Themenführung in Merseburg: „Kunst und Kultur auf dem Campus“

Am 14. November hatte ich eine Premiere. Ich besuchte den Merseburger Campus. Studiert habe ich schon, aber nicht hier.

Stadtführerin Dr. Ingrid Hammerl selbst Absolventin  der Merseburger Hochschule, lud gemeinsam mit der Hochschulmitarbeiterin Denise Hörnicke zur Themenführung „Kunst und Kultur auf dem Campus“ ein.

Gemeinsam wollten sie uns Kulturschätze der Hochschule etwas näher bringen. VerschiedenePlastiken, Wandbilder und Grafiken sollten uns gezeigt und erläutert werden. Ich jedenfalls war gespannt.

Die Geschichte, der Wandel und die heutigen Nutzung des Campusgeländes wurden auf vielfältige Art und Weise beleuchtet.

Zu Beginn schauten wir uns die beiden Plastiken auf dem Gelände an und erfuhren auf diesem Rundgang, dass die Hochschule 1992 neu gegründet worden ist, also die Technische Hochschule Leuna-Merseburg wurden nicht weitergeführt. Aber später dazu mehr.

Fakt ist, dass sich die Hochschule zu ihrem Kunsterbe bekannte. Eine zusammengetragene Kunstsammlung der Technischen Hochschule Leuna/ Merseburg wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

1964, zum 10-jährigen Bestehen der Technischen Hochschule, wurde ihr der Name „Carl Schorlemmer“ verliehen. Die Frage „Warum Carl Schorlemmer“ wurde uns ungestellt beantwortet. Er sollte etwas mit Chemie zu tun haben.

Das 1972 vom Bildhauer, Maler und Grafiker Heinz Beberniß geschaffene Denkmal „Carl Schorlemmer“, einem Auftragswerk für Leuna, ist die erste Skulptur hier auf dem Gelände.

Am Denkmal „Kampf der revolutionären Arbeiterbewegung“, besser bekannt unter dem Namen "Fäuste", die bis 2003 auf dem Riebeckplatz in Halle (Saale) standen, war er ebenfalls beteiligt.

Auf die Bemerkung aus der Runde „Sehr alt geworden ist er ja nicht. Warum?“ kam prompt die Antwort: „Na weil er in der Chemie gearbeitet hat!“. Ein Schmunzeln konnten wir natürlich nicht verbergen.

Die Plastik "Studentenpaar" wurde vom Bildhauer und Grafiker Martin Wetzel geschaffen. Von ihm stammen aber auch die Arbeiten „Der Lesende“ am großen Gotthardteich und die Bronzereliefs „Jahreszeitenbrunnen“ Reliefs an der Ecke Apotheker- und Burgstraße.

Während unseres Rundganges auf dem Außengelände ging plötzlich die Sirene, ein Brückenschlag dazu, warum am 1.September 1954 die Hochschule gegründet worden ist.

Auf  dem deutschen Boden gab es nach dem 2. Weltkrieg 12 technische Hochschulen. Nur zwei davon befanden sich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, was die Gründung neuer technischer Hochschulen notwendig machte.

Auch wenn das Gelände nur die zweite Wahl war, musste die Kleingartensparte „Gute Hoffnung“, welche seit 1925 bestand, den Bauplänen weichen.

Ein älterer Herr aus Weimar, der bereits im 1. Semester hier an der Hochschule immatrikuliert worden ist, plauderte mit mir aus dem Nähkästchen aus seiner Studentenzeit.

Der erste Hörsaal war eine große Garage, deren Heizungen im Winter mit einer Dampflok beheizt worden.

Erst einen Monat später erfolgte der 1. Spatenstich für die Wohn- und Laborgebäude. Die Baustelle machte es erforderlich, dass man sogar mit Gummistiefeln durch das Gelände gehen musste, um zum Hörsaal oder zur Mensa zu gelangen.

12 Internate entstehen. Die Gaststätte der Gartensparte wurde umfunktioniert zum Seminarraum und der Mensa, später zum Studentenclub. Seit 2010 befindet sich dort ein Sportraum.

Aber zurück zurHochschulkunst. Im Eingangsbereich befindet sich die 1963 von Karl Kothe und Karlheinz Wenzel geschaffene Putzkeramik „Die Wissenschaft dient dem Leben“.

Im Fachbereich Kultur – und Medienpädagogik setzte man sich auch aktiv mit Wandbild auseinander.

Bei einem eingespielten Beitrag waren Teile von Originalaufnahmen politischer Führungskräfte aus der DDR – Zeit zu hören, unter anderem die allseits bekannte Stimme von Erich Honecker.

Begriffe wie Wirtschaft, Schlüsseltechnologien, Weltalleroberung, Weltmarktführung von Zeiss oder der Pharmaindustrie und typische Kinderlieder fielen.

Hinter der Wand, an der sich dieses Werk befindet, befand sich früher der Lesesaal. Heute ist dort der Theatercampus. Leider konnten wir am heutigen Tag keinen Blick ins Theater werfen. Eine Besichtigung war nicht möglich, da eine Seminarveranstaltung dort stattfand.

Eine Etage höher gab es dann geballte Völkerfreundschaft. Ein Völker verbindender Reigen ist zu sehen. Es wird musiziert, gemeinsam getanzt und gelacht.

Das fließende Band von links nach rechts zeigt Wissenschaft - Kultur und Tanz - Olympische Spiele.

