Ausstellung „Atelier noir“ von Bodo W. Klös in der Merseburger Domgalerie

Am 31. März eröffnete in der Merseburger Domgalerie eine neue Ausstellung. Der 62-jährige Bodo Klös stellt zum ersten Mal hier aus. „Atelier noir“ zeigt viele Facetten seines Schaffens.

Auf die Frage, was Bodo W. Klös nach Merseburg verschlagen hat, antwortete er spontan erst einmal „Ach du lieber Gott ...“. Der wird es mit Sicherheit nicht gewesen sein, aber der Kontakt zum Galeristen Herrn Leidel besteht schon seit mehr als 2 Jahren. Eine Mitarbeiterin in der Domgalerie machte ihren Chef auf den Mann mit den Raben aufmerksam. Seither stehen sie in regem Kontakt.

Bodo W. Klös verbindet aber noch mehr mit Merseburg als die Eigenheiten der Domstadt, wozu die Zaubersprüche, das Schloss und die Rabensage zählen. Die Mutter seiner Frau stammt sogar aus Merseburg. Aber in diese Region kommt er ohnehin regelmäßig auf Grund der Leipziger Buchmesse.


Seine Vorliebe für Raben, die eigentlich aus einer kindlichen Laune heraus entstanden ist, machte es sogar möglich, ein Buch zu schaffen, da es zwischenzeitlich genug Material dafür gab. Das Buch "Der Rabe" kam 1997 heraus. Bisher wurde die 3. Auflage gedruckt. Da immer wieder neue Ideen zu Papier gebracht werden, kann Bodo W. Klös eigentlich nicht wirklich mit dem Thema Rabe(n) abschließen. Eine Unsumme von Rabenbilden in witziger Form kann er inzwischen aufweisen.

Die wohl am häufigsten gestellte Frage, so Bodo W. Klös, ist die danach, wie er denn auf die Raben gekommen sei. „Schuld“ sind seine Kinder. Als sie noch klein waren, sollte der Papa mal etwas machen. Es entstanden schwarze Kleckse, daran wurde ein Schnabel gezeichnet – fertig war der Rabe. Inzwischen sollen diese Werke durch minimal - invasive Arbeit kleine Geschichten erzählen. Es blieb nicht aus, sich immer weiter mit dem Thema Rabe zu beschäftigen.

Im Mittelalter als Aasfresser oder Galgenvogel bezeichnet, kommt den Rabenvögeln in der christlichen Mythologie keine besonders ehrenvolle Aufgabe zu. In Hessen zum Beispiel waren sie bis Anfang des letzten Jahrhunderts schlicht weg das Synonym für das Schlechte.

Ägypter oder Indianer sehen die Raben schon viel entspannter. Man hält sie für besonders intelligent, da sie ein großes Hirn aufweisen und sehr lernfreudig sind.

Sein Interesse für Raben bescherte Bodo W. Klös nach eigenen Angaben einen Ehrenvorsitz bei einem obskuren Rabenverein.

Neben den Rabengeschichten gibt es selbstverständlich noch andere Facetten des Künstlers zu sehen, der seit 35 Jahren als freischaffender Künstler tätig ist. Seine eigene künstlerische Karriere begann er in einem Atelier regionaler Radierer und Grafiker seiner Heimat, wo er als Assistent anfing.

Zusätzlich zu den Rabengeschichten kann man Radierungen und einen Zyklus von Illustrationen betrachten, sozusagen Poesie von Bob Dylan und andere Musikerporträts. In den Vitrinen sind seine Mappenwerke und Bücher ausgestellt.

Die Laudatio des Kunsthistorikers Dr. Friedhelm Häring fand ich persönlich mehr als erfrischend. Trotz eigener körperlicher Zipperlein versprühte er soviel Energie, dass es richtig ansteckend war.

Er bezeichnete Künstler als jagdbares Objekt, was bei den Bildern zu Josephine Baker, Frieda Carlo und Edith Piaf dargestellt werden soll. Diese Frauen selbst machen ohnehin mehr als 100 Jahre Geschichte aus.

Jedes Gesicht hat eine ganz eigene Geschichte – eine Fülle von Gesichtern zeichnen sich durch viele Geschichten aus – zu Papier gebracht ergibt es ein Buch.

Jeder Mensch selbst hat sein eigenes Spiegelbild, welches uns aus diesem speziellen Leben etwas erzählt.

Der Spiegel kann als ein Tor angesehen werden, wodurch der Tod kommen und gehen kann. Man muss keine Angst vor dem Tod haben, denn über diese Brücke müssen wir alle gehen, so die Worte von Dr. Friedhelm Häring.

Ein jeder sollte auf seine Art und Weise die Welt etwas verbessern. Bodo W. Klös selbst möchte als Künstler Anteil an diesem Prozess haben.

Liebe, Sex und Tod gehören seit Anbeginn der Menschheit zum Leben dazu. Bodo W. Klös macht uns zum Betrachter aber auch zum Voyeur von erotischen Motiven, leicht bekleideten Damen – Lust und Sex auch in Versform.

Die Farbradierung „Der Fahnenträger“ zeigt zum Beispiel, wie eine Menschen-gruppe mit Dirne und Künstler dem Fahnenträger folgt. Diese „Fahne“ kann eine Weltanschauung, Religion oder Lebenseinstellung sein. Wichtig ist aber, dass sämtliche Versprechungen der Welt die Summe aller Ängste darstellen.

Kunst hatte schon immer die Funktion, voyeuristisch zu wirken. Dabei muss sie drei wichtige Bedingungen erfüllen. Sie zeigt uns die Wirklichkeit, die Wahrheit und all das, was das Leben wirklich ausmacht!

Auf vielfältige Weise werdena n der Welt trunkene Menschen dargestellt, egal, ob der Rabe als Motiv herhält oder die liegenden Akte. Selbst Bob Dyllan, der mit seiner Musik die Themen der Welt trifft, dient als künstlerische Grundlage.

Bodo W. Klös macht auch Musik, Hausmusik fürs eigene Ich bzw. nur für sich, aber auch im Stil von Bob Dyllan. Wichtig ist, dass es Spaß macht.

Laudator Dr. Friedhelm Häring bezeichnet alle Künstler als Verrückte. In diesem Fall möchte er uns einerseits Aufrichtigkeit zeigen, Verführbarkeit demonstrieren und den Spiegel vorhalten. Andererseits soll das Leben nicht nur aus purem Ernst bestehen, sondern leicht, heiter oder auch sentimental wie eine Operette sein.

An diesem Abend lernte ich auch ein Ehepaar aus Leipzig kennen, welches schon über Jahre mit Bodo W. Klös befreundet ist. Sie fanden damals Gefallen an dem Rabenbuch, welches sie irgendwo überteuert gekauft hatten. Dieses vor Jahren geknüpfte Band der Freundschaft erhält man. Der Besuch der Leipziger Buchmesse ist somit ein Muss.

Aber auch die anderen Bücher sollten nicht unerwähnt bleiben wie das Skizzenbuch "Hokaido und andere Köstlichkeiten". Mir wurden in diesem Gespräch weitere Empfehlungen mit auf den Weg gegeben.

Noch bist zum 10. Mai 2015 sind die fast 100 Werke in der Merseburger Domgalerie ausgestellt.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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