Themenführung in Merseburg: Spukge-schichten mit der Laternenrese

Am 28. November lud die Laternenrese (Stadtführerin Christel Tippelt) wieder zu einem abendlichen Spaziergang durch die Merseburger Altstadt ein.

An der Merseburger „Hölle“ trafen sich die Kleinen und Großen, um vom „Teufel“ persönlich begrüßt zu werden. Mit im Schlepptau hatte er die Laternenrese und Gräfin von Zech – Burkersroda.

Unser Weg führte uns bei diesem abendlichen Spaziergang über den Domberg bis hinauf zum alten Petrikloster.

Aber von vorn. Natürlich gibt es für den Namen „Hölle“ verschiedene Möglichkeiten. Nahe liegend ist, das es sich vom norwegischen Wort Hull, was Graben bedeutet, her ableitet.

Es war zu hören, dass die „Hölle“ die hellste Stelle von Merseburg sei. Früher wurden die Gaslaternen mit dem 4m langen Stock als Hilfsmittel angezündet. Leider passte er nicht in die modernen Kutschen.

Das Anzünden war „enne heiden Kleeche“. Die Laternenrese musste an der Stadtmauer entlang laufen. Ihr Weg führte sie vom Sixtitor über das Neumarkttor bis hin zum Gotthardtor.

An der Hölle befindet sich nicht nur das MC Maikel, sondern die Haltestelle der Straßenbahn. Die Linie 5 ist mit ihren ca. 31 km Streckenlänge die längste Straßenbahnlinie Deutschlands und hat 57 Haltestellen.

Vorbei an der Klia, der Goetheschule in der Nähe des Eulenturms, schlichen wir am Finanzamt vorbei. Schön leise, nicht dass noch Vergnügungssteuer anfällt.

Dort überquerten wir den Kutschenübergang. Auf der anderen Straßenseite angelangt, erfuhren wir etwas über das Merseburger Bier. Selbst Goethe schwärmte davon und kehrte immer wieder in Auerbachs Keller in Leipzig zurück, wo das Merseburger Bier ausgeschenkt worden ist.

In der Domstadt Merseburg soll es 400 Braugenehmigungen gegeben haben. Voraussetzung für die Braugenehmigung waren eine Leiter, ein Ledereimer, ein Parkplatz für 4 Pferde und 1 ½ Taler Voraussetzung für Braugenehmigung.

Die Gräfin von Zech – Burkersroda zitierte an dieser Stelle noch:

         

           „Trinkst du das erste Bier, schauderts dir.

             Trinkst du es eine Woche, kannst du es nicht mehr lassen.“


In der Burgstraße erwartete uns schon der Domherr. Nicht nur von den Tiefen Kellern in Merseburg, sondern auch von den in der Domstiftsbibliothek gefundenen Merseburger Zaubersprüchen war die Rede.

Gegenüber am Durchgang zur Grünen Straße befindet sich auch der "Franzosen-Brunnen". Er hat diesen Namen, weil1757 ein französischer Offizier darin ertrunken aufgefunden wurde.

Weiter ging es dann vorbei an den Sitznischenportalen in Richtung zum Domherrencafe´. An dem Bäumchen wurden selbst gebastelte Sterne aufgehängt.

Im Schaufenster gegenüber befanden sich so genannte Weihnachtskrippen im Schuhkarton. In dieser Vorweihnachtszeit soll ein Wettbewerb stattfinden. Für einen bestimmten Zeitraum sollen diese kleinen Meisterwerke in der Stadt Merseburg ausgestellt werden und die beste prämiert.

Weiter ging es zum Krummen Tor, welches 1888 in veränderter Form rekonstruiert worden ist, bietet dem Herr Prof. Dr. phil. Alfred Georg Frei von der Hochschule außergewöhnlichen Wohnraum.

Die Willi - Sitte - Galerie ließen wir einfach links liegen, in diesem Falle eher rechts, um an den Merseburger Dom zu gelangen.

Dort wurden wir bereits erwartet und wurden wieder mit vielen Informationen gefüttert. Der Merseburger Dom hat noch viel mehr zu bieten, als Führungen.

Im Kaiserdom hat man unter anderem die Möglichkeit, Schreiben wie früher zu lernen. Immer wieder werden Kurse vom Historischen Museum dazu angeboten.

Durch das Löwentor spazierten wir zum Rabenkäfig. Den Blutstein im dunklen Schlosshof, auf dem der arme Kammerdiener Johannes hingerichtet worden ist, weil er den Ring von Thilo von Trotha gestohlen haben soll, nahmen wir an diesem Abend nicht mehr in Augenschein. Aber eins ist sicher, der gottlose Geist spukt noch durch die alten Gemäuer.

In der Domstadt Merseburg, die im Land der Frühaufsteher ist, verläuft der 12. Meridian. Eine Hinweistafel weist hier im Schlossbereich darauf hin. Eine Weitere befindet sich im Schlossgarten und am Saalehang im Eingangsbereich der Kreisvolkshochschule.

Wir passierten im Anschluss das Domgymnasium mit seinen blauen Streifen und das Restaurant und Cafe Benzibena, wo wir wieder auf die Merseburger Zaubersprüche zu sprechen kamen.

Gegenüber dem Schlossgarten befindet sich das Ständehaus, wo früher Ständeversammlungen stattgefunden haben. Da der Schlossgartensalon damals zu klein war für die Arbeit der Abgeordneten, wurde es neu gebaut .

Bis 1945 war es der Sitz des Landtages. 1989 geriet dieses Gebäude in Vergessenheit. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde das Ständehaus 2003 wieder eröffnet.

Gräfin von Zech - Burkersroda, kam nicht umhin, vom nötigen Kleingeld zu erzählen, welches ihre Familie hatte. 1840 erwarben die Zech - Burkersroda Schloss Goseck und ließen den Zech'schen Palais in Merseburg erbauen.

Vorbei an der Oberen Wasserkunst, liefen wir durch die Merseburger Nacht. Auch Merseburger Wohnungsunternehmen verschönern mit dem Raben und den Zaubersprüchen als Motiv ihre Häuser.

Das Ende unserer heutigen Tour war am Anfang der Stadt Merseburg - dem ältesten Teil der Stadt - am Altenburger Friedhof und dem Petrikloster.

Im Kloster wurden die Teilnehmer dieser Führung von der Kräuterfrau Annabelle, der ewig Jugendlichen, mit einem heißen Trunk erwartet. Tee, Glühwein und die Feuerschale im Klausurhof wärmten die durchgefrorenen Gemüter.

Annabelle war auch bereit, einen kleinen Rundgang durch das Petrikloster zu machen, nachdem wir alle noch ein wenig smaltalk gemacht hatten.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathleen Brehme

Anzeige

Anzeigen

Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!