Unterwegs mit dem Mönch Thomasius

Benediktiner Mönch Thomasius aus dem 1091 neu gegründeten Petrikloster, alias Thomas Schültke, hatte Gäste und Einheimische der Stadt Merseburg aufgerufen, ihn auf seinem Weg zu begleiten. Er wollte seine Weggefährten mit spannenden Geschichten und Sagenhaftem in ein Merseburg aus fast vergessenen Zeiten entführen.

Mit dem Glockenschlag zweie startete an diesem schönen, aber sehr kaltem Tag diese Tour. Ob der Mönch in seiner Kutte und die Magd Tine in ihrem Arbeitsoutfit nicht doch etwas frieren werden? Wir werden sehen.

In der Burgstraße vor der Tourist - Information wurden die Teilnehmer dieser Themenführung durch die Stadt Merseburg erwartet. Doch ca. 15 Menschen hatten sich trotz klirrender Kälte hier eingefunden.

Gleich an der Stadtkirche machten wir den  ersten Stopp. Dort erhielten wir einige Informationen vom Auf und Ab der Stadt bis hin zum 6. Dezember 1944, wobei große Teile der Altstadt zerstört oder beschädigt worden sind.

Ein Zeugnis aus dieser Zeit waren die Aquarelle des Hobbymalers Franz Wagner, der mit seinen Bildern Ansichten der zerstörten Stadt Merseburg nach den schweren Bombenangriffen festgehalten hat. Im Dezember 2014 präsentierte der Altstadtverein mit Unterstützung von Hans-Jürgen List in der Stadtkirche St. Maximi eine Ausstellung von Bildern des Malers.

Zeugnisse des historischen Geschehens der Stadt waren auch der Marktplatz mit Staupenbrunnen und Staupensäule.

Inzwischen kann man auch sehen, dass das ehemalige "Hotel zur Goldenen Sonne" wieder im neuen Glanz erstrahlen soll.

Zerschlagene Fenster, die bröckelnde und mit Plakaten zugekleisterte Fassade sollen der Vergangenheit angehören. Ob die begonnen Baumaßnahmen den früheren Charme des historienträchtigen Gebäudes Tribut zollen werden, kann man nun im Laufe der Zeit beobachten. Das unter Denkmalschutz stehende Haus steck voller Geschichte und Geschichten von hochrangigen Gästen wie Königen und Generälen. Man darf gespannt sein, wie das einstige erste Haus am Platze wieder Gestalt annimmt und das Flair des einstigen noblen "Hotel zur Goldenen Sonne" zu neuem Leben erweckt.

Durch geiseltalinfo.de bin ich schon öfter in Merseburg unterwegs gewesen, aber den kleinen und unscheinbaren Brunnen des Saalaffen, besser bekannt als Saalealf, ist mir noch nie aufgefallen. Der Sage nach soll er hier sein Unwesen getrieben haben. Mit diesem Brunnen in der Nähe des Marktes hat man ihm ein kleines Denkmal gesetzt.


Entlang der Oelgrube ging es weiter in Richtung „Tiefer Keller“. Am Fuße des kleinen Weinberges der Domgalerie lässt man die Weinanbautradition der Stadt Merseburg wieder auferstehen. Bei dieser Führung erfuhr man etwas über die geheimnisvollen Gänge und Gewölbe und die Bedeutung der Keller jener Zeit.

Weiter ging es dann Richtung Saaleufer vorbei an der Neumarktmühle, wobei es sich um eine der 7 Mühlen der Stadt handelt. Auch hier gab es die eine oder andere Geschichte zu berichten. Sogar eine Sage über den Saalealf wurde zum Besten gegeben. Dieser Nix soll dann und wann auch ein Menschenopfer gefordert haben.

Eine Frau, die noch im Kindbett lag, verdankte es am Ende den Kräutern Dost und Dorant (Wohlgemut und Helfkraut), dass sie ihm nicht zum Opfer gefallen ist. Man soll dann darauf hin diese beiden Kräuter immer auf dem Merseburger Markt verkauft haben.

An der Neumarktkirche St. Thomae mit seinem spätromanischen Hauptportal machten wir erneut halt, denn dort befindet sich die im mitteldeutschen Raum einmalige Knotensäule. Die linke Mittelsäule, eine der sechs flankierenden Säulen, weist dieses „Zauberzeichen“ auf, denn sie sollten zur damaligen Zeit Unheil abwehren.

Über die 54 Domstufen gelangten wir dann zum Dom und zum Schloss. Auf dem Weg dorthin kam es zum regen Austausch, denn der eine oder andere unserer Gruppe ist eben diesen Weg selbst gegangen, um in die Schule zu gelangen.

Am Kreuzgang berichtete uns Benediktiner Mönch Thomasius über die „unkomplizierte Scheidung“ der damaligen Zeit. Die Lösung war relativ einfach: MANN erhielt Hab und Gut und FRAU ging ins Kloster.

Auch hier an den Mauern des Kreuzganges sind wieder Spuren des Teufels zu finden, anders lassen sich die Kratzspuren kaum erklären. Der „arme Kerl“ musste am heutigen Tag bei dieser Führung aber auch für die eine oder andere Mär herhalten. Muss ganz schön Stress haben!

Ein Kleiner historischer Exkurs am Dom und im Schlosshof rundete diesen Spaziergang ab. Auch heute noch ist das Schloss Sitz unseres Landesfürsten.


Während der Mönch uns noch bei diesen Temperaturen bei Laune hielt, bereitete die Magd Tine eine kleine Überraschung vor. Die Begleiter dieser Führung wurden „auf einen Trunk aus den Kellern des Merseburger Klosters“ eingeladen, der aus den Kräutern des Klostergartens hergestellt worden ist. Ich gebe zu, dass ist jetzt ein wenig geflunkert, aber der Kräutergarten des Petri - Klosters befindet sich im Aufbau. Und was daraus wird, man weiß es nicht!


Auf jeden Fall war es ein interessanter und informativer Spaziergang durch die Stadt Merseburg mit viel Wissenswertem aber auch Sagen und Geschichten.  Ein Dank an Benediktiner Mönch Thomasius und die Magd Tine.

Redaktion: Kathleen Brehme

Text: Kathleen Brehme

Fotos: Kathleen Brehme

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Die Redakteure der meisten Medien sind nur kurz auf einer Veranstaltung, holen sich ein paar Infos, machen schnell Fotos und ab zur nächsten Veranstaltung. Wir vom Geiseltaler Veranstal-tungsmagazin werden in der Regel die gesamte Veranstaltung Vorort sein und  ausführlich mit Stimmungseinblicken der Gäste, in Wort und Bild, über die jeweilige Veranstaltung berichten. Dieses wird wesentlich näher und informeller als bisher umgesetzt!