„Zelle Nr. 18" - Buchpräsentation mit Simone Trieder in der Willi - Sitte - Galerie

Am 18. März luden der Friedrich Bödecker Kreis e. V. Sachsen-Anhalt & Förderkreis Willi-Sitte- Galerie e. V. zur Präsentation des Buches von Simone Trieder und Lars Skowronski ein. Auf Grund der geringen Zuhörerschaft nahm man es sportlich und schaffte ganz spontan eine freundschaftliche Atmosphäre, indem eine große Runde daraus machte.

Um was geht es in dem Buch? Im Gefängnis Berlin - Moabit in der Zelle Nr. 18 saßen im Spätsommer 1943/44 drei junge Polinnen Anfang 20 ein. Ihnen wurde Hochverrat wegen Spionage gegen das NS - Regime vorgeworfen. Diesen jungen Frauen stehen eine ihrer Wärterinnen und ihre Tochter helfend zur Seite.

Simone Trieder und Lars Skowronskirekonstruieren mit dem Buch die Geschichte dieser jungen Frauen. Damit wurde ein Zeugnis von Menschlichkeit in der Nazi - Diktatur geschaffen.

Krystyna Wituska, Maria Kacprzyk und Lena Dobrzycka warteten auf die Vollstreckung ihrer Strafe. Ihnen drohte der Abtransport in ein Straflager oder die Hinrichtung. Die 16-jährige Helga Grimpe, deren Mutter in der Haftanstalt Berlin - Moabit als Wärterin arbeitet, versucht, den jungen Frauen zu helfen. Es beginnt ein Briefkontakt, der sehr persönlich ist. Diese Briefe wurden im »Kleeblattalbum« über die Zeit der Kriegswirren und Bombennächte gerettet.

Die Journalistin Simone Trieder beschäftigte sich mit der „Schwarzen Liste“ der Literatur aus dem Jahr 1933. Dabei handelt es sich um eine Liste derjenigen Bücher, die aus Buchhandel und Büchereien zu entfernen waren. Hierbei stolperte sie wohl eher zufällig über das Buch von Krystyna Wituska „Zeit die mir noch bleibt - Briefe aus der Todeszelle“. Darin wurden die tief berührenden Briefe, die sie aus den Gefängnissen am Alexanderplatz, aus Moabit und letztendlich aus Halle schrieb, wo sie letztendlich im Juni 1944 hingerichtet wurde, veröffentlicht. In Halle lernte sie in der Gedenkstätte ROTER OCHSE den Historiker Lars Skowronski kennen.

Bei den sorgfältigen Recherchearbeiten zu diesen vier jungen Frauen sammelten sie Hinweise, Fakten und bewegende Berichte. Es entstand eine Geschichte über diese damalige Zeit. Durch Gespräche unter anderem mit der überlebenden Maria Kacprzyk wurde das Ganze noch untermauert.

Maria Kacprzyk haben sie persönlich kennen gelernt. Nach dem 2. Weltkrieg arbeitete sie als  Schauspielerin. Bei dieser Begegnung spielte die damals 89-jährige Szenen nach, wie sie sie damals erlebt hat.

Aber auch weitere Zeitzeugen wurden gesucht. Aufgrund dieser Fakten konnten die Schicksale der vier Frauen sehr gut rekonstruiert werden.

Es werden anrührende Momente geschildert, die unter anderem auch den Gefängnisalltag widerspiegeln. In der Zelle wurde gelebt, gearbeitet, geschlafen, getrauert und vieles mehr. Außer den heimlichen Briefen verband die verurteilten Frauen aber auch das Singen. Dieses gemeinsame Singen ließ sie nicht nur Freude, Angst und Trauer verarbeiten. Im Gegenteil, es machte sie auch stark. Das deutsche Volkslied „die Gedanken sind frei“ spricht dabei zweifelsfrei für sich!

Und gemeinsam hatten diese Frauen einen großen Traum: Die Flucht! Auch wenn man nicht absehen konnte, was einen jenseits dieser Gefängnismauern erwartete. Dieses Buch, geschrieben wie eine Dokumentation, trägt Romancharakter.

Die gesammelten Materialien und Zeugenaussagen lassen die Lebensgeschichten zu Herzen gehen und machen alles so authentisch. Diese Vielschichtigkeit der Geschehnisse und die späteren Lebenswege gestalten diese Buchlesung zu einem unvergesslichen Ereignis. Ich selbst weiß, wie oft man bei Recherchen in Sackgassen landet oder es einfach nicht richtig voran geht. Aber Simone Trieder und Lars Skowronski erreichen, dass man Anteil nimmt am Leben dieser Frauen und ein lebendiges Bild der damaligen Verhältnisse entsteht.

Zur Erinnerung an die im Juni 1944 im Zuchthaus Halle hingerichteten jungen Polin Krystyna Wituska wurde auf dem Gertraudenfriedhof Halle am 26. Juni 2014 ein Gedenkstein eingeweiht. Stellvertretend für alle Opfer dieser Zeit, deren Leichname an das Anatomische Institut der Martin - Luther - Universität übergeben worden sind, wurde zum  70. Todestag von Krystyna dieses Denkzeichen mit ihrem Porträt gesetzt. Prof. Bernd Göbel schuf  dieses Denkmal. Nachdem alle bürokratischen Hürden für diese Einweihungszeremonie genommen worden sind, wurden an diesem Tag auch Briefe von Krystyna Wituska vorgelesen.

Zur Erinnerung an die im Juni 1944 im Zuchthaus Halle hingerichteten jungen Polin Krystyna Wituska wurde auf dem Gertraudenfriedhof Halle am 26. Juni 2014 ein Gedenkstein eingeweiht. Stellvertretend für alle Opfer dieser Zeit, deren Leichname an das Anatomische Institut der Martin - Luther - Universität übergeben worden sind, wurde zum  70. Todestag von Krystyna dieses Denkzeichen mit ihrem Porträt gesetzt. Prof. Bernd Göbel schuf  dieses Denkmal. Nachdem alle bürokratischen Hürden für diese Einweihungszeremonie genommen worden sind, wurden an diesem Tag auch Briefe von Krystyna Wituska unter den hier stehenden Birken vorgelesen.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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