Sommerfest im Merseburger Petrikloster

Am 29. August lud der Förderkreis Klosterbauhütte e.V. zum diesjährigen Sommerfest ein, um sich auf diesem Wege bei all denjenigen zu bedanken, die sich gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern für St. Petri in Merseburg einsetzen.

Auf unterschiedlichste Weise erhielten die Akteure Unterstützung für die verschiedensten Projekte. Mit Rat und Tat konnte es Schritt für Schritt baulich und kulturell vorwärts gehen.

Mal ehrlich, wer konnte dieser Einladung schon widerstehen? Und das erwartete die Gäste an diesem sommerlichen Tag:

 

  • 15.00 Uhr Kaffee und Kuchen
  • 16.00 Uhr Eröffnung und anschließende Führung durch alle Bereiche
  • 18.30 Uhr Abendessen mit 3 Gängen

Leckere Kuchen und jede Menge Kaffee wurden angeboten. Im schattigen Klausurhof konnte man in lauschiger Runde sitzen und plaudern, denn bis zur Führung war es noch etwas Zeit.

Thomas begrüßte die Gäste zur Führung im und um das Kloster gemeinsam mit seiner „Azubine“, dem Barden Philipp. Bereits seit drei Jahren setzen sich die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins für den Erhalt und die Instandsetzung des 1000-jährigen Petersklosters ein.

Ein großes Dankeschön galt den zahlreichen Spendern und fleißige Helfern, die sich für diesen Ort engagieren.

Neben Informationen über das Kloster mit Elementen aus Gotik und Spätgotik erfuhren wir auch sehr viel über Geschichtliches, Bauliches und das Leben in jener Zeit.

Die finanziellen und materiellen Zuwendungen, die das Petrikloster damals erhielt, machte es möglich, dass die finanziellen und materiellen Zuwendungen, die das Petrikloster damals erhielt, machten es möglich, dass die hier ansässigen 30 Mönche ein Aufblühen des Klosters möglich machten.

Die 240 bis 250 Bediensteten sprechen eine deutliche Sprache. Das Petrikloster ist wohl damals schon als ein Mehrgenerationenhaus anzusehen.

Die zugehörigen Ländereien reichten weit über Spergau und Leuna hinaus bis Markranstädt und Grimma. An konnte sich in der Öffentlichkeit durchaus als etwas Besonderes präsentieren. Leipzig war damals wirklich nur die Kuhbläke von Merseburg.

Der Weinberg, den das Kloster geschenkt bekommen hat, machte bis ins 19. Jahrhundert hinein Weinanbau möglich, mehr als 500 Jahre also.

Das Kloster besaß eine eigene Rechtssprechung. Aber auch hier hatte das Geltungsbedürfnis von diesem und jenem zur Folge, dass sich daraus der eine oder andere Rechtsstreit entwickelte.

Nach dem Untergang des Klosters wurde  die Anlage entsprechend der historischen Gegebenheiten genutzt, so zum Beispiel zur Zeit von Herzog Christian. Man entdeckte hier um Merseburg die Jagdgefilde und benutzte das Kloster als Stallungen für die Pferde.

Bei der Führung durch das Petrikloster mit seinem Sommerrempter, dem Speisesaal der Mönche mit Empore, und dem Winterrempter mit seinen üppigen Schlusssteinen gelangten wir zur Marienkapelle, die mit einem Gesicht verziert ist. Dabei handelt es sich um eine heidnische Darstellung. Aber wie Thomas sagte: Es gibt immer wieder neue Sachen zu entdecken!

Eine enge Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde und drei Baufirmen, also Menschen die wirklich Ahnung haben, machen die Fortschritte im Petrikloster möglich.

Daher sind die Züge mit den Seilen, optisch zwar hässlich, aber baulich unbedingt erforderliches Hilfsmittel wegen der Statik, zwingend notwendig. Sie sollen selbstverständlich später verschwinden.

1830 bis1901 kasernierte hier die Armee. Das Regiment Blauer Husar war angesiedelt.

1903 stellte dann ein Heimatverein prähistorische Exponate aus. Schon damals wurde der Nachweis eines 7000 Jahre alten Siedlungsgrundes erbracht.

Nach 1945 nutzte ein Heimatmuseum die Räumlichkeiten. Und in den 90-iger Jahren waren hier noch kleine Wohnungen und der Klausurhof war ein KiGa – Spielplatz.

Das Petrikloster besaß zu Hochzeiten eine eigene Bibliothek und eine Landesschule. Auch jetzt soll dieser Ort wieder eine Begegnungsstätte werden. Verschiedene Bildungsangebote bei Veranstaltungen gibt es ja bereits. Auch Konzerte finden hier statt. Insgesamt soll demnächst wieder mehr Kultur einziehen, ein Theaterverein möchte diese Örtlichkeit entsprechend nutzen.

