Themenführung in der Merseburger Domstadt : Mit der Marktfrau unterwegs

Bei diesen sommerlichen Temperaturen traf man sich zu Beginn dieser Führung am 22. August nicht auf dem Merseburger Markt, sondern unweit davon am Saalealf - Brunnen.

An diesem relativ schattigen Plätzchen wurden die Gäste recht herzlich von den beiden einfachen Marktfrauen begrüßt und bekamen gleich noch einen Vitaminstoß. Es wurden mundgerechte Apfelspalten zubereitet und gereicht.

Nach einem kleinen Liedchen bekamen wir einen ersten Einblick in das handeltreibende Merseburg der damaligen Zeit. Zwei Wochenmärkte wurden hier stets und ständig durchgeführt. Und zweimal im Jahr war großer Jahrmarkt, wo die Händler mit Korb oder Karren ihre Waren in die Domstadt brachten. An diesen Tagen herrschte reiches Marktgeschehen.

Es gab verschiedene Märkte in der Stadt. Je nach Angebot konnte man zum Beispiel auf dem Grünen Markt Obst und Gemüse, auf dem Rossmarkt Tiere oder auf dem Entenplan Geflügel erwerben. Der Neumarkt war der Standort der Böttcher, der Marktplatz war der Kornmarkt. Auch heute noch weisen die Namen der Plätze auf ihren früheren Verwendungszweck hin.

Der Marktplatz, wo man heute noch das älteste Fachwerkhaus von Merseburg findet und nur noch ein Teil des dort befindlichen Neuen Rathauses findet, erzählt viele Geschichten.

In denn 60er Jahre wurde zum Beispiel das neue Rathaus, welches im 2. Weltkrieg zerstört worden ist, abgetragen und es ist nur noch ein Teil davon erhalten.

An der dort befindlichen Staupensäule wurde man im Mittelalter dort an den Pranger gestellt oder sogar bestraft für seine Untaten. Der erste war 1546 Augustin Hermann der wegen Ehebruch an der Staupensäule Schläge erhielt.

Auf dem Marktplatz befindet sich ebenfalls der Staupenbrunnen, der früher das Stadtwappen getragen haben soll.

Heute ziert eine kleine Roland - Figur, welche für bürgerliche Freiheit, Eigenständigkeit der Stadt und die hohe Gerichtsbarkeit steht.

Der Altstadtverein Merseburg e.V. plant die Sanierung des Brunnens, wobei sich die Kosten auf ca.50.000 € belaufen sollen.

Das „Hotel zur Sonne“ direkt am Marktplatz wird nun endlich saniert. Eine Gaststätte soll entstehen. Die hässlichen Baulücken, die durch den Abriss von zerfallenen Häusern entstanden sind, sollen nach und nach geschlossen werden durch den Bau von Wohnhäusern und der Stadt Merseburg wieder ein ansehnliches Gesicht verpassen.  Bleibt zu hoffen, dass der Merseburger Marktplatz wieder etwas belebt wird.

An die Merseburger Vereinsbank, aus der die Raiffeisenbank hervorging, erinnert noch dieses Wappen am Marktplatz.

Vorbei am Gelände der alten Markthalle, wo ebenfalls Baumaßnahmen geplant sind, in Richtung Preußerstraße erhaschte man noch einen Blick auf die Sixtiruine, die nie fertig gebaut worden ist. Das gab für unsere beiden Marktfrauen genug Gesprächsstoff.

Auf Grund verschiedener Stadtbrände verließen die Händler Merseburg und zogen mit ihren Waren nach Leipzig oder Wurzen, um dort ihre Waren anzupreisen.

Wegen der Brandgefahr, die von Fachwerkhäusern ausgingen, ordnete man an, dass diese immer verputzt werden müssen. Daher findet man in der Stadt kaum noch Fachwerkhäuser.

Außerdem war durch die strohbedeckten Häuser ein schnelles Ausbreiten der Brände möglich. So sorgte ein Streit zwischen den Bürgern Faulhanß und Tanzewohl um ein paar Pfennige Schulden dafür, dass der eine dem anderen das Haus über dem Kopf anzündete. Dieser Brand ging als dritter großer Brand in die Merseburger Geschichte ein.

