieferen Einblick auf diesen Pfad zu ermöglichen, wurde auch der Film vom Offenen Kanal „Tugendweg – Denkfutter Sehenswertes am Wegesrand“.

Entlang dieses Pfades gibt es auf jeden Fall Altes und Neues zu entdecken und die Stelen sollen neue Impulse setzten und Denkanstöße geben, um über die genannte Tugend nachzudenken.


Und hier alle Stelen im Überblick mit ein paar kurzen Informationen zu den Orten, an denen sie stehen. Folgen sie dem Tugendweg von Kleinliebenau bis Merseburg.

Die Stele "Klugheit" befindet sich in Kleinliebenau (Schkeuditz/ Sachsen) gegenüber der Kirche.

  • Pilgerkirche mit Herberge unterm Lindenbaum
  • Autobahnsee der A9

Die Stele "Mut" steht am Eingang zur Samariterherberge Horburg. 

  • Wallfahrtskirche mit der Horburger Madonna
  • Horburger Zwiebelmarkt

Die Stele „Geduld" findet man vor der Kastanie in Dölkau.

  • Dölkauer Schloss der Familie Graf von Hohenthal

Die Stele "Toleranz" findet man am Raßnitzer See vor.

  • Der Tagebau Merseburg Ost befand sich da, wo sich jetzt der Raßnitzer und Wallendorfer See erstrecken. Die Restlöcher 1a und 1b wurden 2003 der Gemeinde Schkopau zugeordnet und 2002 bekamen sie ihre neuen Namen. Beide Seen zeichnet eine ca. 30 ha große Wasserfläche aus und einem 25 km langem Wanderweg.

Die Stele "Respekt" findet man am Wallendorfer See, dem blauen Auge der Stadt Schkopau.

  • Wallendorfer Panstermühle

Einen ausführlichen Bericht mit tollen Bildern dazu finden Sie hier.


Die Stele "Demut", de  am Dorfteich von Löpitz steht, befindet sich in unmittelbarer Nähe Gedenkstein für den Ehrenbürger Dr. Hubert Albrecht unter dem Spitzahorn.

  • Löpitzer Schloss
  • alte Mosterei in Tragarth mit dem Storchennest auf dem Schornstein
  • ein restauriertes Taubenhaus
  • ehemaliges Rittergut Tragarth 

Die letzte Stele "Liebe" befindet sich auf der Empore der Merseburger Neumarktkirche.

Natürlich kann man auf diesem Weg übernachten u.a. auch hier. Im letzten Jahr waren es mehr als 250 Übernachtungen.

Pilgerstätten gelten als Ort der Einkehr und Begegnung. 


Antrieb kann Sehnsucht oder Neubeginn sein. Und man muss nicht edel geboren werden, edel wird man im Leben gemacht!

Mein Resümee von diesem Nachmittag war, eine Wanderung auf dem Tugendweg stand sofort auf meiner to do – Liste für das kommende Jahr ganz oben. Ob ich dann allerdings mit meinen Mitstreitern „Das Wandern ist des Müllers Lust“ singe, wird sich zeigen. Erst einmal muss ich mir einen Pilgerstab besorgen.

Vielleicht sollte man im nächsten Jahr wirklich mal eine Aktion starten, um diesen Tugendpfad entlang zu pilgern?


Die zwei Tugendwege von Friedrich Schiller

 

Zwei sind der Pfade, auf welchen der Mensch zur Tugend emporstrebt.

     Schließt sich der eine dir zu, thut sich der andre dir auf.

Handelnd erringt der Glückliche sie, der Leidende duldend.

     Wohl dem, den sein Geschick liebend auf beiden geführt! 

Redaktion: Kathleen Brehme

Quelle: GPSies®.com, Kirchliche Nachrichten Katholischer Gemeindeverbund Merseburg

              Ausgabe Nr. 23/ September 2009

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathleen Brehme

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