Charlott Szukala und Steffen Rumpf stellen aus in der Merseburger Domgalerie

Am 21. März 2017 begrüßte Hoger Leidel die Gäste dieser Vernissage, und es scheint nach seinen Angaben auch mit diesen kleinen Arbeiten scheinbar eine runde Ausstellung geworden zu sein. Natürlich gab es auch dieses Mal das eine oder andere Problem zu lösen, um den Ansprüchen der Künstler gerecht zu werden.

Gemeinsam mit der Laudatorin Bärbel Zausch wurde diese Ausstellung vorbereitet. Sie begleitete die Künstler dabei und hat ihnen nicht nur mit Kaffee beigestanden. "Sand in der Uhr" zeigt Skulpturen, Malereien und Collagen von Charlott Szukala und Steffen Rumpf.

In ihrer Laudatio zeigte Bärbel Zausch auf, dass die Künstler Charlott Szukala und Steffen Rumpf zwar ein unterschiedliches Grundpaket haben, aber am Ende ihre künstlerische Verwirklichung ein gemeinsamer Aspekt ist. 

Verschiedene Gesellschaftswege und Heransgehensweisen an ihr künstlerisches Talent wurden uns hier offenbar.

So richtete die 1977  in Essen geborene Charlott Szukala stringent ihre handwerkliche Ausbildung in Richtung Kunst. Unter anderem absolvierte sie eine klassische Holzbildhauerlehre im Odenwald auf der Michelstädter Fachschule für Holz und Elfenbein. Wer dort auch  eine Ausbildung absolviert hat, scheint zu erkennen, wo sie ihr Können erworben hat. Vor allem das Werden und Schaffen ihrer keramischen Figuren sollen davon zeugen .

Der 10 Jahre ältere Steffen Rumpf kam über Umwege zur Kunst. Nach seiner Lehre als Postfacharbeiter, welche zwar als Lebenshilfe anzusehen ist, aber nicht sehr kreativ zu sein scheint, genügte ihm am Ende nicht.

Im Erfurter Zeichenzirkel bei Albert Habermann schien er  schon damals Blut geleckt zu haben. Aber erst mit 25 begann er an der Burg Giebichenstein zu studiert. Darauf hat er seinen künstlerischen Weg immer weiter aufgebaut. 

Beide Künstler haben lange ihr handwerkliches Können erlernt und verfeinert. Und auch wenn sie mit anderen Denkweisen konfrontiert waren, sind beide ans Ziel gekommen, wenn auch über Umwege.

Gemeinsam ist Charlott Szukala und Steffen Rumpf mit Ende der Ausbildung, dass beide ihre eigene Familie gegründet haben. Was die Laudatorin jedoch mit dem Satz meinte, als Künstler ist man immer allein, bleibt offen.

Fakt ist, beide haben verschiedene Wege gesucht, um ihre Arbeiten zu verkaufen und sich selbst zu bewahren. 

Während Steffen Rumpf die Arbeitslosigkeit kennen lernte, dies und das probierte oder darin geschult worden ist, wobei er stets Neues kennen lernte, entdeckte Charlotte Szukala Mitteldeutschland für sich.

Inzwischen wohnt sie im Künstlerort Dobis, einem Ortsteil von Wettin - Löbejün, und laut der Laudatorin Bärbel Zausch scheint Charlotte Szukala auch in sich selbst angekommen zu sein.

Ihre kleinen Figürchen aus Keramik hätten sie freier und frischer gemacht. Diese Arbeiten zeigte sie hier bereits 2014 bei der Merseburger Kellerweihnacht. Einen kleinen Bericht dazu finden Sie hier.

Charlott Szukalas Skulpturen sind Arbeiten, die mit großer Kraft entstanden sind. Mit einer Kettensäge versucht sie, Holz in ihre eigene Form zu bringen und die Natürlichkeit zu bewahren. Wenn man sie genauer betrachtet, kann man sehr viel entdecken. 

Ihre Arbeiten sah ich zum ersten Mal 2014 in der Kunstgalerie cCe Kulturhaus Leuna. Gemeinsam mit drei weiteren Künstlern, darunter auch Steffen Rumpf, stellte sie dort aus. Den Bericht dazu finden Sie hier.

Während ihre Skulpturen jetzt wie sanft leicht fallende Blätter anmuten, kamen mir ihre größeren Arbeiten klobiger und unfertiger vor, und dennoch sehr interessant. 

Ihre Kollagen in Pappe mit den kleinen Figuren durften hier aber auch nicht fehlen, auch wenn sie dadurch noch ganz anders in Szene gesetzt wurden.

Steffen Rumpf, dem die neue Gestaltung des Fahnenmonumentes am Hansering in Halle 2004 oblag, welches nun als Denkmal „Flamme der Revolution“ bekannt ist, hat sich zeitweise mehr schlecht als recht durchgeschlagen. 

Trotzdem sind seine Malereien faszinierend. Einerseits bestechen seine Leinwände mit freundlicher wunderbarer Farbigkeit und scheinbarer heiterer Leichtigkeit. Lässt man sich jedoch näher auf die Arbeiten ein, geraten andererseits die Gedanken ins Stocken. Seine surrealistischen Darstellungen, die Irritationen beim Betrachter auslösen, muss man erst einmal verdauen.

Wenn man sich auf seine materialisierten Themen einlässt, kann man seine Kompositionen genießen. So zum Beispiel sein Gemälde mit dem altbekannten Thema Turmbau zu Babel, welches man mit vielen Menschen assoziiert. Es ist ein Ort, der durch Sprachverwirrung, nach Aussage der Laudatorin Bärbel Zausch, als ein Punkt der eigentlichen Sprachentwicklung zu bezeichnen ist. Seine eigene Darstellung dieser „Baustelle“ zeigt einen menschenleeren und trotzdem sehr farbintensiven Turm zu Babel.

Am Ende wurde noch einmal aufgezeigt, das trotzdem beiden die Ideen nicht ausgegangen sind. Sie versuchten, sich jeder auf seine Weise auf dem Markt zu etablieren. 

Bärbel Zausch beendete mit einem Gedicht der österreichischen Lyrikerin Ingeborg Bachmann die Eröffnung dieser Ausstellung, die den meisten schon ein wenig zu lang gedauert hat. Leider kamen im hinteren Bereich schon laute Gespräche auf, was nicht gerade von Respekt zeugt. Schade!

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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