Erst nach fünf Jahren sei diese Tat aufgeklärt worden sein. Der Brandstifter und seine Frau, die bis dahin alles gedeckt haben soll, wurden auf dem Judenfriedhof in Merseburg verbrand worden. Auge um Auge - Zahn um Zahn!

Auf unserem Weg durch die Stadt Merseburg wurden wir auch immer wieder auf die Zerstörungen des 2. Weltkrieges hingewiesen. Ein Zeitzeugnis aus dieser Zeit sind die Aquarelle des Hobbymalers Franz Wagner. Seine Bilder zeigen Ansichten der zerstörten Stadt Merseburg nach den schweren Bombenangriffen, die er damals mit eingefangen hat.

Hinter der Gotthardstraße, entlang der Preußerstraße, wurde 1977 der Geiselverlauf  überbaut. Ihrem ehemaligen Verlauf folgend, gelangten wir an der ehemaligen Möbelfabrik vorbei in die Wilhelm - Busch – Passage.

Der liebevoll gestaltete Durchgang zeigt Bildergeschichten und Reime des bekannten Dichter und Zeichner Wilhelm Busch. Man sollte eine Assoziation zum dort befindlichen Geschäft oder Gewerbe haben. Zwischenzeitlich hat der eine oder andere Besitzer gewechselt, aber die tollen Bilder sind geblieben.

Dort lernten wir auch den berühmten Merseburger Rabenschiss kennen – sieht komisch aus, ist essbar und schmeckt gar nicht mal so schlecht.

In der Gotthardstraße, die nach der Wende eine Schönheitskur absolviert hat, findet man eine Zeichnung mit der ältesten Ansicht von Merseburg. Das noch erhaltene Portal und Fenster wurden bei der neuen Gestaltung mit einbezogen.

Auch hier stießen wir wieder auf das Thema Brand. Ein Büchsenmacher war dieses Mal der Auslöser einer Feuersbrunst gewesen sein. Im 16. Jahrhundert wurde dann eine Brandschutzordnung eingeführt, die vorschrieb, welche Hilfsmittel jedes Haus zur Brandbekämpfung haben musste, um ein reihenweises Abbrennen verhindert zu verhindern.

Wir kamen auch an der Stänkergasse, deren Name wirklich vom Gestank abgeleitet wurde, der früher von ihr ausging. Damals diente sie als „Feuerwehrzufahrt“ zur Geisel, um im Ernstfall Wasser von der Geisel holen zu können.

Heute befindet sich ein ruhiger Innenhof, der mit den Abbildungen der verschiedensten Burgen und Schlosser aus der Umgebung geziert wird.

Auch am heutigen Tag wurden die Merseburger Zaubersprüche kurz angesprochen - ein Muss in der Merseburger Domstadt. Dabei handelt es sich um eine Mischung altsächsisch und althochdeutsch. Am Ende kommen heidnische Beschwörungsformeln heraus.

In der Gotthardstraße trafen sich  zufällig ältere Merseburger Bürger, die der Merseburger Babbelei mächtig waren. Sofort wurde hier Insiderwissen ausgetauscht, wobei die eine oder andere Erinnerung wach geworden ist.

In der Gotthardstraße trafen sich  zufällig ältere Merseburger Bürger, die der Merseburger Babbelei mächtig waren. Sofort wurde hier Insiderwissen ausgetauscht, wobei die eine oder andere Erinnerung wach geworden ist.

Während der Entenplan zu einem Platz der Begegnung nach der Neugestaltung geworden ist, kann die Merseburger Stadtkirche nach den Umbaumaßnahmen einen Raum der Begegnung aufweisen.

In der Kirche selbst ist nur wenig ursprüngliches Inventar erhalten. Nach einem Kirchenbrand stand auch hier eine Neugestaltung an, bei der barocke Bestandteile erhalten wurden. Marienaltar und andere Relikte, aber auch verschiedene Fliesenteppiche am Boden der Kirche sprechen ihre Sprache.

Am Ende der Führung nahmen alle noch einmal im Raum der Begegnung mit einem Glas Wassr, Schorle oder Wein Platz. Auch hier wurde noch die eine oder andere Mär berichtet z.B. von der alte Schaberin und dem Poltergeist.

Der Rest vom Rabenschiss wurde verputzt und wer mochte, konnte für einen kleinen Obolus leckere Aprikosenmarmelade erwerben. Und die war wirklich lecker …

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathleen Brehme

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!