Erlebnisführung am Reformationstag: Stadt-geschichte erleben mit „Mönch Thomasius“

Am Reformationstag lud „Mönch Thomasius“ bei herrlichem sonnigen Herbstwetter zu einem Spaziergang durch die Stadt Merseburg ein.

Die Reise in die Geschichte mit Geschichten aus Merseburg dieser Zeit startete am Petrikloster. Zu den Grundsätzen des Ordens gehört auch „Ora et labora et lege“, was bedeutet „Bete und arbeite und lies“.

Ein kleiner Abstecher auf den Altenburger Friedhof, dem ältesten Teil der Stadt Merseburg, offenbarte uns nicht nur das leidliche Thema der zum eil eingebrochenen Gänge der Luftschutzanlagen, sondern gewährte uns noch in andere Zeiten dieser Stadt Einblicke.

Die Kirche St. Vity der Altenburger Gemeinde hier auf dem Gelände des Friedhofes ist romanischen Ursprungs. Das Innere wurde von der Familie Hoppenhaupt gestaltet.

Durch diearchäologischen Ausgrabungen, die Frau Ida Baumann - Seyd 1910 initiiere, konnte wissenschaftlich bewiesen werden, dass hier in Merseburg bereits Ansiedlungen während der  Stein-, Bronze- und Eisenzeit existierten.

Weitere Informationen zum Petrikloster findet man hier.

Zur Zeit der Christianisierung, soll das Petrikloster als Missionsstation fungiert haben. Reste der alten Kirche befinden sich noch im hinteren Teil des Klostergeländes.

Das Skriptorium- die Schreibstube - war fester Bestandteil des Klosters. Hier wurden geistliche Schriften archiviert.

Da es früher fast nur mündliche Überlieferungen gab, ist man sich bei der Bedeutung des Namens Merseburg nicht ganz einig.

Für die Mönche hier war das Bierbrauen eine Notwendigkeit, als Ersatz für das verseuchte Wasser. Selbst Goethe kam nicht umhin, es in seinen Werken zu erwähnen. Übermäßigen Genuss des braunen Bieres kommentierte er so: „So wird mir Angst, um geistigen Verstand“.

Im Laufe der Jahrhunderte musste sich das Merseburger Petrikloster seinen neuen Verwendungszwecken,  je nach historischer Epoche, anpassen.

Aber auch der Weinberg spielte in Merseburg eine Rolle. Nicht umsonst heißt eine Straße in Richtung Klinikum Weinberg.

Vom Petrikloster aus ging es vorbei am Rittmeisterhaus und den Husarenhäuser. Alte Merseburger „Urgesteine“ konnten sich noch an diese Bezeichnung erinnern.

Entlang der Oberaltenburg ging es dann geschwind weiter bis zur Oberen Wasserkunst.

Mehr zu diesem und anderen barocken Bauwerken in Merseburg und der Familie Hoppenhaupt finden Sie hier.

Im Schlossgarten angekommen, wurden wir uns erst einmal bewusst, dass hier ganz schön viel zusammengeführt wird, Unter anderem:

  • Gartenträume - Historische Parks in Sachsen-Anhalt (mehr dazu finden Sie hier)
  • „Blaues Band“ in Sachsen-Anhalt
  • Straße der Romanik

Im Anschluss wurde die Geschichte von Merseburg beleuchtet. Schon damals war es Zentrum der Ost – West – Politik. Auch als Handelszentrum war die Domstadt nicht zu verachten. Wertvolle Pelze, Tücher und auch Salz wurden als Waren gehandelt.

Die Stadt Merseburg hat im Laufe ihrer Geschichte unter den Kriegen gelitten. Es wurde um die Landeshauptstadt gestritten. Herzöge kamen und gingen. Skurrile Hobbys sorgten für dabei für Namen, die im Gedächtnis bleiben, so auch der Geigenherzog.

Aber auch Herzog Christian und Christiane haben in der Gegend viele Spuren hinterlassen und viel Positives bewirkt.

Im Laufe der Zeit veränderte sich das Gesicht des Merseburger Schlossgartens. Der Park wurde mehrfach  umgestaltet, letztmalig 2006.

Eine Teilnehmerin der Führung hatte an diesem Tag ein Foto mit, auf dem sie 1943 hier vor diesem Koniferenbusch als Kind mit ihrer Schwester fotografiert worden ist. Das war schon ein toller Moment, das Leuchten in den Augen der alten Dame zu sehen.

Im Schlossgartensalon, dessen Oberbau Friedrich Schinkel schuf, wurde und wird immer noch gefeiert. Daher hatte der eine oder andere bekannte oder wenig bekannte Zeitgenosse gastierte hier, wozu auch Johannes Brahms und Elisabeth Schumann, eine weltberühmte deutsche Sopranistin, zählen.

Interessant war auch, dass das Ständehaus, ein neogotischer Bau, in nur einer Bauzeit von drei Jahren erbaut wurde. Heute undenkbar, da dauern die Behördengänge schon viel länger.

„Mönch Thomasius“ verwies an der Brücke zum Schloss noch einmal auf die zahlreichen Merseburger Mühlen, wobei man bischöfliche und königliche unterschied.

Vorbei an der „Schwarze Bastion“ hatte man einen guten Blick auf das Wappen, welches den Justizirrtum am Diener Heinrich zum Thema hat. Man sieht Hände, die nach oben gerichtet sind und den Rabe mit dem Ring im Schnabel.

Natürlich durfte die Rabensage um Thilo von Trotha nicht fehlen. Die hörten wir dann, als wir am Rabenkäfig ankamen.

Aus dem Raben in Einzelhaft wurden inzwischen zwei Tiere, der artgerechter Haltung wegen. Diese beiden Zuchttiere haben dennoch kein Nachwuchs, was eigentlich schade ist.

Im Merseburger Schlosshof zeigten die zahlreichen Umgestaltungen, dass auch hier der eine oder andere Regent geherrscht hat oder auch noch herrscht.

Am Merseburger Dom konnten wir einen Blick auf die „verwirrten“ Schutzpatrone werfen. Und wenn Sie einmal eine Führung durch Merseburg mitmachen, erfahren Sie vielleicht, warum die beiden etwas anders sind.

Im ehemaligen Domgymnasium wurde Ernst Haeckel unterrichtet, bevor er als Zoologe, Philosoph und Freidenker bekannt wurde. Das Gebäude des alten Domgymnasiums wurde abgerissen. Nur das Hauptportal ist erhalten geblieben und konnte in der Domküsterei eingefügt werden.

Über die Domstufen und die Brücke über die Saale hinweg gelangten wir zur Neumarktkirche St. Thomae.

Auch zu diesem Thema wird eine Erlebnisführung angeboten. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Zum Ende verteilte die Magd noch kleine „Hustensäfte“ an die Teilnehmer an diesem Tag. Wahlweise gab es auch Orangensaft.

Ich bin mir sicher, dass es für jeden der Teilnehmer dieser Tour etwas Neues zu erfahren und zu entdecken gab!

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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