Einblicke in die Jahresausstellung 2015 "Christliche und Mythologische Bildsprache im Werk von Willi Sitte"

Seit dem 8. Februar kann man nun die neue Jahresausstellung in der Willi – Sitte – Galerie besuchen. Hier werden Werke gezeigt, die der breiten Öffentlichkeit eher nicht so bekannt sein dürften.


Immer wieder setzt er sich mit dem Thema Gewalt, Krieg, Neofaschismus und Rassendiskriminierung auseinander. Der politische Mensch Willi Sitte gab die Hoffnung nie auf und versuchte auf seine Weise, die Menschen für die weltweiten Konflikte zu sensibilisieren.

Unter anderem übt er bei seinem Bild „Gekreuzigter“, indem auf dem Gekreuzigten eine Zielscheibe dargestellt wird, Kritik an der Militärseelsorge der DDR und somit an der Kirche, die die weltweite Gewalt legitimierte.


Auch wenn Willi Sitte als "Staatsmaler der untergegangenen DDR" bezeichnet wird, für ihn gab es keine gesellschaftliche Alternative zum Sozialismus, um in Frieden leben zu können. Die DDR - das bessere, gerechtere Deutschland? Sozialismus und Imperialismus, DDR und BRD ließen ihn als Thematik nicht los.


Willi Sitte stand beim Kampf der Geschlechter für starke Frauen ein, setzte sich auf ironische Weise mit der geforderten aber nicht wirklich erreichten Gleichstellung der Geschlechter auseinander. Auch ihm suspekte, gar verhasste Schönheitswettbewerbe setzte er auf seine Art und Weise um. Zu sehen ist dies in "Die Rückgabe des Apfels".


Der Absturz und Tod des übermütigen Ikarus soll in den Augen von Willi Sitte nicht die Strafe der Götter für seinen unverschämten Griff nach der Sonne darstellen. Bezug nehmend auf die Entwicklung der Weltraumgeschichte hat der Absturz von Ikarus einen ganz klaren Sinn und ist somit nicht als Scheitern zu werten. Aus meiner Sicht ist das auch heute noch eine vernünftige Einstellung, unabhängig vom politischen Gefüge.

Auch wir vom Team geiseltalinfo.de mussten schon mit dem einen oder anderen Vorurteil kämpfen, wenn wir über die Willi – Sitte – Galerie berichten. Im Zeitalter von Sozialmedia schrieb man uns: Herr Sitte war ein Pfeiler der DDR- Diktatur und hat vielen Menschen geschadet.

Ich möchte es einmal so formulieren. Auch ich kenne Willi Sitte nur aus dem Kunstunterricht. Schönmalerei im Sinne der Partei. Aber auch schon bei der letzen Jahresausstellung stellte ich fest, dass viel mehr dahinter steckt. Mir erschloss sich ein ganz anderer Mensch, als ich mich mit seinen Werken auseinander setzte. Und dieses Mal ging es mir genauso.

Es werden hohle Phrasen ausgesprochen, aber wirklich mit dem Thema auseinandersetzen will man sich dann doch nicht. Jedenfalls ist der oder die Schreiber (in) unserer Einladung, ebenfalls zur Eröffnung dieser Ausstellung zu gehen und sich  in einem eigenen Artikel damit auseinander zu setzen, nicht gefolgt.


Und das waren mit Sicherheit nicht die Gedanken von Willi Sitte für diese beiden Werke, aber mir ging es unweigerlich durch den Kopf bei „Susanne“ und „Susanne und die beiden Alten“. Ich sehe mich im hier und jetzt und dann viele Jahre später – alt eben. Ist es doch schon an der Zeit, mir Gedanken zu machen über alternative Lebensformen im Alter um vielleicht nicht allein zu sein? Wohngemeinschaft oder Seniorenstift? Alles eine Frage der Sichtweise und Interpretation.

Redaktion: Jürgen Krohn

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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