Autorenlesung „Merseburg zwischen Russenkaserne, Strandkorb und TH“

In der Stadtbibliothek „Walter Bauer“ lud man am 22. März 2017 wieder zu einer Veranstaltung ein. Dieses Mal stand die Autorenlesung „Merseburg zwischen Russenkaserne, Strandkorb und TH“ auf dem Programm. 

Vier Autoren des Leseturms Merseburg - Beuna wollten gemeinsam ihrer Sammlung ausgewählter Texte bzw. Geschichten vorstellen. Dabei waren am heutigen Tag:

  • Philine Eschke – Scheubeck
  • Birgit Gerlach
  • Katharina Mälzer
  • Hans-Dieter Weber

Es handelte sich bereits um die zweite Anthologie, wobei „Merseburg zwischen Russenkaserne, Strandkorb und TH“ von der Nachkriegszeit bis zur politischen Wende erzählt.

Doch zuvor übergab Martin Popp, der Vorsitzende des Freundeskreises Literatur e. V.,  symbolisch eine Reihe von Büchern an die Bücherei. Bereits zum 9. Mal erfolgt diese Schenkung durch den Verein vor dem eigentlichen Beginn der Leipziger Buchmesse. Die Merseburger Stadtbibliothek „Walter Bauer“ konnte sich dieses Mal über Hör- und Kinderbücher freuen.

Herr Popp, der am Wochenende selbst dieses Buch gelesen hatte, war besonders von den Geschichten über die Linie 5 und den „Strandkorb“ fasziniert.

Alle 15 Autoren, die mit ihren Geschichten in diesem Buch vertreten sind, beschreiben ihre persönlichen Erinnerungen an die Zeit nach dem Krieg bis zur Wende. Da hieß die TH noch Technische Hochschule für Chemie „Carl Schorlemmer“ Leuna-Merseburg, Polikliniken waren uns vertraut und die Kaserne mit sowjetischen Armeeangehörigen und  Offiziersfamilien gehörten einfach zum Merseburger Alltag dazu.

Man kann in diesem Buch im Detail nachlesen, wie es wirklich im Osten in der Stadt Merseburg war. Egal ob Einheimischer oder Zugezogener, das Kopfnicken der anwesenden Gäste bestätigte, dass sich viele in diesen Geschichten wieder erkannten. Genau so war es eben!

Hier spielten die Kinder noch auf den Straßen oder an der Baustelle der B91. Alles, was man mit Kinderaugen gesehen hat, wirkte groß  und weit, interessant, machte neugierig. Es musste einfach ausprobieren werden, selbst wenn es nur die Faßgurken in einem alten Keller waren. Die Kinder fanden damals Agentenspiele aufregend, ein Spion sein war einfach angesagt.

Ob Präsent 20 Anzug, geblümtes Taschentuch, Caro - Zigaretten, Grubenschnaps, Alu – Brotdose oder Barkas, davon hatten alle schon einmal gehört.

In der Poliklinik fand die medizinische Versorgung statt, daran kann sich jeder erinnern, aber auch an die Russenkaserne mit dem Flugplatz, wo man das Starten und Landen der MIG´s sehen konnte. Selbst der Flugzeugabsturz war nicht vergessen.

Auch die Fahrten mit der Straßenbahn von Halle nach Merseburg auf den roten Hartschalensitzen mit typischem DDR - Charme wurden beschrieben mit allen typischen Farben und Düften, die damals alltäglich waren, z.B. in  Buna.

Daher zogen sich Atemwegserkrankungen durch Geschichten an verschiedenen Orten  unter anderem Braunsbedra, Lützkendorf oder Mücheln.

Hier sind Kohlenstaub und Kohlebergbau aus dem Alltag nicht wegzudenken. Aber auch von Westbesuch, Ausreiseantrag, Volkspolizeikreisamt oder Haftausgleichsprüfung hörten wir.  

In den 50 -er Jahren wurden bildhaft Nachkriegsbilder der Stadt beschrieben aus der Sicht eines Jungen, dessen Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Als Nachkriegskind sollte man gesund bleiben und wachsen, was sich damals als schwierig erwies. Und sein Großvater sammelte alles, was man vielleicht noch einmal gebrauchen konnte in seinen Schatztruhen. 

Kaninchen und Hühner wurden gehalten, Kleingärtner mit ihren Gartenparzellen mit allem, was dazu gehört und was es so gab waren angesagt.

Leider empfand dieser Vater, um den es in der Geschichte geht, den Berufswunsch, Gärtner zu werden, als nicht angemessen, weil es sich in seinen Augen dabei um keinen anständigen Beruf handelte.  Der eine oder andere musste sich damals dem Willen des Vaters oder des Mannes beugen.

Diese kurzweiligen Geschichten wurden entsprechend mit Fotos illustriert, die die Facetten dieser Zeit deutlich abbilden.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!