Themenführung: Barock in Merseburg - auf den Spuren des Barockzeitalters

Frau Werther, die am 05. Septembereigentlich als Herzogin Christiane kostümiert erscheinen wollte, verzichtete an diesem windigen Tag wegen ihrem Handicap auf das wohl eher hinderliche Kleid. Aber das tat der Sache als solches keinen Abbruch, denn sie hatte interessierte Bürgerinnen und Bürger und auch Merseburger Gäste eingeladen, mit ihr die Domstadt zu erkunden. Das Barockzeitalter hat auch hier seine Spuren hinterlassen.

Gestartet wurde am Weinberg 8, dem heutigen Sitz der Kinder - und Jugendpsychiatrie Merseburg. Dieses zum Teil noch im Original erhaltene Gebäude, welches natürlich durch Um - und Ausbauten die eine oder andere Veränderung im Laufe der Jahrhunderte erfahren musste, war das erste Waisenhaus in Merseburg.

Herzogin Christiane war zu Lebzeiten bereits für ihre Güte bekannt. 1698, zu ihrem 65. Geburtstag, unterzeichnete sie eine Stiftungsurkunde für dieses Waisenhaus. Bereits 6 Wochen nach der Gründung war dieses Haus mit 24 Zöglingen, Jungen und Mädchen gleichermaßen, voll belebt.

Für diese Kinder sollte dieses Domizil nicht nur Dach über dem Kopf darstellen. Diese Heimstatt bot  Essen und Trinken. Die Kinder hatten einen geschützten Platz zum schlafen. Ein geregelter Tagesablauf lag Herzogin Christiane ebenfalls am Herzen, der auch der Erholung und dem Spiel diente.

Nach der Konfirmation sollten die Zöglinge auf ihren weiteren beruflichen Werdegang vorbereitet werden. Während die Mädchen in Dienste überstellt werden sollten, Stand für die Jungen das Handwerk oder die Kunst auf dem Programm.

Eine Gedenktafel im Eingangsbereich erinnert noch daran. Auch das Herzoginnenwappen an der Giebelseite ist ein Zeugnis aus jener Zeit.

Nachdem das Waisenhaus nach und nach seine Bestimmung verlor, befand sich zu DDR - Zeiten das Wehrkreiskommando am Weinberg 8.

Auf dem Weg in Richtung Schloss konnte man erfahren, dass nach dem 30-jährigen Krieg Merseburg durch die Kriegschrecken gezeichnet war. Es herrschte Verwüstung, Plünderung und Pestepidemien. Die Einwohnerzahl  dezimierte sich von ca. 3500 auf ungefähr 1500.

Herzog Christian und seine schwanger Frau Christiane wurden 1631 hier ansässig. Durch Erlass von verschiedensten Verordnungen konnte das Chaos geordnet werden. Merseburg  wurde wieder aufgebaut. Ein sorgenfreies Leben für alle Bürger der Stadt war möglich.

1656 erlangte Christian die Herzogswürde, der ebenfalls bestrebt war, eine Hofkultur aufzubauen, auch für Bürgertum. Während dieser Zeit begann die Zeit des Barocks.

Am „Versunkenes Schlösschen“, welches der der Baumeisterfamilie Hoppenhaupt gehörte, spiegelt sich diese Zeit wieder. Dem Oberhaupt der Familie Hoppenhaupt gefiel dieser Platz so sehr, dass er 1744 sein Wohnhaus dort erbaute. Im Inneren des Hauses belegt eine Tafel die Grundsteinlegung.

Der Name „Versunkenes Schlösschen“ entstand dadurch, dass das Haus 1 bis 1,5 Meter unter dem Straßenniveau befand. Jetzt ist es durch Auffüllung natürlich weniger. Dieses Wohnhaus sollte als Schaufenster der Baukunst verstanden werden. Zahlreiche Verzierungen, Frauenmasken und der halbrunde Balkon an diesem zweigeschossigen Gebäude verweisen auf die berocke Zeit.

Die oben eingearbeitete Tafel gilt als Dank an die drei Schutzheiligen. Weitere erhaltene Originalschmuckteile sind heute noch in Museen zu sehen.

An der „Oberen Wasserkunst“ angekommen, einem 9 x 9 m Turm großem Turm, der sich nach oben verjüngt, war zu erfahren, dass hier ursprünglich ein Holzturm stand, der gemeinsam mit einem unten an der Saale gelegene Wasserturm die Versorgung vom Dom und der Oberaltenburg regelte.