(Friedens)Tauben fungieren hier als bindendes Element zwischen den einzelnen Teilen des Gemäldes. Außer dass das Bild schön bunt ist, hat es auch einen erzieherischen Gedanken.

Man soll sich einfach nicht mehr bekriegen. Ist dieser Aspekt heute nicht aktueller denn je?

Bei der stilisierten Darstellung handelt es sich keineswegs um naive Malerei. Dabei wurde eingefärbter Gips aneinander gereiht und überschliffen. Nach Restaurierungs- und umfangreichen Umbauarbeiten  erstrahlte dieses Kunstwerk 2011 im neuen Glanz.

Hinter dieser Wand, die als geschichtlicher Teil des Gebäudes zu sehen ist, befand sich früher der große Hörsaal, ist jetzt die Hochschulbibliothek.

Dr. Frank Baumann, Direktor der Hochschulbibliothek, begrüßte uns alsLeiter dieses Hauses. Er nahm uns mit auf einen kleinen Exkurs durch die Geschichte.

1956 begann der Bau des Hauptgebäudes. 4 kleine und ein großer Hörsaal entstanden.

Nach der Umstrukturierung des Campus und Sanierung wurden die alten Baracken weiterhin genutzt unter anderem für Studentensport und den Studentenclub REAKTOR.

Vor 10 Jahren sanierte man auch den Bereich der Hochschulbibliothek. Alles Studienrelevante versuchte man, hier zu integrieren. Die verschiedenen Zweigbibliotheken wurden vereint.

Trotz Startschwierigkeiten, besser Statikproblemen, denn Bücher haben nicht nur geistiges, sondern auch reales Gewicht, konnte 2010 in die umgestalteten Räumlichkeiten eingezogen werden.

Der Lichthof, der symbolisch für Geistesblitze zu verstehen ist, lässt Tageslicht auf den Kommunikations-  und Entspannungsbereiche, besser bekannt als „Kuschelecken“, fallen.

Weiter Lesebereiche und Gruppenarbeitsräume wurden geschaffen. 1/3 Printmedien und 2/3 elektronische Medien (ebooks) werden geführt.

Neben der üblichen Funktion einer Bücherei finden hier auch Buchlesungen und Ausstellungen statt.

Als Nachteil wurde die gute Akustik im Raum benannt. Was früher bei Konzerten im ehemaligen großen Hörsaal von Vorteil war, ist in einer Bücherei eher hinderlich.

Inzwischen gibt es zwei Buchbände über die Kunstsammlung an der Hochschule Merseburg. In einem werden die Malereien und Plastiken und in dem anderen die Grafiken der Technischen Hochschule präsentiert.

Die Ausstellung “Grafische Erinnerungen“, die in der Bibliothek zu finden ist,  zeigt 16 Arbeiten von 7 Künstlern. Ein kleiner Abriss zum Leben und den Werken der jeweiligen Künstler findet man ebenfalls.

Für einen längeren Zeitraum werden Arbeiten gezeigt von:

  • Benno Butter
  • Christa Krug
  • Wolfgang Mattheuer
  • Hans Rothe
  • Rosemarie und Werner Rataiczyk
  • Dietmar Petzold

Geplant ist, in absehbarer Zeit Arbeiten anderer Künstler vorzustellen.

Positiv ist, dass die Bibliothek der Hochschule nicht nur von den Studenten kostenfrei genutzt werden kann.

Leider kam nicht bei allen Teilnehmern Verständnis dafür auf, dass samstags nicht geöffnet war. Früher war eben alles ganz anders und vor allem viel besser.

Im 4. Stock kann man weitere restaurierte Gemälde aus der Kunstsammlung sehen, unter anderem „Studentisches Leben“.

Werke folgender Künstler findet man ebenfalls dort:

  • Wilhelm Schmied
  • Fritz Freitag
  • Rolf Kiy
  • Bernd Wilke
  • Herbert Köppe
  • Fritz Müller
  • Gerhard Sachse
  • Eberhard Frey

Weitere Kunstwerke sollen jedoch nicht mehr angekauft werden.

Nach den Sanierungsarbeiten ist der medientechnische Bereich hinzugekommen. Dazu gehören ein Fotostudio, ein Tonstudio und ein Fernsehstudio.

In Letzterem müssen die Studenten des 2. Semesters hier Livesendungen gestalten mit allem drum und dran. Ausgestrahlt werden diese Sendungen beim Offenen  Kanal Merseburg.

Zwei Studentinnen gewährten uns im Fernsehstudio einen kleinen Einblick in das hiesige Leben.

Das Studium im Fachbereich Kultur – und Medienpädagogik ist ein Studiengang, der einem vielfältige Möglichkeiten für den weiteren Lebensweg offenbart.

Im Anschluss kamen wir in einen Bereich, der so manches Männerherz höher schlagen ließ. Wir betraten die Labor der Verfahrenstechnik. Hier experimentieren zukünftige Chemie - und Umwelttechniker.

Zum Schluss konnten wir einen Blick in die Mensa werfen, mit dem großen und kleinen Speiseraum. 1974 hatte man ihn erbaut für 5000 Essenteilnehmer. Und noch immer wird hier selbst gekocht.

Studentenwerk Halle betreibt diese Mensa und bietet von 11.15 Uhr bis 14.00 Uhr vier Komplettgerichte. Im hellen und freundlichen Bereich kann man schon verweilen.

Um Wartezeiten an den Kassen zu verkürzen, wurde bargeldloser Zahlungsverkehr mittels Chipkarte eingeführt. Testen konnten wir das an diesem Samstag aber leider nicht.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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