Mit der Bildung der Besucher war es wohl nicht soweit her. Alle ignorierten am Aufgang zur Empore das Schild „Zutritt nur Vereinsmitglieder“. Oder hatte man gleich ganz viele neue Mitglieder gewonnen?

Wir erfuhren auch, dass 1945 die Pferdestatue aus dem Schlossgarten entführt und im Gelände des Klosters eingemauert wurde. Gute Mitbürger wollten diese Statue einfach nur schützen.

Im Klausurhof steht ein Zögling der Luthereiche, die im Gedenken an Martin Luther gepflanzt worden ist. Inzwischen ist sie 100 Jahre alt.

Im Gewölbe des Klosters, das zu Kriegszeiten auch als Luftschutzkeller benutzt wurde, besichtigten wir die beiden Räumlichkeiten. Merseburg gehörte mit zu den am zerstörten Städten Deutschlands und rangierte unter den ersten zehn Städten.

Der eine Raum wirkte sehr schlicht und der zweite zeichnete sich durch ein Kreuzgewölbe aus. Das Gewölbe soll ein echtes Klangerlebnis sein. Natürlich bekamen wir eine Hörprobe vom Barden Philipp, der Azubine.

Im Kräutergarten angekommen, das war das erste Projekt des Fördervereins, ist angelehnt an die Landgüterverordnung nach Karl dem Großen.

Doch bevor es hier überhaupt richtig losgehen konnte, musste der verwilderte Zustand, der sich über Jahre und Jahrzehnte hinter den Klostermauern entwickelt hat, angegangen werden. Bereits seit 2 Jahren versucht man nach und nach, das Gelände urbar zu machen. Seit 2 Jahren schon wird das dort gesammelte Holz verfeuert.

Mit 6 Bienenvölkern soll es demnächst hier im Petrikloster losgehen, denn das Imkern gehört einfach mit dazu. Sogar der Imkerpate war bei dieser Führung dabei. Man ist sehr dankbar dafür, dass er diese Aufgabe übernommen hat.

Das Petrikloster war wahrscheinlich ein Vorreiter des Freilichtmuseums. Zu verdanken hat es den Umstand durch die Grabungsarbeiten, die Frau Ida Baumann - Seyd 1910 ermöglichte. Das war noch lange vor dem Frauenwahlrecht in Mitteleuropa.

Somit sind wir auch schon beim neuen Projekt des Förderkreis Klosterbauhütte e.V. angekommen. Im hinteren Bereich befindet sich der Grabungsstättenbereich im Bereich der ehemaligen Klosterkirche, die abgerissen worden ist.

Dort fand man während der Grabungsarbeiten von Frau Ida Baumann - Seyd erste nachweisliche Funde für 7000 Jahre alte Siedlungsgeschichte. Die gefundenen  Siedlungsbauten aus Lehm belegen, dass es damals schon Ansiedlungen in dieser Region gab. Eine damals gefundene bestimmte Moorschneckenart ist sozusagen ein Zeitzeuge.

Auch für die jungen Besucher gab es Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Spiele wurden angeboten. Es konnte gemalt und gebastelt werden. Knüppelkuchen backen durfte selbstverständlich nicht fehlen.

Nach dieser langen Führung setzen sich die meisten erst einmal in den Klausurhof, tranken etwas und plauderten über dies und das. Selbstverständlich wurde auch der eine oder andere Witz über Nonnen und die Kirche gerissen. Wie konnte es auch anders sein.

Das Essen am heutigen Abend bestand, wie bereits angekündigt, aus 3 Gängen:

  • Wildkräutersalat
  • Spanferkel mit Sauerkraut und zwei Sorten Brot
  • Pfirsicheis mit Salbei (kreiert vom Merseburger Italiener)

Vielleicht hat man bei dem einen oder andern hier nicht den geschmacklichen Nerv getroffen, aber meines Erachtens war alles sehr lecker.

 Und zum Abschluss noch eine kleine Auswahl von Bildern aus den verschiedensten Bereichen des Merseburger Petriklosters. Viel Spaß dabei.

Fazit war, dass ohne die Unterstützung auf ganz vielfältige Art und Weise ein solches Projekt gar nicht möglich und realisierbar wäre. Am heutigen Tag konnte man ganz in Ruhe bereits Geschaffenes und Geplantes in Augenschein nehmen.

Redaktion: Kathlenn Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Heinz Biemann, Kathlenn Brehme

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!