An der Unteren und Oberen Wasserkunst, die aus Holz gebaut wurden, standen immer Reparaturarbeiten an, da  zum Beispiel das Holz durch das Wasser morsch wurde. Des weitern fielen sie auch dem einen oder anderen Brand im Turm zum Opfer.

1662 erfolgte eine Generalreparatur. Herzog Heinrich verfügte damals über einen Steinbau. Eine Gedenktafel am Turm wurde zum Dank an den Auftraggeber Herzog Heinrich angebracht.

Wie sollte es anders sein, die Familie Hoppenhaupt erbaute diesen steinernen Turm. Des Weiteren entstand durch Hoppenhaupt auch die Fürstengruft und Teile des Stadtfriedhofes.

An der „Oberen Wasserkunst“ befinden sich ebenfalls außen Schmuckelemente und an den Fenstern. Jetzt wird dieser Turm als Wohnhaus genutzt.

Der Schlossgarten, der vor 30-jährigem Krieg ein Exerzierplatz war, wurde später zum Kräuter- und Nutzgarten umfunktioniert.

Und Herzog Christian lies diesen Barockgarten errichten, der sich durch Symmetrie und Rondelle auszeichnet und eine Verbindung zwischen Schlossgartensalon und Schloss darstellt.

Begrenzt wird dieser Garten durch den Mühlberg, die Oberaltenburg, die Saale und das Schloss. Später gestaltete man ihn um zu einem englischen Landschaftspark.

Nach der Neugestaltung wurde der Schlossgarten 2006 in den Kreis "Gartenträume - Historische Parks in Sachsen - Anhalt" aufgenommen. Diese 43 Parks  und Gärten lassen das gartenkulturelle Erbe wieder aufblühen.

Die 18 Säulen im Untergeschoss lassen den Schlossgartensalon, der ebenfalls von Hoppenhaupt erbaut wurde, wie Wandelhalle wirken. Auch heute noch kann man in diesem Ambiente flanieren.  Einen ausführlichen Bericht zum Thema „Mit der Hofdame der Herzogin Christiane in das Reich der Gartenträume“ finden Sie hier.

Mehr zu den Obeliskenpaaren der Herzogs-familien, die von König Wilhelm III. in Auf-trag gegeben wurden und dem Schloss-gartensalon, der auf das Konto des  Geigen-herzogs, dem Enkel von Herzog Christian, geht, bietet unter anderem die Themen-führung „Die Kurfürstin und Prinz Christian geben sich die Ehre …“. Mehr dazu können Sie hier lesen.

Wussten Sie eigentlich schon, dass Merseburg exakt auf dem zwölften Längengrad liegt?

Im Schlossgarten durchläuft der 12. Meridian an der markierten Stelle die Domstadt.

Am Merseburger Dom angekommen, durchquert man das Eingangstor, bevor man in den Schlossbereich gelangt. Dieses Portal wurde eigens für Herzog Christian erbaut.

Im Innenhof des Merseburger Schlosses findet man den reichlich verzierten Neptun -  Brunnen. Zahlreiche Wappen der herzöglichen Familie zieren diesen Bereich.

Die Domkurien, welche damals als Verwaltungs- und Bedienstetengebäude fungierten, ziert bürgerlicher Schmuck, denn allen Bürgern der Stadt sollte es nach den Kriegswirren besser gehen. Und das wollte man auch zeigen. Unter diesen Gebäuden befinden sich auch heute noch zahlreiche Keller und Gewölbe.

An der Dompropstei 7, einem etwas abgelegenen Winkel, findet man zurückgesetzt ein ehemaliges herrschaftliches Haus, welches ebenso typische Barocke Züge erkennen lässt.

Auch wenn dieses Gebäude noch nicht wieder in neuem Glanz erstrahlt ist, wie es in anderen Bereichen der Stadt Merseburg zu sehen ist, kann man sich vorstellen, wie glamourös es zur damaligen Zeit gewesen sein muss.

Frau Werther verwies mich noch auf die Brauhausstrasse, in der diese charakteristischen Bürgerhäuser zu erkennen sind.

Am ehemaligen Gasthaus „Zum Palmenbaum“, welches auf Teilen der Stadtmauer errichtet worden ist, befindet sich zum Teil auch dieser figürliche Schmuck.

Diese barocke Tour durch Merseburg könnte sich noch fortsetzten lassen. An eine Weiterführung dieser Route in Richtung Stadtfriedhof wird schon gedacht - ein Teil II sozusagen.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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